Fußball

1:1 im «Pride Match»: Ägypten jubelt, Iran zittert

Vor dem Pride-Match brodeln die Debatten, auf dem Platz bleibt es dramatisch: Irans drittes Remis – weil ein Elfer kläglich vergeben wird.

27.06.2026, 07:04 Uhr

Iran wahrt WM-Chance mit Remis gegen Ägypten

Iran hat sich im kontrovers diskutierten sogenannten „Pride Match“ bei der Fußball-WM ein 1:1 gegen Ägypten erkämpft und darf weiter vom erstmaligen Einzug in die K.-o.-Phase träumen. Das Team von Nationaltrainer Amir Ghalenoei trotzte schwierigen Begleitumständen und holte nach einer intensiven Partie einen Punkt gegen die von Mohamed Salah angeführte Auswahl.

In der Abschlusstabelle der Gruppe G belegt der Iran Rang drei. Mit drei Unentschieden lebt die Hoffnung, am Ende zu den besten acht Gruppendritten des XXL-Turniers zu gehören. Es wäre der größte WM-Erfolg der Landesgeschichte – auch vor dem Hintergrund des Krieges der USA und Israels gegen das Land.

Kapitän Mehdi Taremi zeigte sich nach dem Spiel sichtlich aufgewühlt. Mit Blick auf Reiseeinschränkungen und weitere Belastungen für seine Mannschaft sagte der Stürmer, oft entschieden Kleinigkeiten die Spiele, dafür brauche es Erholung und einen freien Kopf – beides habe sein Team bei diesem Turnier nicht wirklich. Zugleich betonte er, dass der Iran Gefühle habe, auch wenn das Land nicht von allen gemocht werde.

Die iranischen Spieler verabschiedeten sich nach dem Abpfiff unter Applaus von ihren Fans auf der Tribüne. Ghalenoei lobte seine Mannschaft und sagte, er sei stolz auf sie. Zugleich warf er dem Gastgeberland USA vor, sein Team sehr unfair behandelt zu haben.

Ägypten als Gruppenzweiter weiter – Australien wartet

Für Ägypten stand der Einzug ins Sechzehntelfinale bereits vor dem Anpfiff fest. Wegen des schlechteren Torverhältnisses hinter dem punktgleichen Belgien beendeten die Nordafrikaner die Gruppe dennoch nur auf Rang zwei. Im WM-Stadion in Seattle brachte Mahmoud Saber Ägypten früh in Führung (5.), Ramin Rezaeian glich wenig später für den Iran aus (14.).

Mehdi Taremi vergab zudem in der 11. Minute einen Foulelfmeter, als er an Ägyptens Keeper Ufa Schobeir scheiterte.

Im Sechzehntelfinale trifft Ägypten nun auf Australien. Trainer Hossam Hassan sprach von Stolz und Ehre durch das Weiterkommen und sagte, seine Mannschaft habe sich diesen Erfolg mit harter Arbeit in den drei Gruppenspielen verdient.

Streit um das „Pride Match“

Schon seit Monaten hatte die Begegnung für Diskussionen gesorgt. Die lokalen Organisatoren hatten noch vor der WM-Auslosung festgelegt, das Spiel im Rahmen des an diesem Wochenende stattfindenden „Pride Fest“ als „Pride Match“ auszutragen. Sowohl der Iran als auch Ägypten wandten sich gegen diese Bezeichnung, blieben mit ihrem Protest jedoch erfolglos.

Taremi sagte dazu, die eigene Religion akzeptiere das nicht, zugleich respektiere man aber alle LGBTQI+-Menschen. Es sei die Idee der Veranstalter, nicht die des iranischen Teams, das nach seinen Worten in erster Linie zum Fußballspielen da sei.

Im und um das Stadion war das Motto letztlich nur begrenzt sichtbar. Einige Zuschauer trugen Regenbogenfahnen oder bunte Schminke. Dass sich die FIFA selbst nicht an Aktionen unter dem Pride-Motto beteiligen würde, war bereits im Vorfeld erwartet worden.

Deutlicher spürbar war die politische Spannung rund um die Partie. Während der iranischen Nationalhymne waren im Stadion auch Pfiffe zu hören. Vor der Arena demonstrierten Menschen unter anderem für einen Regimewechsel im Iran, für Frieden im Land und gegen die Politik von US-Präsident Donald Trump. Zeitweise wurde die Stimmung hitzig. Auch das Verhältnis zwischen Iran und Ägypten bleibt politisch kompliziert, selbst wenn es zuletzt Zeichen einer Annäherung gegeben hatte.

Frühe Tore und dramatische Schlussphase

Sportlich begann die Partie mit hohem Tempo. Ägypten nutzte gleich seine erste Gelegenheit: Irans Torhüter Alireza Beiranvand konnte den Ball nur unzureichend klären, Saber traf anschließend sogar durch die Beine des Keepers zur Führung.

Der frühe Rückstand brachte den Iran jedoch nicht aus dem Konzept. Zwar vergab Taremi kurz darauf vom Elfmeterpunkt, doch Rezaeian sorgte wenig später für den Ausgleich. Nachdem Schobeir zunächst noch abgewehrt hatte, traf der 36-Jährige aus äußerst spitzem Winkel.

In der Folge entwickelte sich ein weitgehend ausgeglichenes Spiel mit Chancen auf beiden Seiten. Gleichzeitig wurde der Rhythmus immer wieder durch Verletzungsunterbrechungen gestört.

Nach knapp einer Stunde nahm Ägyptens Trainer Hossam Hassan Offensivstar Salah angeschlagen vom Feld, was diesem sichtbar missfiel. Große Sorgen macht sich Hassan nach eigenen Angaben aber nicht. Zwar stünden noch Untersuchungen aus, doch nach dem Gespräch mit Salah gehe er davon aus, dass es in Ordnung sein werde.

Weitere Treffer fielen vor den 66.925 Zuschauern zwar nicht mehr, spannend blieb es dennoch bis zum Ende: Ein Tor von Shojae Khalilzadeh in der Nachspielzeit (90.+3) wurde wegen Abseits aberkannt, zudem traf der Iran zweimal die Latte und verpasste damit den möglichen Sieg nur knapp.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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