Knapp zwei Wochen nach dem Rahmenabkommen ist der Konflikt zwischen Washington und Teheran erneut deutlich eskaliert. Die USA griffen nach eigenen Angaben als Reaktion auf die Attacke auf ein Frachtschiff wieder Ziele im Iran an. Die iranischen Revolutionsgarden antworteten mit Angriffen auf Ziele in den mit den USA verbündeten Golfstaaten Kuwait und Bahrain. Gleichzeitig nahm Israel im Südlibanon Kämpfer der mit dem Iran verbündeten Hisbollah unter Beschuss.
Trotz jüngster Bemühungen zur Eindämmung der Gewalt und neuer politischer Vereinbarungen bleibt die Lage in der Region damit hochgefährlich.
Iranische Angriffe in Kuwait und Bahrain
Die Revolutionsgarden erklärten, Marine und Luftwaffe hätten in den frühen Morgenstunden in einem kombinierten Raketen- und Drohneneinsatz acht Infrastrukturziele der US-Armee zerstört. Genannt wurden Einrichtungen auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ali Al-Salem in Kuwait sowie bei der 5. US-Marineflotte in Mina Salman in Bahrain.
Unabhängig überprüfen ließen sich diese Angaben zunächst nicht. Die kuwaitische Armee teilte in der Nacht mit, die Luftabwehr sei gegen feindliche Raketen- und Drohnenangriffe im Einsatz. Bahrain bestätigte einen iranischen Angriff mit Drohnen und Raketen. Das Außenministerium in Manama sprach von einer „gefährlichen Eskalation“ und einem „bewussten Muster wiederholter Angriffe“ gegen das Land.
Zweiter US-Angriff auf Iran seit dem Rahmenabkommen
In der Nacht auf Sonntag starteten die US-Streitkräfte die zweite Angriffswelle gegen iranische Ziele seit Unterzeichnung des Rahmenabkommens. Das Regionalkommando Centcom teilte mit, attackiert worden seien mehrere Ziele, darunter Luftabwehrstellungen, Drohnenlager und Überwachungsinfrastruktur.
Bereits in der Nacht zum Samstag hatten die USA erklärt, iranische Raketen- und Drohnenlager sowie küstennahe Radaranlagen bombardiert zu haben. Auch diesen Einsatz stellte Washington als Reaktion auf die Attacke auf ein Frachtschiff dar.
Straße von Hormus bleibt zentraler Konfliktherd
Das Wiederaufflammen der Gewalt hängt eng mit der ungelösten Lage an der Straße von Hormus zusammen. Seit Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar hatte Teheran den Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Meerenge mit Drohungen und Angriffen faktisch zum Erliegen gebracht und dies als Druckmittel in den Verhandlungen genutzt.
Die Öffnung der Wasserstraße ist ein Kernpunkt des Rahmenabkommens. Wie und unter welchen Bedingungen der Schiffsverkehr dort wieder normal verlaufen soll, ist jedoch weiter offen. Diese Unklarheit scheint Teheran nun zu nutzen, um Tatsachen zu schaffen: Das Frachtschiff war am Donnerstag vor der Küste Omans angegriffen worden, nachdem die Revolutionsgarden gewarnt hatten, sichere Durchfahrten seien nur auf von Teheran festgelegten Routen möglich.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi sagte bei einem Besuch in Bagdad, der Seeweg werde „innerhalb der kommenden 30 Tage wieder vollständig unter die Verwaltung des Iran gestellt“. Die Verantwortung für die Meerenge liege allein beim Iran. Jede Einmischung oder der Versuch, parallele Strukturen zu schaffen, würde die Lage weiter verschärfen. Die Zwischenfälle und Gefechte der vergangenen beiden Nächte in der Straße von Hormus belegten dies, sagte Araghtschi.
Nach Angaben der britischen Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt wurde am Samstag zudem ein weiteres Frachtschiff von einem Geschoss getroffen.
Trump droht dem Iran mit Vernichtung
US-Präsident Donald Trump bezeichnete den amerikanischen Angriff als Vergeltung für einen erneuten Verstoß Teherans gegen die Waffenruhe. Auf Truth Social schrieb er, es sei gut möglich, dass der Iran „es nie lernen“ werde. Es könne ein Punkt kommen, an dem die USA nicht länger vernünftig bleiben könnten und gezwungen seien, das begonnene militärische Vorgehen zu Ende zu führen.
Zugleich drohte Trump in drastischer Form: Sollte es dazu kommen, werde die Islamische Republik Iran nicht mehr existieren.
Hisbollah-Kämpfer im Südlibanon getötet
Ein weiterer Brennpunkt der Auseinandersetzung bleibt der Libanon. Obwohl sich Israel und die libanesische Regierung am Freitag nach jahrzehntelangem Kriegszustand in einem Rahmenabkommen auf einen Weg zu Frieden und Sicherheit verständigt hatten, bleibt die Lage im Südlibanon äußerst angespannt.
Die israelische Armee teilte mit, im Raum Nabatija mehrere Hisbollah-Kämpfer getötet zu haben. Sie seien mit einer Panzerabwehrrakete bewaffnet gewesen und hätten eine unmittelbare Bedrohung dargestellt. Bei einer weiteren Konfrontation mit einem Hisbollah-Kämpfer wurde nach Militärangaben in der Nacht zudem ein israelischer Soldat getötet. Die libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete unterdessen über weitere israelische Angriffe im Süden trotz Waffenruhe.
Hisbollah lehnt Rahmenabkommen ab
Die Hisbollah war nicht an den Verhandlungen beteiligt und lehnt die Vereinbarung ab. Das Abkommen sieht auch ihre Entwaffnung vor. Israel soll sich demnach – anders als von Teheran und der Hisbollah gefordert – erst dann vollständig aus dem Südlibanon zurückziehen, wenn nichtstaatliche Gruppen wie die Hisbollah entwaffnet sind.
Zugleich ist vorgesehen, dass sich die israelische Armee schrittweise aus zwei Zonen zurückzieht und anschließend die libanesische Armee dort die Kontrolle übernimmt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber