Die Gespräche über einen Sozialplan für das von der Schließung bedrohte Zalando-Logistikzentrum in Erfurt sind ohne Einigung beendet worden. Nach Angaben des Unternehmens brach der Betriebsrat die Verhandlungen am Samstag ab, weil aus seiner Sicht keine tragfähige Grundlage für weitere Gespräche mehr bestand. Wie zuvor vereinbart, geht das Verfahren nun in eine Einigungsstelle unter neutralem Vorsitz.
Der Betriebsrat bestätigte das Scheitern der Gespräche und begründete den Schritt damit, dass die Positionen beider Seiten zu weit auseinandergelegen hätten. Nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Tony Krause stellte der Arbeitgeber für den Sozialplan rund 30 Millionen Euro in Aussicht. Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung reicht das jedoch nicht aus, um die sozialen Folgen für den großen Standort abzufedern. Der Betriebsrat hält demnach eher eine Summe von rund 100 Millionen Euro für erforderlich. Krause kritisierte zudem, dass Beschäftigte kurz vor dem Renteneintritt ohne finanzielle Leistung ausscheiden sollten.
Ein Sozialplan regelt, wie Beschäftigte finanziell abgesichert werden, etwa über Abfindungen oder zusätzliche Prämien. Beim sogenannten Interessenausgleich, der organisatorische Fragen der geplanten Schließung wie etwa Schichtplanungen umfasst, wurden laut Unternehmen bereits Fortschritte erzielt. In Erfurt geht es aktuell um rund 2.000 Arbeitsplätze.
Zalando hält am Schließungsdatum fest
Nach mehreren Wochen ohne öffentliche Signale hatten Management und Betriebsrat Ende Mai die Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialplan wieder aufgenommen. Vorausgegangen war ein Vergleich, wonach zunächst außerhalb einer Einigungsstelle verhandelt werden sollte. Da bis zum 20. Juni keine Einigung zustande kam, wird am kommenden Dienstag die Einigungsstelle unter Vorsitz eines früheren Arbeitsrichters eingesetzt. Als vorerst letzter Sitzungstermin ist nach Unternehmensangaben der 9. Juli vorgesehen.
Der Dax-Konzern will das Logistikzentrum, das in der Anfangszeit des Online-Modehändlers eine wichtige Rolle spielte, im Herbst schließen. Ein Unternehmenssprecher bekräftigte, das Verfahren solle weiterhin zügig abgeschlossen und die Schließung wie geplant zum 30.09.2026 umgesetzt werden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion