Das US-Militär hat nach eigenen Angaben trotz der vereinbarten Waffenruhe Angriffe gegen den Iran ausgeführt. Nach Darstellung des für den Nahen Osten zuständigen Regionalkommandos Centcom waren die Einsätze eine Reaktion auf die Attacke auf ein Frachtschiff am Donnerstag, für die Washington Teheran verantwortlich macht.
Aus der Luft seien iranische Raketen- und Drohnenlager sowie küstennahe Radaranlagen attackiert worden. Das US-Militär sprach von einer „ungerechtfertigten Aggression“ iranischer Streitkräfte gegen die Handelsschifffahrt und wertete den Vorfall als klaren Verstoß gegen die Waffenruhe. Zudem sei die freie Schifffahrt gefährdet worden.
Es sind nach US-Angaben die ersten Angriffe auf iranische Ziele seit der Unterzeichnung des Rahmenabkommens mit Teheran in der vergangenen Woche, das den Krieg beilegen und die Lage in der Region stabilisieren sollte.
Aus der iranischen Stadt Sirik wurden in der Nacht zum Samstag iranischen Berichten zufolge Explosionsgeräusche gemeldet. Darüber berichteten unter anderem der Staatssender Irib und Press TV. Sirik liegt in der Provinz Hormusgan am Persischen Golf nahe der Straße von Hormus und war in der Vergangenheit bereits mehrfach Ziel von US-Angriffen.
Trump verurteilte den Angriff auf das Schiff schon zuvor
US-Präsident Donald Trump hatte dem Iran bereits Stunden zuvor vorgeworfen, gegen die Waffenruhe-Vereinbarung verstoßen zu haben. Seinen Angaben zufolge startete Teheran mindestens vier Drohnenangriffe gegen Schiffe in der Straße von Hormus. Eine Drohne habe ein Frachtschiff getroffen, das seine Fahrt trotz der Beschädigung fortsetzen konnte.
Die drei weiteren Drohnen seien vom US-Militär abgeschossen worden. Trump bezeichnete den Vorfall auf seiner Plattform Truth Social als „offensichtlichen“ und „törichten“ Bruch der Waffenruhe.
Was über den Angriff auf das Schiff bekannt ist
Bereits am Donnerstag war ein Angriff auf ein Handelsschiff in der Straße von Hormus bekannt geworden. Nach Angaben des US-Militärs traf der Iran das unter singapurischer Flagge fahrende Schiff mit einer Drohne, als es die Meerenge entlang der omanischen Küste verließ.
Die britische Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) teilte mit, ein „unbekanntes Projektil“ habe die Brücke des Schiffes beschädigt. Der Vorfall ereignete sich vor der Küste Omans – nur wenige Stunden nach einer Warnung der iranischen Revolutionsgarden, wonach Durchfahrten nur auf von Teheran festgelegten Routen sicher seien.
Steht die dauerhafte Beilegung des Kriegs auf der Kippe?
Washington und Teheran hatten sich nach schwierigen Verhandlungen auf ein Rahmenabkommen zur Beilegung des Kriegs und zur Wiederöffnung der für den weltweiten Ölhandel zentralen Straße von Hormus verständigt. Das Abkommen gilt als Grundlage für weiterführende Gespräche, die zunächst auf 60 Tage angelegt sind. Nach den jüngsten Angriffen ist unklar, wie es mit diesem Prozess weitergeht.
In den vertieften Verhandlungen wollen die USA vor allem Zugeständnisse des Iran beim umstrittenen Atomprogramm erreichen. Teheran drängt unter anderem auf die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte im Ausland sowie auf die Aufhebung von Sanktionen. Washington hatte in dieser Woche Sanktionen auf iranisches Öl bereits vorübergehend ausgesetzt.
Centcom erklärte zudem, die US-Streitkräfte würden weiterhin eine sichere Passage für Handelsschiffe in der Straße von Hormus unterstützen. Das Militär bleibe präsent und wachsam, damit alle Teile des Abkommens mit dem Iran eingehalten und vollständig wirksam würden.
Im Zuge der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran hatte die Islamische Republik Anfang März die wichtige Meerenge durch Drohungen und Angriffe für den Schiffsverkehr weitgehend blockiert. Die USA reagierten darauf mit einer eigenen Seeblockade für Schiffe, die iranische Häfen anliefen oder verließen. Im Zuge des Rahmenabkommens wurden beide Blockaden inzwischen aufgehoben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber