Wirtschaft

Kühlgeräte fast überall ausverkauft – was jetzt?

Heißer Sommer, leere Regale: Ventilatoren und Klimageräte sind vielerorts weg – und Nachschub kommt oft gar nicht mehr.

15.07.2026, 04:00 Uhr

Hitze treibt Nachfrage nach Ventilatoren und Klimageräten nach oben

In vielen Regionen Deutschlands klettern die Temperaturen erneut über 30 Grad. Dadurch wird es auch in Wohnungen und Häusern schnell unangenehm warm. Weil der Deutsche Wetterdienst zudem tropische Nächte angekündigt hat, versuchen viele Menschen, sich mit Kühlgeräten auszustatten. In zahlreichen Geschäften sind Ventilatoren und mobile Klimageräte allerdings schon knapp oder gar nicht mehr zu bekommen.

Lage im Handel angespannt

Nach Angaben von Steffen Kahnt, Geschäftsführer des Bundesverbands Technik des Einzelhandels (BVT), hat die Hitzewelle die Nachfrage massiv steigen lassen. Viele Geräte seien inzwischen weitgehend vergriffen.

Bei Hornbach gibt es laut Unternehmensangaben nur noch vereinzelt Ventilatoren, mobile Klimageräte seien bereits ausverkauft. Wann neue Ware eintrifft, sei derzeit offen.

Bauhaus berichtet, dass einzelne Ventilatoren und mobile Klimageräte je nach Region oder Markt nicht mehr verfügbar sind. Andere Modelle seien nur noch in begrenzter Stückzahl vorhanden. Zwar würden die Filialen aktuell noch beliefert, zusätzliche Mengen für diesen Sommer seien aber nicht mehr vorgesehen. Neue Bestellungen würden erst im Herbst erwartet.

Auch MediaMarktSaturn meldet weiterhin eine sehr starke Nachfrage. Besonders knapp seien mobile Klimageräte. Die Märkte bekämen zwar noch Nachschub, weitere Lieferungen für die laufende Saison seien danach aber nicht mehr geplant.

Bei Euronics liegt die Nachfrage nach Unternehmensangaben ebenfalls vielerorts über dem verfügbaren Angebot. Einige Modelle seien nur noch eingeschränkt erhältlich oder bereits vergriffen. In den kommenden Wochen werde jedoch neue Ware erwartet.

Viele Menschen in Deutschland leiden unter hohen Temperaturen
Ventilatoren sind in diesen Wochen besonders begehrt. Quelle: Christoph Reichwein/dpa

Otto erklärt dagegen, dass aktuell noch genügend Ventilatoren und Klimageräte verfügbar seien. Vor allem günstige Modelle seien zwischenzeitlich ausverkauft gewesen, sollen aber innerhalb der nächsten zwei Wochen wieder angeboten werden.

Expert teilt mit, dass inzwischen viele Geräte verkauft sind und meist nur noch Restbestände in einzelnen Märkten vorhanden seien. Nachlieferungen träfen aber regelmäßig ein.

Wurde der Handel von der Entwicklung überrascht?

Nach Einschätzung von Euronics war das Ausmaß dieser Nachfrage kaum präzise abzusehen. Die Planung orientiere sich üblicherweise an den Verkaufszahlen und Erfahrungen aus früheren Jahren. So lang andauernde Hitzephasen seien bislang eher selten gewesen.

BVT-Geschäftsführer Kahnt betont, dass vor allem preisgünstige und zugleich qualitativ gute Geräte nicht kurzfristig in großen Mengen beschafft werden könnten. Produktion und Transport benötigten Zeit. Zudem könne der Handel keine riesigen Reserven nur für wenige heiße Wochen vorhalten. Das würde hohe Lagerkosten verursachen und Kapital binden – mit dem Risiko, dass die Ware womöglich bis zum nächsten Sommer unverkauft bleibt.

Welche Alternativen gibt es?

Neben Ventilatoren und mobilen Klimageräten können Verbraucher auch fest installierte Split-Klimaanlagen in Betracht ziehen. Diese bestehen aus einer Innen- und einer Außeneinheit. Solche Anlagen arbeiten meist leistungsstärker und effizienter, sind aber deutlich teurer.

Schnelle Hilfe bieten sie derzeit jedoch oft nicht. Der Verband Deutscher Kälte-Klima-Fachbetriebe berichtet von einer extrem hohen Nachfrage. Viele Kunden wollten ihre Anlage noch kurzfristig montieren lassen. An Geräten mangele es zwar nicht, doch die Fachbetriebe seien in den Sommermonaten bereits stark mit Wartung, Reparaturen und Service ausgelastet. Deshalb sei ein rascher Einbau meist nicht möglich. Die durchschnittliche Wartezeit liege bei etwas mehr als drei Monaten.

Zwar werden Split-Klimaanlagen auch in Baumärkten verkauft, installiert werden dürfen sie laut Verband aber nur von zertifizierten Fachbetrieben. Grund dafür sind die verwendeten Kältemittel, die bei unsachgemäßem Einbau austreten könnten.

Klimaanlagen werden populärer

Wie eine repräsentative YouGov-Umfrage zeigt, besitzen derzeit 17 Prozent der Menschen in Deutschland zu Hause eine Klimaanlage. Weitere 20 Prozent planen demnach die Anschaffung. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein deutlicher Anstieg: Im Juli 2025 wollten erst 10 Prozent ein Gerät kaufen, 15 Prozent besaßen bereits eines.

Besonders groß ist das Interesse laut Umfrage bei den 25- bis 54-Jährigen. In dieser Altersgruppe ziehen bis zu 27 Prozent den Kauf einer Klimaanlage in Betracht.

YouGov befragte am 8. Juli mehr als 3.300 Erwachsene in Deutschland. Ein Jahr zuvor hatten gut 3.000 Menschen an der Erhebung teilgenommen. Der Begriff Klimaanlage wurde dabei nicht genauer eingegrenzt und umfasst sowohl fest installierte Split-Anlagen als auch mobile Geräte mit Abluftschlauch.

Entwicklung beim Absatz

Nach Angaben des Fachverbands Gebäude-Klima stieg der Verkauf von Raumklimageräten – meist Split-Klimaanlagen – zwischen 2023 und 2025 von rund 260.000 auf 320.000 Stück. Für 2026 liegen noch keine endgültigen Daten vor, es werde jedoch mit weiterem Wachstum gerechnet.

Bereits 2020 waren etwa 350.000 Anlagen verkauft worden. Viele Geräte stammen von asiatischen Marken wie Panasonic, Mitsubishi, LG oder Daikin, werden jedoch zu großen Teilen in Europa gefertigt. Mobile Klimageräte sind in diesen Zahlen nicht enthalten.

Was sonst noch gegen Hitze hilft

Der Verbraucherzentrale Bundesverband empfiehlt, Fenster und Türen tagsüber möglichst geschlossen zu halten, damit sich Innenräume nicht weiter aufheizen. Auch Jalousien und Rollläden können helfen, die Wärme draußen zu halten.

Gelüftet werden sollte erst dann, wenn die Außentemperatur unter der Raumtemperatur liegt – idealerweise nachts. Für wirksamen Durchzug sollten Fenster möglichst weit geöffnet werden. Außerdem raten Verbraucherschützer dazu, unnötige Wärmequellen im Haushalt auszuschalten, zum Beispiel einen zusätzlichen Kühlschrank.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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