Der britische Premierminister Keir Starmer gerät nach dem Einzug seines innerparteilichen Gegenspielers Andy Burnham ins Parlament zunehmend unter Druck. Aus der Labour-Partei mehren sich die Stimmen, die einen Rückzug des Regierungschefs fordern. Der frühere Innenminister Alan Johnson sagte im Sender LBC auf die Frage, was er Starmer bei einem Anruf raten würde: „Ich würde sagen: Es ist vorbei, Keir.“
Beobachter rechnen nun mit weiteren Schritten in der Regierungskrise in London. Sollte Starmer trotz der Entwicklungen weiter einen Rücktritt ausschließen, könnte Burnham schon bald eine Abstimmung über die Parteiführung bei Labour in Gang setzen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur PA wird in Westminster bereits darüber spekuliert, dass dies schon in der kommenden Woche geschehen könnte.
Britische Medien berichteten, Starmer sei am Freitag von Parteikollegen aufgefordert worden, den Weg für einen geordneten Wechsel freizumachen. Zugleich hieß es aber auch, dass der Premier weiterhin Unterstützung in der Partei habe. Starmer selbst verwies am Freitag darauf, im Sommer 2024 ein Mandat erhalten zu haben, „um Veränderungen herbeizuführen“. Die Zeitung The Times meldete unter Berufung auf eine anonyme Quelle, intern sei seine öffentlich entschlossene Haltung weniger eindeutig als nach außen dargestellt.
Die harte Realität der Krise
Alan Johnson, der in seiner Laufbahn mehrere Ministerämter bekleidete und als einflussreiche Figur der Labour-Partei gilt, würdigte Starmer zwar als fähigen Politiker. Er sagte, Starmer werde als der Mann in Erinnerung bleiben, der Labour innerhalb von fünf Jahren vom zweitschlechtesten zum zweitbesten Ergebnis ihrer Geschichte geführt habe. Gleichzeitig betonte Johnson jedoch, Starmer sei zwar ein Kämpfer, müsse sich nun aber der „harten Realität“ stellen.

Burnham hatte am Donnerstag die Nachwahl im Wahlkreis Makerfield gewonnen. Erst durch dieses Mandat im Unterhaus ist er nun in der Lage, Starmer offiziell zu einer Kampfabstimmung um den Vorsitz der Labour-Partei herauszufordern und ihn im Erfolgsfall auch als Premierminister zu ersetzen. Als weiterer möglicher Bewerber für die Parteispitze wird zudem der frühere Gesundheitsminister Wes Streeting genannt.
Die ehemalige Verkehrsministerin Louise Haigh, die Burnham unterstützt, sagte laut PA, man hoffe auf einen geordneten und kontrollierten Übergang. Starmer solle das Wahlergebnis sorgfältig bewerten, und Burnham sowie Starmer sollten sich in den nächsten Tagen zusammensetzen, um möglichst innerhalb einer Woche einen gemeinsamen Weg nach vorn zu finden.
Ein weiterer Aspekt der Krise ist die anstehende Nachfolge Burnhams als Bürgermeister von Greater Manchester. Die Wahl dafür ist für den 30. Juli angesetzt. Labour will das Amt verteidigen – insbesondere gegen die rechtspopulistische Partei Reform UK, die in britischen Umfragen teils deutlich vorne liegt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion