Tuchel erwägt Sonderbewachung für Messi vor WM-Halbfinale
Vor dem WM-Halbfinale zwischen England und Argentinien denkt Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel offenbar über eine ungewöhnliche Maßnahme nach. Der 52-Jährige sagte mit Blick auf Lionel Messi, er habe sogar eine klassische Manndeckung in Erwägung gezogen. Die beiden Teams treffen heute Abend um 21.00 Uhr in Atlanta aufeinander. Im Finale würde Europameister Spanien warten.
Messi bereitet Tuchel nach eigenen Worten besonders großes Kopfzerbrechen. Der argentinische Star erkenne Situationen schneller als andere Spieler und verschaffe sich so genau den Raum, den er für seinen gefährlichen linken Fuß brauche. Zwar seien Messis bevorzugte Zonen bekannt, dennoch sei er nur schwer zu kontrollieren. Gleichzeitig habe Tuchel im argentinischen Spiel einige wiederkehrende Abläufe erkannt.
Messi als Fixpunkt der Albiceleste
Mit bereits acht Treffern ist Messi einer der prägenden Spieler dieses Turniers. Tuchel lobte, wie sehr der 39-Jährige seine Mannschaft trage. Für ihn ist Messi der klare Anführer und wichtigste Akteur im argentinischen Team. Außerdem sei deutlich zu sehen, dass diese Auswahl schon lange zusammenspiele und über viel Erfahrung bei großen Turnieren verfüge.
Trotz der hohen Qualität hatte Argentinien in der K.-o.-Runde bislang jedoch Mühe. Sowohl im Sechzehntelfinale gegen Kap Verde als auch im Viertelfinale gegen die Schweiz musste der Titelverteidiger in die Verlängerung. Im Achtelfinale gegen Ägypten drehte die Mannschaft ein 0:2 erst tief in der Nachspielzeit.

Tuchel warnte dennoch davor, Argentinien zu unterschätzen. Aus seiner Sicht ist das Team stärker, als es zuletzt dargestellt wurde. Er hob besonders die Mentalität hervor: Die Südamerikaner blieben ruhig, auch wenn es schwierig werde, und verfügten insgesamt über ein sehr komplettes Profil. In einem langen Turnier sei es normal, Probleme überwinden zu müssen.
Spiel mit besonderer Brisanz
Für England geht es um den Einzug ins erste WM-Finale seit dem Titelgewinn 1966. Zufrieden sei im Team noch niemand, betonte Tuchel. Die Mannschaft wolle alles aus sich herausholen. Allen Beteiligten sei bewusst, welche Bedeutung dieses Duell für beide Nationen habe. Es gehe um weit mehr als nur ein gewöhnliches Fußballspiel.
Zwischen England und Argentinien gab es bei Weltmeisterschaften immer wieder denkwürdige Begegnungen. 1986 sorgte Diego Maradona mit seinem berühmten Treffer per "Hand Gottes" für Aufsehen, 1998 sah David Beckham nach einer Aktion gegen Diego Simeone Rot. Zusätzlich wird die Rivalität bis heute auch von den politischen Spannungen geprägt, die auf den Falkland-Krieg von 1982 zurückgehen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber