Trump zweifelt an Waffenruhe mit Iran – Teheran droht mit kompletter Sperrung der Straße von Hormus
Nach der jüngsten Eskalation im Konflikt mit dem Iran hält US-Präsident Donald Trump die Waffenruhe praktisch für gescheitert. Am Rande des Nato-Gipfels machte er deutlich, dass er kaum noch an eine Fortsetzung der Feuerpause oder belastbare Gespräche mit Teheran glaubt. Zugleich drohte er mit neuen Militärschlägen und einer verschärften Kontrolle des Seeverkehrs rund um iranische Häfen.
Auslöser der neuen Zuspitzung waren nach Trumps Darstellung iranische Angriffe auf drei Tanker in der Straße von Hormus. Daraufhin griff das US-Militär seit Mittwochnacht nach eigenen Angaben Dutzende Ziele im Iran an. Parallel dazu setzten die USA zuvor gelockerte Sanktionen gegen iranische Ölexporte wieder in Kraft. Teheran reagierte mit Angriffen auf US-Ziele in Kuwait und Bahrain. In der Folge zogen die Ölpreise erneut an.
Trump erklärt die Feuerpause faktisch für beendet
Trump sagte, aus seiner Sicht sei es wohl vorbei. Mit der iranischen Führung wolle er nichts mehr zu tun haben. Gleichzeitig schloss er formelle Kontakte nicht vollständig aus: Seine Unterhändler könnten weiterreden, wenn sie das wollten. Viel davon erwartet er allerdings offenbar nicht.
Auf die Frage nach neuen Verhandlungen machte Trump deutlich, dass ihm deren Fortsetzung gleichgültig sei. Man könne zwar reden, sagte er sinngemäß, aus seiner Sicht wäre das aber wohl nur Zeitverschwendung.
Trump droht mit weiterem Großangriff und neuer Seeblockade
Der US-Präsident drohte der iranischen Führung zudem mit einem großen Angriff noch in der kommenden Nacht. Außerdem kündigte er eine neue Seeblockade für Schiffe an, die iranische Häfen anlaufen oder von dort aus starten. Andere Schiffe sollten nach seinen Worten weiter passieren dürfen.
Iran droht mit vollständiger Blockade der Straße von Hormus
Neu ist nun auch eine verschärfte Drohung aus Teheran: Für den Fall weiterer US-Angriffe stellte der Iran eine vollständige Sperrung der Straße von Hormus in Aussicht. Der englischsprachige Staatssender PressTV berichtete unter Berufung auf eine informierte Quelle aus Sicherheitskreisen, der Iran sei bereit, für die Aufrechterhaltung seiner Kontrolle über die strategisch wichtige Wasserstraße zu kämpfen.
Demnach macht Teheran dabei keinen Unterschied zwischen den USA und deren regionalen Partnern. Die Drohung erhöht den Druck auf eine der wichtigsten Energiehandelsrouten der Welt zusätzlich.
Zweifel an dauerhaftem Abkommen wachsen
Trump stellte auch ein mögliches neues Abkommen mit dem Iran offen infrage. Selbst wenn ein Deal zustande käme, glaube er nicht, dass dieser Bestand hätte. Die iranische Führung bezeichnete er als unehrlich.
Washington und Teheran hatten sich Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen verständigt, das eine 60-tägige Verhandlungsphase ermöglichen und den Weg zu einer dauerhaften Beilegung des Konflikts ebnen sollte. Nach den jüngsten Kämpfen ist jedoch offen, ob dieser Zeitplan noch zu halten ist.
Kein neuer Termin für Verhandlungen bekannt
Zwischen Teheran und Washington hatte nach Angaben aus diplomatischen Kreisen Pakistan vermittelt. Gut informierte Kreise in Islamabad wiesen am Mittwoch zunächst Sorgen zurück, die neue Eskalation könne den Verhandlungsprozess grundsätzlich gefährden.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mahnte am Rande des Nato-Gipfels zu Gelassenheit, Besonnenheit und Geduld. Er verwies darauf, dass die ursprünglich gesetzte 60-Tage-Frist für Gespräche formal noch nicht abgelaufen sei.
Mehr als 80 US-Angriffsziele im Iran
Nach Angaben des US-Militärs wurden mehr als 80 Ziele im Iran angegriffen. Dazu zählten Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen und mehr als 60 Boote der Revolutionsgarden in oder nahe der Straße von Hormus. Hinzu kamen Radaranlagen, die nach Darstellung Trumps erst kurz zuvor wieder aufgebaut worden waren.
Iranische Medien berichteten von Explosionen in mehreren Provinzen an der Südküste des Landes. Mindestens ein Soldat der iranischen Flugabwehr soll dabei getötet worden sein.
Iran meldet Gegenangriffe auf US-Ziele in Bahrain und Kuwait
Irans Revolutionsgarden erklärten laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna, sie hätten ihrerseits 85 Ziele in US-Militäreinrichtungen attackiert. Genannt wurden unter anderem Ziele im Bereich der fünften US-Flotte vor Bahrain sowie der Luftwaffenstützpunkt Ali Al Salem in Kuwait. Außerdem habe der Iran eine feindliche Drohne abgeschossen.
Mit den Angriffen weitete sich die Konfrontation erneut auf mit Washington verbündete Golfstaaten aus, in denen mehrere US-Stützpunkte liegen.
Angriffe während der Trauerfeiern für Chamenei
Die neue Eskalation fällt in die andauernden Trauerfeiern für das getötete iranische Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei. Nach mehrtägigen Zeremonien im Iran fanden am Mittwoch auch im benachbarten Irak Trauerfeiern statt. Am Donnerstag soll Chamenei im Imam-Resa-Heiligtum seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt werden.
Kurz vor den Trauerveranstaltungen hatten die iranischen Streitkräfte ihre Gegner bereits vor weiteren Angriffen gewarnt. In einer Erklärung der Revolutionsgarden hieß es, jede Fehlkalkulation werde mit einer entschlossenen und noch härteren Antwort als je zuvor beantwortet. Teheran hatte zudem wiederholt erklärt, sicher sei in der Straße von Hormus nur eine vom Iran vorgegebene Route.
Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft
Parallel zu den Militärschlägen nahmen die USA zuvor gelockerte Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft. Damit erhöht Washington den wirtschaftlichen Druck auf Teheran erneut.
Die Straße von Hormus bleibt damit einer der wichtigsten und zugleich gefährlichsten Schauplätze des Konflikts. Die Passage ist für den weltweiten Handel mit Öl, Gas und Düngemitteln von zentraler Bedeutung.
Experte: US-Regierung muss sich entscheiden
Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb auf X, falls für Washington ein dauerhaftes Abkommen mit dem Iran Priorität habe, müsse die US-Regierung akzeptieren, dass es keine realistische Rückkehr zum früheren Zustand in der Straße von Hormus gebe. Aus iranischer Sicht hätten sich die Spielregeln seit Kriegsbeginn am 28. Februar grundlegend verändert.
Zusätzlicher Druck werde Teheran voraussichtlich kaum zu einem Kurswechsel bewegen. Sollte für Washington dagegen die Wiederherstellung des früheren Status quo im Vordergrund stehen, würden die Chancen auf ein Abkommen deutlich sinken, während zugleich das Risiko einer neuen Eskalation steige. Die US-Regierung müsse sich daher entscheiden, welches Ziel für sie wichtiger sei.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber