Ukraine

Schock in Kiew: Wieder russischer Angriff, vier Tote

Nacht des Schreckens in Kiew: Russische Raketen schlagen erneut ein – die Folgen des Angriffs sind dramatisch.

01.08.2026, 03:07 Uhr

Mindestens neun Tote bei erneutem nächtlichen Raketenangriff auf Kiew

Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew in der Nacht erneut mit ballistischen Raketen angegriffen. Nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko wurden mindestens neun Menschen getötet und mehr als 30 weitere verletzt, darunter vier Minderjährige.

In mehreren Stadtteilen kam es demnach zu Bränden sowie Schäden an Wohnhäusern und anderen Gebäuden. Klitschko hatte zuvor mitgeteilt, dass ein fünfstöckiges Wohnhaus durch herabfallende Raketentrümmer getroffen worden sei. In dem Gebäude seien Menschen eingeschlossen.

Zuvor war von Explosionen in der Stadt die Rede gewesen. Klitschko erklärte, Kiew werde mit ballistischen Raketen attackiert, und forderte die Bevölkerung auf, in Schutzräumen zu bleiben. Viele Einwohner verbrachten die Nacht erneut in U-Bahn-Stationen oder im Freien.

Präsident Wolodymyr Selenskyj zufolge griff Russland die Ukraine mit 35 Raketen und Marschflugkörpern an, darunter 27 ballistische Raketen, sowie mit 185 Drohnen. Nach seinen Angaben konnte nur eine ballistische Rakete abgefangen werden, weil Munition für Patriot-Systeme fehle. Selenskyj appellierte erneut an die Partner seines Landes, die Luftverteidigung schnell zu stärken. Beschädigt wurden ihm zufolge in Kiew 18 Wohnhäuser, eine Schule, die litauische Botschaft und Infrastruktureinrichtungen.

Großangelegter Angriff bereits am Donnerstag

Schon am Donnerstag hatte Russland Kiew und weitere ukrainische Städte mit einem massiven Luftangriff überzogen. Nach ukrainischen Angaben kamen landesweit mindestens zehn Menschen ums Leben, Dutzende weitere wurden verletzt.

Auch die westukrainische Stadt Lwiw nahe der polnischen Grenze meldete schwere Schäden. Während des Angriffs drang zudem ein Flugobjekt in den Luftraum des Nato-Mitglieds Polen ein und stürzte dort ab. Die polnische Regierung sprach von einem russischen Marschflugkörper.

Trump zurückhaltend bei möglicher Patriot-Lizenz für die Ukraine

Mit den anhaltenden schweren Luftangriffen versucht Moskau nach Einschätzung vieler Beobachter, die ohnehin stark belastete ukrainische Flugabwehr weiter zu überfordern. Als besonders wirksam gegen ballistische Raketen gelten Patriot-Abfangraketen. Kiew erklärt jedoch seit Längerem, nicht mehr über ausreichend Munition zu verfügen.

US-Präsident Donald Trump äußerte sich am Freitag zurückhaltend zu der Frage, ob die Ukraine eine Lizenz zur eigenen Herstellung von Patriot-Abfangraketen erhalten könnte. Eine solche Möglichkeit hatte er Anfang Juli am Rande des Nato-Gipfels in Ankara noch in Aussicht gestellt. Die Ukraine verteidigt sich seit Februar 2022 mit westlicher Unterstützung gegen die russische Invasion.

Russische Flugabwehr meldet Abschüsse ukrainischer Drohnen

Auch die Ukraine griff erneut Ziele in Russland an. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin teilte mit, vier Drohnen seien zerstört worden. Über mögliche Schäden wurde zunächst nichts bekannt.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte zudem, in der Nacht insgesamt 274 ukrainische Drohnen über russischem Gebiet und der annektierten Halbinsel Krim abgewehrt zu haben. Zugleich bestätigte Moskau massive Angriffe auf Kiew und dessen Umgebung und sprach davon, dass Rüstungsfabriken attackiert worden seien.

Das ukrainische Militär greift regelmäßig auch Ziele auf russischem Gebiet an, um den Krieg in das Land des Angreifers zurückzutragen. Das Ausmaß der Schäden und Opferzahlen steht nach Einschätzung vieler Beobachter jedoch in keinem Verhältnis zu den massiven Zerstörungen, die Russland in der Ukraine verursacht.

Moskau erlässt Haftbefehl gegen Schanna Nemzowa

Unterdessen hat ein russisches Gericht in Abwesenheit Haftbefehl gegen die Oppositionelle Schanna Nemzowa erlassen. Sie ist die Tochter des 2015 in Moskau ermordeten Kremlkritikers Boris Nemzow.

Nach Angaben des Gerichts wird Nemzowa im Zusammenhang mit ihrer Mitgliedschaft in einer in Russland als unerwünscht eingestuften deutschen Organisation zur Fahndung ausgeschrieben. Für den Fall ihrer Festnahme wurde eine Untersuchungshaft von zwei Monaten angeordnet, die mit einer Übergabe an russische Sicherheitsbehörden verbunden wäre.

Bereits im April 2024 hatte das russische Justizministerium die von Nemzowa gegründete Boris-Nemzow-Stiftung für Freiheit auf die Liste unerwünschter ausländischer und internationaler Organisationen gesetzt. Im Fall einer Verurteilung drohen ihr bis zu sechs Jahre Haft.

Nemzowa reagierte auf Instagram mit einem Foto vor der Zentrale der Deutschen Welle in Bonn und schrieb, sie sei nun berühmt. In einem Kommentar für die Deutsche Welle erklärte sie, der russische Machtapparat verstärke seine Bemühungen, unabhängige Stimmen zum Schweigen zu bringen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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