Politik

ING-Chef: Warum die Frühstartrente jetzt zählt

Mehr Börse für die Rente? Banker Lars Stoy warnt: Ohne diesen entscheidenden Schritt wird der Vorsorge-Plan kaum aufgehen.

01.08.2026, 05:00 Uhr

ING-Chef Stoy fordert mehr Finanzbildung rund um die Altersvorsorge

Der geplante Einstieg in die Frühstartrente ist aus Sicht von ING-Deutschland-Chef Lars Stoy nur ein erster Schritt. Für eine nachhaltige Stärkung der privaten Altersvorsorge brauche es deutlich mehr, sagte Stoy der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt. Vor allem plädiert er für eine bundesweite Strategie zur Finanzbildung.

Nach seinen Worten gibt es zwar bereits zahlreiche gute Projekte, doch reiche das nicht aus. Nötig sei ein abgestimmtes Gesamtkonzept. Ziel müsse sein, dass junge Menschen nach dem Schulabschluss auch bei Finanzthemen über grundlegendes Wissen verfügen.

Zugleich beobachtet Stoy, dass besonders jüngere Menschen in den vergangenen Jahren offener für Investitionen am Kapitalmarkt geworden sind. Die neuen Modelle der privaten Altersvorsorge würden genau an diese Entwicklung anknüpfen.

Mehr Jahrgänge sollten einbezogen werden

Geplant ist, dass künftig jedes Kind zwischen dem 6. und 18. Lebensjahr monatlich zehn Euro vom Staat in ein persönliches, kapitalgedecktes Vorsorgedepot erhält. Starten soll das Modell im Jahr 2027. Den Auftakt macht der Jahrgang 2020: Kinder, die 2026 sechs Jahre alt geworden sind oder noch werden, sollen die Förderung rückwirkend ab dem 1. Januar 2026 erhalten. Danach soll jedes Jahr der neue Jahrgang der Sechsjährigen hinzukommen.

Stoy hofft jedoch, dass die Bundesregierung noch zusätzliche Haushaltsmittel bereitstellt, damit nicht nur einzelne Jahrgänge profitieren. Zwar sei verständlich, dass staatliche Mittel begrenzt seien. Dennoch wäre es aus seiner Sicht ungewöhnlich, wenn viele Jahrgänge von der Förderung ausgeschlossen blieben.

ING-Deutschland-Chef Lars Stoy
Der Banker Lars Stoy, der im Privatbankenverband BdB das Thema Altersvorsorge federführend betreut, sagt aus langjähriger Erfahrung: Viele Menschen in Deutschland wissen, dass sie etwas für ihre Altersvorsorge tun müssen, aber sie handeln nicht. (Foto vom 28.07.2026) Quelle: Andreas Arnold/dpa

Altersvorsorgedepot als Chance mit langfristiger Wirkung

Grundsätzlich bewertet Stoy das Vorsorgedepot positiv. Allerdings werde es Zeit brauchen, bis dessen Nutzen breit sichtbar werde, da Vermögen erst nach und nach aufgebaut werden müsse. Im Idealfall könne das Vorhaben aber einen echten Impuls für die Altersvorsorge in Deutschland auslösen.

Nach seiner Einschätzung wissen viele Menschen zwar, dass sie zusätzlich fürs Alter vorsorgen sollten, setzen dieses Wissen aber häufig nicht konsequent um.

Laut Gesetzentwurf dürfen Eltern, Großeltern oder Paten zusätzlich bis zu 6.840 Euro pro Jahr in das Depot einzahlen. Über viele Jahre hinweg könnten so Vermögen in sechsstelliger Höhe entstehen. Ausgezahlt werden soll das geförderte Kapital erst ab dem 65. Lebensjahr.

Banken warten auf konkrete gesetzliche Regeln

Auch die Anbieter bereiten sich bereits vor. Stoy sagte, die ING arbeite mit Hochdruck an einem kostengünstigen Angebot, das im Wettbewerb bestehen könne. Eine spezielle Beratung für das Produkt plane die Bank allerdings nicht. Aus ihrer Sicht sei das Modell so einfach gestaltet, dass Kundinnen und Kunden es eigenständig nutzen könnten.

Damit der Start 2027 gelingt, müsse die Politik nun rasch die offenen Details klären. Stoy drängt auf schnelle Entscheidungen: Je früher die endgültigen gesetzlichen Vorgaben vorliegen, desto besser könnten Banken und andere Anbieter ihre Produkte vorbereiten. Sollten die Details erst deutlich nach Oktober feststehen, werde die technische Umsetzung schwierig, weil dann kaum noch genug Zeit für die Integration in die IT-Systeme bleibe.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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