USA starten weitere Angriffe auf Iran – Trump ordnet neue Welle an, Teheran droht weiter mit Sperrung der Straße von Hormus
Nach der jüngsten Eskalation im Konflikt mit dem Iran haben die USA nach eigenen Angaben eine weitere Welle von Angriffen begonnen. Das zuständige Regionalkommando Centcom erklärte, Ziel sei es, Teherans Fähigkeit einzuschränken, den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus zu beeinträchtigen. Neu ist dabei: Nach US-Angaben ging die Anweisung für die Angriffe direkt von Präsident Donald Trump aus. Zu den konkreten Zielen machte das Militär zunächst keine weiteren Angaben.
Neue US-Angriffswelle gegen iranische Fähigkeiten in Hormus
Centcom teilte mit, die laufenden Angriffe richteten sich gegen iranische Fähigkeiten, mit denen der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus gestört werden könnte. Damit setzt Washington seine Militäraktionen gegen die Islamische Republik fort. Weitere Einzelheiten dazu, welche Anlagen oder Einheiten diesmal getroffen werden sollen, nannte das US-Militär zunächst nicht.
Bereits zuvor mehr als 80 US-Angriffsziele im Iran
Schon am Vortag hatten die USA nach eigenen Angaben mehr als 80 Ziele im Iran attackiert. Das Militär begründete die Angriffe mit iranischen Attacken auf Handelsschiffe. Getroffen worden seien demnach unter anderem Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen und mehr als 60 Boote der Revolutionsgarden in oder nahe der Straße von Hormus.
Iranische Medien berichteten zugleich von Explosionen in mehreren südlichen Provinzen. Mindestens ein Soldat der iranischen Flugabwehr soll dabei getötet worden sein.
Trump hatte zweite Angriffswelle bereits angekündigt
Trump hatte weitere Militärschläge schon zuvor in Aussicht gestellt. Das US-Militär habe den Iran hart getroffen, sagte er. Sehr wahrscheinlich werde man das Land auch in der Nacht erneut hart treffen. Zugleich äußerte Trump die Erwartung, dass der Konflikt trotz der neuen Angriffe bald wieder beigelegt werden könne.
Teheran kündigt Reaktion an – Beschuss in Kuwait, Sirenen in Bahrain
Medienberichten zufolge hatte die Führung in Teheran nach der ersten US-Angriffswelle eine Reaktion angekündigt. Kurz darauf meldete die Armee des mit Washington verbündeten Golfstaats Kuwait feindlichen Beschuss. Auch in Bahrain heulten die Sirenen.
Bereits zuvor hatten Irans Revolutionsgarden nach Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur Irna erklärt, sie hätten 85 Ziele in US-Militäreinrichtungen attackiert. Genannt wurden unter anderem Ziele im Bereich der fünften US-Flotte vor Bahrain sowie der Luftwaffenstützpunkt Ali Al Salem in Kuwait. Außerdem habe der Iran eine feindliche Drohne abgeschossen.
Eigentlich war eine Waffenruhe vereinbart
Die neue Eskalation ist besonders brisant, weil die USA und der Iran eigentlich eine Waffenruhe vereinbart hatten. Trump hatte zuletzt jedoch deutlich gemacht, dass er nur noch begrenzt auf belastbare Gespräche mit Teheran setzt. Formelle Kontakte schloss er zwar nicht vollständig aus, zeigte sich mit Blick auf weitere Verhandlungen aber skeptisch.
Drohung mit neuer Seeblockade
Der US-Präsident stellte der iranischen Führung nicht nur weitere Angriffe in Aussicht, sondern kündigte auch eine neue Seeblockade für Schiffe an, die iranische Häfen anlaufen oder von dort aus starten. Andere Schiffe sollten nach seinen Worten weiter passieren dürfen.
Iran droht mit vollständiger Blockade der Straße von Hormus
Teheran verschärfte seinerseits den Ton. Für den Fall weiterer US-Angriffe stellte der Iran eine vollständige Sperrung der Straße von Hormus in Aussicht. Der englischsprachige Staatssender PressTV berichtete unter Berufung auf eine informierte Quelle aus Sicherheitskreisen, der Iran sei bereit, für die Aufrechterhaltung seiner Kontrolle über die strategisch wichtige Wasserstraße zu kämpfen.
Demnach macht Teheran dabei keinen Unterschied zwischen den USA und deren regionalen Partnern. Die Drohung erhöht den Druck auf eine der wichtigsten Energiehandelsrouten der Welt zusätzlich.
Zweifel an dauerhaftem Abkommen wachsen
Trump stellte auch ein mögliches neues Abkommen mit dem Iran offen infrage. Selbst wenn ein Deal zustande käme, glaube er nicht, dass dieser Bestand hätte. Die iranische Führung bezeichnete er als unehrlich. Gleichzeitig sagte er nun, er halte es trotz der jüngsten Militärschläge für möglich, dass der Konflikt zeitnah wieder beigelegt werden kann.
Washington und Teheran hatten sich Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen verständigt, das eine 60-tägige Verhandlungsphase ermöglichen und den Weg zu einer dauerhaften Beilegung des Konflikts ebnen sollte. Nach den jüngsten Kämpfen ist jedoch offen, ob dieser Zeitplan noch zu halten ist.
Kein neuer Termin für Verhandlungen bekannt
Zwischen Teheran und Washington hatte nach Angaben aus diplomatischen Kreisen Pakistan vermittelt. Gut informierte Kreise in Islamabad wiesen am Mittwoch zunächst Sorgen zurück, die neue Eskalation könne den Verhandlungsprozess grundsätzlich gefährden.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mahnte am Rande des Nato-Gipfels zu Gelassenheit, Besonnenheit und Geduld. Er verwies darauf, dass die ursprünglich gesetzte 60-Tage-Frist für Gespräche formal noch nicht abgelaufen sei.
Angriffe während der Trauerfeiern für Chamenei
Die neue Eskalation fällt in die andauernden Trauerfeiern für das getötete iranische Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei. Nach mehrtägigen Zeremonien im Iran fanden am Mittwoch auch im benachbarten Irak Trauerfeiern statt. Am Donnerstag soll Chamenei im Imam-Resa-Heiligtum seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt werden.
Kurz vor den Trauerveranstaltungen hatten die iranischen Streitkräfte ihre Gegner bereits vor weiteren Angriffen gewarnt. In einer Erklärung der Revolutionsgarden hieß es, jede Fehlkalkulation werde mit einer entschlossenen und noch härteren Antwort als je zuvor beantwortet. Teheran hatte zudem wiederholt erklärt, sicher sei in der Straße von Hormus nur eine vom Iran vorgegebene Route.
Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft
Parallel zu den Militärschlägen nahmen die USA zuvor gelockerte Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft. Damit erhöht Washington den wirtschaftlichen Druck auf Teheran erneut. In der Folge zogen die Ölpreise wieder an.
Die Straße von Hormus bleibt damit einer der wichtigsten und zugleich gefährlichsten Schauplätze des Konflikts. Die Passage ist für den weltweiten Handel mit Öl, Gas und Düngemitteln von zentraler Bedeutung.
Experte: US-Regierung muss sich entscheiden
Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb auf X, falls für Washington ein dauerhaftes Abkommen mit dem Iran Priorität habe, müsse die US-Regierung akzeptieren, dass es keine realistische Rückkehr zum früheren Zustand in der Straße von Hormus gebe. Aus iranischer Sicht hätten sich die Spielregeln seit Kriegsbeginn am 28. Februar grundlegend verändert.
Zusätzlicher Druck werde Teheran voraussichtlich kaum zu einem Kurswechsel bewegen. Sollte für Washington dagegen die Wiederherstellung des früheren Status quo im Vordergrund stehen, würden die Chancen auf ein Abkommen deutlich sinken, während zugleich das Risiko einer neuen Eskalation steige. Die US-Regierung müsse sich daher entscheiden, welches Ziel für sie wichtiger sei.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber