Nach den jüngsten militärischen Spannungen zwischen den USA und dem Iran bemühen sich beide Seiten weiter um eine diplomatische Entschärfung. Ein Vertreter der US-Regierung erklärte der Deutschen Presse-Agentur, Washington halte an einer Lösung auf dem Verhandlungsweg fest, auch die technischen Gespräche gingen weiter.
Nach Informationen aus pakistanischen Sicherheitskreisen zeigt sich ebenfalls Teheran offen für Gespräche. Demnach habe der Iran den Vermittler Pakistan darum gebeten, den Vereinigten Staaten seine Bereitschaft zu Verhandlungen zu übermitteln.
In den vergangenen Tagen hatte das US-Militär mehrere Angriffe auf Ziele im Iran geflogen. Washington begründete dies mit Attacken auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus, für die Teheran verantwortlich gemacht wurde. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen. Dabei gerieten auch Kuwait, Bahrain und Jordanien erneut unter Beschuss; in diesen Ländern befinden sich wichtige US-Stützpunkte.
Die neue Eskalation fiel zeitlich mit der Beisetzung des früheren iranischen Staatsoberhaupts Ajatollah Ali Chamenei zusammen. Mehr als vier Monate nach seiner Tötung wurde er iranischen Medien zufolge nachts und ohne Öffentlichkeit im Imam-Resa-Schrein in seiner Heimatstadt Maschhad im Nordosten des Landes beerdigt.
Kreise: Teheran signalisiert Verhandlungswillen
Laut pakistanischen Sicherheitsquellen gab es in der Nacht intensive Kontakte zwischen Islamabad und Teheran. Dabei soll auch ein längeres Gespräch zwischen Irans Außenminister Abbas Araghtschi und dem pakistanischen Armeechef Asim Munir geführt worden sein.

Pakistan habe in mehreren Unterredungen deutlich gemacht, dass neue Angriffe der iranischen Revolutionsgarden auf arabische Staaten der Region zu einer weiteren gefährlichen Zuspitzung führen könnten. Ein pakistanischer Vertreter soll den iranischen Gesprächspartnern gesagt haben, sollte etwa Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate militärisch gegen den Iran reagieren, würde der Krieg eine völlig neue Dimension annehmen.
Nach Angaben aus Islamabad ließ die iranische Seite zugleich erkennen, dass unklar sei, wie sich harte Kräfte innerhalb des Landes in den kommenden Tagen und Wochen verhalten könnten.
Ungewisse Zukunft der Gespräche
Kurzfristig äußerten sich die pakistanischen Vermittler optimistisch, dass ein größerer Krieg zwischen dem Iran und den USA vermieden werden könne. Ob die für das Wochenende geplanten weiteren Gespräche tatsächlich stattfinden, ist den Sicherheitskreisen zufolge derzeit jedoch offen.
US-Präsident Donald Trump hatte Teheran zuletzt mit noch massiveren Angriffen gedroht, falls weiter auf Schiffe in der Straße von Hormus geschossen werde. Am Rande des Nato-Gipfels stellte er die Waffenruhe öffentlich infrage und zeigte sich skeptisch über eine Fortsetzung des Dialogs. "Ich denke, es ist vorbei", sagte er.
Weniger Verkehr in der Straße von Hormus
Die Straße von Hormus gilt in dem Konflikt als wichtigstes wirtschaftliches und militärisches Druckmittel des Iran. Ihre vollständige Öffnung ist ein zentraler Bestandteil des Rahmenabkommens, das die Kampfhandlungen beenden soll.
Mit der jüngsten Eskalation ist der Schiffsverkehr durch die Meerenge erneut deutlich zurückgegangen. Daten des Anbieters Kpler, die der dpa vorliegen, zeigen, dass am Donnerstag nur 22 Schiffe die Straße von Hormus passierten. Am Mittwoch waren es noch 30.
Eine Woche zuvor, also vor Beginn der neuen Kämpfe, waren dort noch 48 Durchfahrten gezählt worden. Seit dem Höchststand Mitte Juni zeigt die Entwicklung damit klar nach unten.
Berichte über Warnung Israels an Trump
Unterdessen berichteten das Wall Street Journal und CNN unter Berufung auf anonyme Quellen, Israel habe die US-Regierung vor einem iranischen Plan zur Tötung von Präsident Donald Trump gewarnt. Demnach soll die Führung in Teheran einen solchen Anschlagsplan erst vor kurzem entwickelt haben. CNN zitierte einen US-Regierungsvertreter mit der Aussage, Washington habe zwar häufiger entsprechende Warnungen erhalten, die israelische Information sei jedoch neu gewesen und habe sich auf ein konkretes Szenario bezogen.
Andere US-Vertreter vermuteten laut CNN allerdings, dass die Warnung aus Israel auch dazu dienen könnte, Trump in seinem weiteren Kurs gegenüber dem Iran zu beeinflussen. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte zuletzt auf ein deutlich härteres Vorgehen gegen Teheran gedrängt und war damit auf Distanz zu Trump gegangen.
Zusätzliche Spekulationen über Sicherheitsrisiken kamen auf, nachdem Trump auf dem Rückflug vom Nato-Gipfel in Ankara nicht wie erwartet die neue Air Force One genutzt hatte. Das Flugzeug war ein Geschenk aus dem Golfemirat Katar. Später sagte der Präsident: "Ich bin die Nummer eins auf der Todesliste des Irans."
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber