Iran

Schock in Teheran: Chameneis Leichnam zieht durch

Vier Monate nach seiner Tötung: Chameneis Leichnam soll durch Teheran ziehen – vor der Beerdigung blickt der Iran auf die Straße.

06.07.2026, 04:15 Uhr

Trauerzug für Chamenei hat in Teheran begonnen

Vor der Beisetzung des iranischen Religionsführers Ajatollah Ali Chamenei wird dessen Leichnam in einer großen Prozession durch Teheran geführt. Nach Angaben der Regierung startete der Trauerzug im Osten der Millionenstadt und verläuft über die zentrale Hauptverkehrsader bis zum Asadi-Turm im Westen der Hauptstadt.

Nach Angaben des mit der Planung beauftragten Generals Hassan Hassansadeh könnte der Zug durch die Stadt bis zu zwölf Stunden dauern. Für die Führung in Teheran ist die Prozession nicht nur ein Abschied, sondern auch ein demonstratives Signal politischer Geschlossenheit.

Chamenei war am 28. Februar bei einem israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz in Teheran ums Leben gekommen. Danach lieferten sich die USA und Israel über mehr als fünf Wochen hinweg einen Krieg mit dem Iran. Erst Anfang April einigten sich Vertreter aus Washington und Teheran auf eine Waffenruhe.

Einschränkungen im Flugverkehr

Aus Sicherheitsgründen sperrte der Iran am Montag den Luftraum über Teheran. Auch für Dienstag sowie für die Tage bis zur Beerdigung am Donnerstag wurden zeitlich und regional begrenzte Beschränkungen für den Flugverkehr angekündigt.

Bestattet werden soll das frühere Staatsoberhaupt in seiner Geburtsstadt Maschhad im Nordosten des Landes. Zuvor sind Zeremonien in der Pilgerstadt Ghom und im Nachbarland Irak vorgesehen.

Für Anhänger Chameneis und die politische Führung des Landes ist die Staatstrauer nicht nur ein Abschied, sondern auch ein Zeichen politischer Einigkeit. Die Führung in Teheran nutzt die Massenveranstaltungen, um Geschlossenheit und Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. Seit Wochen betont die Regierung, den Krieg gegen die militärisch stärkeren USA und Israel überstanden zu haben.

Spekulationen um Modschtaba Chamenei

Chameneis Sohn Modschtaba war Anfang März, eine Woche nach dem Tod seines Vaters, zum neuen Staatsoberhaupt bestimmt worden. Seitdem trat er jedoch nicht öffentlich in Erscheinung. Das befeuerte Spekulationen über seinen Gesundheitszustand; im Raum stehen Berichte über schwere Verletzungen. Das Staatsfernsehen sprach von einem „Kriegsversehrten“, nannte jedoch keine weiteren Einzelheiten. Ob er bei der Beerdigung in Maschhad anwesend sein wird, ist weiterhin offen.

Nach Berichten iranischer Medien ist nicht geplant, dass der 56-Jährige selbst ein Totengebet leitet. In Ghom soll diese Aufgabe der einflussreiche Ajatollah Makarem Schirasi (99) übernehmen, in Maschhad Nuri Hamedani (101). In Teheran fungierte der 97-jährige Großajatollah Dschafar Sobhani als Vorbeter.

Prominente Reformpolitiker fehlen

Während ranghohe Vertreter aus Regierung und Militär an den Trauerfeiern teilnahmen und sich teils erstmals seit Kriegsbeginn wieder in der Öffentlichkeit zeigten, wurde das Fernbleiben bekannter Persönlichkeiten auch kritisiert. Der frühere Vizepräsident Mohammed Ali Abtahi beklagte auf X, dass ehemalige Präsidenten nicht eingeladen worden seien. Eine solche Präsenz hätte aus seiner Sicht der Welt ein Bild innerer Geschlossenheit und nationalen Zusammenhalts vermitteln können.

Vor allem führende Vertreter des reformorientierten Lagers waren bei den Zeremonien nicht zu sehen. Dazu zählten die früheren Präsidenten Hassan Ruhani und Mohammed Chatami sowie der ehemalige Außenminister Mohammed-Dschawad Sarif. Auch Ex-Präsident Mahmud Ahmadinedschad blieb den Trauerfeiern fern.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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