Iran

USA drehen Irans Öl den Hahn wieder zu

Kehrtwende in Washington: Die USA ziehen die Ausnahme für iranisches Öl zurück – was das jetzt für den Markt bedeutet.

07.07.2026, 21:36 Uhr

Die Vereinigten Staaten haben die zuvor gelockerten Sanktionen auf iranisches Öl wieder aktiviert. Wie das US-Finanzministerium mitteilte, wird eine erst vor gut zwei Wochen erteilte Ausnahmegenehmigung zurückgenommen.

Neue Geschäfte mit Rohöl, Petrochemie- und Erdölprodukten iranischen Ursprungs sind damit erneut verboten. Bereits begonnene und zuvor genehmigte Geschäfte dürfen nur noch bis zum 17. Juli abgewickelt werden. Neue Käufe oder das Beladen von Schiffen mit iranischem Öl sind nach Angaben der US-Regierung nicht mehr zulässig.

Ein US-Regierungsbeamter erklärte, die Aufhebung der Ausnahmegenehmigung hänge mit dem Verhalten des Iran zusammen. Das zugrunde liegende Rahmenabkommen orientiere sich daran, ob Teheran seine Verpflichtungen erfülle. Wirtschaftliche Erleichterungen gebe es aus Sicht Washingtons nur in diesem Fall. Das Vorgehen des Iran in der Straße von Hormus sei für die USA „völlig inakzeptabel“.

Die Reaktion an den Ölmärkten folgte unmittelbar: Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August verteuerte sich zuletzt um 5,63 Prozent auf 76,04 US-Dollar.

Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus

Zuvor waren mehrere Tanker in der Straße von Hormus beziehungsweise nahe der strategisch wichtigen Meerenge getroffen worden. Nach Angaben der britischen Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt UKMTO wurde ein Tanker von einer Drohne getroffen und leicht beschädigt. Fast zeitgleich meldete die Behörde einen weiteren Vorfall, bei dem ein Tanker von einem Geschoss getroffen worden sei.

Besonders schwere Schäden wurden von dem katarischen Flüssiggas-Tanker „al-Rekajat“ gemeldet, der nach Angaben der Besatzung von einem „unbekannten Geschoss“ getroffen wurde. Katar machte den Iran für den Angriff verantwortlich und warnte vor Gefahren für die internationale Schifffahrt und die weltweite Energieversorgung.

Unklar blieb zunächst, ob sich einzelne Meldungen auf denselben Vorfall bezogen und wer genau hinter den Attacken steckt. Washington macht Teheran für Angriffe auf drei Handelsschiffe verantwortlich. Das iranische Staatsfernsehen erklärte Berichten zufolge, ein Flüssiggas-Tanker sei angegriffen worden, nachdem er Warnungen ignoriert habe. Teheran hatte sich zunächst nicht offiziell zu den Vorwürfen geäußert oder Verantwortung übernommen. Der Iran hatte in den vergangenen Tagen jedoch wiederholt erklärt, nur die von ihm vorgegebene Route durch die Meerenge sei sicher.

US-Militär greift Ziele im Iran an

Nach den jüngsten Attacken hat das US-Militär nach eigenen Angaben Ziele im Iran angegriffen. Das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando des US-Militärs (Centcom) teilte mit, eine Serie heftiger Angriffe gestartet zu haben. Teheran solle damit einen hohen Preis für die Angriffe auf Handelsschiffe mit zivilen Besatzungen in einer internationalen Wasserstraße zahlen.

Centcom bezeichnete das Vorgehen des Iran als unbegründet und gefährlich. Zudem sei es ein eindeutiger Verstoß gegen die Waffenruhe gewesen.

Lockerung war Teil eines vorläufigen Abkommens

Die ursprüngliche Ausnahmegenehmigung war am 21. Juni nach Gesprächen zwischen Washington und Teheran erteilt worden. Damals wurden US-Verbote rund um Produktion, Lieferung und Verkauf iranischen Rohöls sowie anderer Erdölprodukte vorübergehend ausgesetzt. Die Erleichterung sollte zunächst bis zum 21. August gelten.

Die zeitweilige Lockerung war Teil einer vorläufigen Vereinbarung, mit der beide Seiten Verhandlungen über ein dauerhaftes Abkommen ermöglichen wollten. Mit der erneuten Verschärfung erhöht Washington nun wieder den wirtschaftlichen Druck auf Teheran.

Diplomatischer Prozess stockt

Mit den neuen US-Angriffen wächst zugleich die Gefahr einer erneuten militärischen Eskalation in der Region. Nach wochenlangen Kämpfen zwischen den USA, Israel und dem Iran war im vergangenen Monat eine vorläufige Vereinbarung erreicht worden, die Raum für weitergehende Verhandlungen schaffen sollte. Diese Gespräche kommen derzeit jedoch nicht voran.

US-Präsident Donald Trump hatte dem Iran zuletzt erneut gedroht und erklärt, es werde entweder ein Abkommen geben oder die USA würden „den Job zu Ende bringen“. Irans Außenminister Abbas Araghtschi entgegnete, Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen würden nicht beginnen, solange die Drohungen anhielten.

Die Straße von Hormus ist eine zentrale Route für den weltweiten Ölhandel. Weil die Durchfahrt von Tankern während des Krieges zeitweise faktisch kaum möglich war, waren die Energiepreise international deutlich gestiegen. Die zeitweilige Ausnahmegenehmigung hatte die Märkte zwischenzeitlich etwas beruhigt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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