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Alarm in Europa: Über 500.000 Kinder ohne Impfschutz

566.000 Kinder in Europa ohne Impfschutz, 21.000 davon in Deutschland – warum reißen die Lücken auf, und wo droht Gefahr?

15.07.2026, 02:01 Uhr

Weniger ungeimpfte Kinder in der WHO-Europaregion – dennoch weiter große Impflücken

In der europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation ist die Zahl der Kinder ohne jede Impfung im vergangenen Jahr zurückgegangen. Dennoch bleibt die Gruppe der Kinder, die gar keinen oder keinen vollständigen Schutz gegen Infektionskrankheiten haben, weiterhin erheblich. Darauf weisen die WHO und das UN-Kinderhilfswerk Unicef hin.

Die WHO-Europaregion umfasst nicht nur die Mitgliedstaaten der EU, sondern insgesamt 53 Länder – darunter auch die Türkei, Turkmenistan und Israel. Mehr als die Hälfte aller völlig ungeimpften Kinder lebt laut den Organisationen in vier Staaten: Kasachstan, der Türkei, Großbritannien und Aserbaidschan.

Hunderttausende Kinder ohne ausreichenden Schutz

Konkret sank die Zahl der komplett ungeimpften Kinder in den 53 Ländern im Vergleich zu 2024 um 43.000. Trotzdem hatten 566.000 Kinder im vergangenen Jahr noch keinerlei Impfschutz. Weitere 258.000 Kinder waren nur unvollständig geimpft. Für Deutschland beziffern WHO und Unicef die Zahl der völlig ungeimpften Kinder auf 21.000.

Aus Sicht der WHO besteht in Deutschland insbesondere bei der HPV-Impfung gegen humane Papillomaviren Nachholbedarf. Demnach sind 55 Prozent der Mädchen vollständig dagegen geimpft. Zwar liegt dieser Wert über dem regionalen Durchschnitt von 41 Prozent, doch die WHO betrachtet erst eine Impfquote von mindestens 90 Prozent als ausreichend.

Zu den Standardimpfungen im Säuglingsalter zählen die Vakzinen gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten. In der gesamten Europaregion lag die Quote hier wie bereits im Vorjahr bei 94 Prozent. 2019 hatte sie noch 96 Prozent erreicht. Bei der ersten Masern-Impfung wurden rund 92 Prozent der Kinder erfasst – ebenso viele wie im Jahr zuvor. 2019 lag dieser Wert noch bei 94 Prozent.

Fortschritte, aber weiter Anlass zur Sorge

Trotz einzelner Verbesserungen sehen die UN-Organisationen die Entwicklung mit Sorge. In einigen Ländern seien die Impfquoten rückläufig. Als Gründe nennen sie unter anderem eingeschränkte Impfprogramme in Konfliktgebieten sowie fehlende finanzielle Mittel, nachdem viele wohlhabendere Staaten ihre Entwicklungshilfe gekürzt haben.

Zudem verweist die WHO auf die Folgen von Falschinformationen über angebliche Impfrisiken. Impfstoffe hätten in den vergangenen fünf Jahrzehnten mehr als 150 Millionen Menschenleben gerettet, hatte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus bereits im vergangenen Jahr betont.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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