Iran

USA drängen Iran: Bleibt Hormus jetzt offen?

Eskalation nach Iran-USA-Spannungen: Wackelt das Abkommen jetzt endgültig? Washington verlangt von Teheran ein klares Signal.

11.07.2026, 02:24 Uhr

US-Medien zufolge verlangen die Vereinigten Staaten vom Iran ein öffentliches Bekenntnis zur freien und sicheren Schifffahrt in der Straße von Hormus. Teheran solle zusichern, dass die strategisch wichtige Meerenge offen bleibt und der Iran keine Angriffe auf Handelsschiffe verübt. Darüber berichteten unter anderem Axios und das Wall Street Journal unter Berufung auf US-Regierungsbeamte.

Die Botschaft sei sowohl direkt als auch über Vermittler an die iranische Führung übermittelt worden. Einer der US-Beamten habe für den Fall einer ausbleibenden Zusage bis heute schwere Konsequenzen angedeutet. Welche Folgen konkret gemeint waren und ob es tatsächlich eine feste Frist gibt, blieb jedoch offen.

Die USA hatten in den vergangenen Tagen Ziele im Iran angegriffen und dies unter anderem mit Attacken auf Handelsschiffe in der für den weltweiten Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtigen Meerenge begründet. US-Präsident Donald Trump bekräftigte am Freitag erneut das Ende der Waffenruhe im Krieg mit dem Iran. Zugleich ließ er die Tür für Gespräche offen. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb Trump, Teheran habe um eine Fortsetzung der „Gespräche“ gebeten, und die USA hätten zugestimmt.

Teheran dementiert Gesuch um Verhandlungen

Der iranische Außenamtssprecher Ismail Baghai wies laut dem regierungstreuen Sender Press TV Behauptungen zurück, Teheran habe um Verhandlungen mit den USA nachgesucht. Man habe aber einer Bitte eines regionalen Vermittlers entsprochen, Teheran zu besuchen und die aktuelle Lage zu erörtern.

Irans Außenminister Abbas Araghtschi reiste unterdessen in Omans Hauptstadt Maskat und traf dort im Streit um die Straße von Hormus seinen omanischen Kollegen Badr al-Busaidi. Bilder des iranischen Außenministeriums zeigten das Treffen.

Erneute Eskalation trotz Rahmenabkommen

Zuletzt hatte sich die Lage in der Region wieder deutlich verschärft, obwohl Iran und USA am 17. Juni grundsätzlich ein Rahmenabkommen für vertiefte Gespräche über ein mögliches Kriegsende vereinbart hatten. Demnach sollte innerhalb von 60 Tagen ein endgültiger Deal ausgehandelt werden. Seit Anfang April galt zudem eine Waffenruhe, die jedoch wiederholt verletzt wurde und inzwischen von Trump für beendet erklärt wurde.

Das US-Militär bombardierte mehrfach Ziele im Iran als Reaktion auf Angriffe gegen Tanker in der Straße von Hormus. Außerdem setzten die Vereinigten Staaten ihre Sanktionen gegen iranisches Öl erneut in Kraft. Der Iran antwortete mit eigenen Angriffen. Dabei wurden auch Kuwait, Bahrain und Jordanien getroffen, wo sich wichtige US-Militärstützpunkte befinden.

Im Verlauf des Konflikts kam der Schiffsverkehr durch die strategisch bedeutende Straße von Hormus zeitweise fast vollständig zum Stillstand. In der Folge stiegen die Energiepreise stark an. Die höheren Spritpreise erhöhten auch den innenpolitischen Druck auf Trump, die Sicherheit der Schifffahrt möglichst rasch wiederherzustellen.

Bericht: US-Regierung hält Atomdeal für immer unwahrscheinlicher

Neben der Straße von Hormus gehört auch das iranische Atomprogramm zu den zentralen Streitpunkten. Nach einem Bericht des Wall Street Journal hält die US-Regierung ein neues Atomabkommen mit Teheran inzwischen für immer unwahrscheinlicher. Ranghohe US-Beamte hätten damit selten offen eingeräumt, dass eines der wichtigsten außenpolitischen Ziele Trumps – die Eindämmung des iranischen Atomprogramms – womöglich nicht über Friedensgespräche erreichbar ist.

Teheran hatte sich im Rahmenabkommen verpflichtet, bei seinem Nuklearprogramm den „Status quo“ zu wahren und auf die Entwicklung von Atomwaffen zu verzichten. Zugleich stellte das Abkommen dem Iran finanzielle Vorteile in Aussicht, falls die Straße von Hormus wieder geöffnet wird. Nach Angaben des Wall Street Journal sehen US-Beamte aber kaum Chancen auf ein weitreichenderes Abkommen über die Beseitigung iranischen Nuklearmaterials und langfristige Beschränkungen, falls sich der Iran schon nicht an diese vorläufigen Zusagen hält.

Forscher sehen Hinweise auf Reparaturen an iranischer Militäranlage

Satellitenbilder deuten Forschern zufolge darauf hin, dass der Iran eine Militärforschungsanlage wieder instand setzt. Das auf Nuklearthemen spezialisierte Institute for Science and International Security berichtet von entsprechenden Aktivitäten am Militärkomplex Partschin.

Die Anlage sei zu Beginn des Krieges mehrfach getroffen worden. Während zunächst vor allem Aufräumarbeiten zu erkennen gewesen seien, gebe es inzwischen Hinweise auf dauerhafte Reparaturen. Genannt werden unter anderem mehrere Betonmischer und andere Vorrichtungen, mit denen Einschlaglöcher offenbar dauerhaft verschlossen werden sollen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dem sogenannten Taleghan-Komplex. Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde wurde dort im Rahmen des iranischen Amad-Programms bis 2003 an Technologien gearbeitet, die für Atomwaffen relevant sein könnten. Demnach sollen dort auch Tests mit starken Sprengstoffen erfolgt sein, um die Implosion eines nuklearen Sprengkopfs zu simulieren. Iran bestreitet die Existenz eines solchen Programms.

CNN: Keine Aktivität in Isfahan, Natans und Fordo

Die vom Sender CNN bereitgestellten und gemeinsam mit dem Institut ausgewerteten Satellitenbilder zeigen nach dessen Darstellung hingegen keine verdächtigen Aktivitäten an der nach Einschätzung der IAEA wichtigsten Uran-Lagerstätte Isfahan. Gleiches gelte für die Nuklearstandorte Natans und Fordo. Diese drei Anlagen waren bereits im vergangenen Sommer von den USA bombardiert worden.

Trump hatte mehrfach betont, seine Regierung überwache die Standorte seither akribisch. Gerade vor diesem Hintergrund stellt sich laut Wall Street Journal zunehmend die Frage, ob der US-Präsident einen weiteren Kurswechsel vorbereitet.

Wie Trump weiter vorgehen könnte

Dem Bericht zufolge werfen sowohl die US-Forderung nach einem iranischen Bekenntnis zur freien Schifffahrt als auch die wachsenden Zweifel an einem Atomdeal die Frage auf, ob Trump einen größeren Strategiewechsel vorbereitet.

Seine Optionen reichen demnach von einer erneuten umfassenden militärischen Eskalation, um den Iran am Weg zur Atombombe zu hindern, bis hin zu einem begrenzten Abkommen, das hinter seinen bisherigen Forderungen zurückbleibt. Denkbar wäre auch ein Rückzug der USA aus dem Konflikt – was jedoch die Kontrolle über die Straße von Hormus zusätzlich infrage stellen könnte.

Für den Iran hat sich die Meerenge in dem Konflikt als wichtigstes wirtschaftliches und militärisches Druckmittel erwiesen. Teheran pocht laut Bericht darauf, dass nach seiner Lesart des Rahmenabkommens die alleinige Verantwortung für die Verwaltung der Straße von Hormus beim Iran liege.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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