Zukunft des Berliner ICC: Pläne für das Wahrzeichen am Funkturm
Das auffällige Großgebäude am Berliner Funkturm zählt seit Jahrzehnten zu den markantesten Bauwerken der Hauptstadt. Das frühere Internationale Congress Centrum, kurz ICC, wird wegen seiner futuristischen Erscheinung oft als „Panzerkreuzer Charlottenburg“ oder als „Raumschiff der City West“ bezeichnet. Für viele gilt es als außergewöhnliches Beispiel internationaler Hightech-Architektur.
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey beschrieb das Haus einmal als „schlafende Schönheit“. Tatsächlich steht das Gebäude auf dem Messegelände in Charlottenburg-Wilmersdorf seit Jahren weitgehend leer und gilt als größter Lost Place Berlins. Schon lange wird darüber gesprochen, wie das einst größte Kongresszentrum Europas künftig genutzt werden könnte. Am Mittwoch, dem 24. Juni, sollen dazu neue Pläne präsentiert werden.
Ein entsprechendes Konzeptverfahren war bereits im November 2024 angelaufen und ist inzwischen abgeschlossen. Giffey und Bausenator Christian Gaebler wollen nun die Ergebnisse vorstellen. Klar ist bereits: Nach Angaben der Wirtschaftsverwaltung soll das ICC zu einem international besonderen Ort für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft werden.
Vom Prestigeobjekt zum Stillstand
Das ICC wurde 1979 eröffnet und war über viele Jahre ein zentraler Baustein des Berliner Messe- und Kongressgeschäfts. Mehrfach wurde es mit dem World Travel Award als weltweit führendes Kongresszentrum ausgezeichnet.
2014 kam jedoch das Aus für den Betrieb. Der gewaltige Bau mit 313 Metern Länge, 89 Metern Breite und knapp 40 Metern Höhe wurde stillgelegt, nachdem Schadstoffe entdeckt worden waren. Die Bruttogeschossfläche beträgt mehr als 213.000 Quadratmeter.

In 35 Jahren kamen Millionen Besucherinnen und Besucher aus aller Welt ins ICC. Das Veranstaltungsprogramm reichte von Unterhaltungsshows und Konzerten bis hin zu großen Fachkongressen. Die letzte öffentliche Veranstaltung vor der Schließung war eine Hauptversammlung von Daimler.
Die rund 80 Säle und Räume mit insgesamt 14.500 Sitzplätzen wurden danach nur noch selten genutzt. Die Messe Berlin errichtete stattdessen eine kleinere Kongresshalle, die günstiger im Betrieb ist. Danach blieb lange offen, was mit dem monumentalen Bau geschehen soll.
Viele Ideen, aber auch klare Grenzen
Ende 2018 kündigte der Berliner Senat an, das ICC wiederzubeleben. Im Raum standen ganz unterschiedliche Nutzungsideen. Die Berliner Immobilienmanagementgesellschaft machte allerdings deutlich, dass bestimmte Konzepte ausgeschlossen seien — etwa ein Bordell, eine Spielbank oder ähnliche Nutzungen.
Im Jahr darauf gingen bei einem Interessenbekundungsverfahren mehr als ein Dutzend Vorschläge ein, darunter Ideen für ein Kongresshotel oder sogar ein Gewächshaus. Ebenfalls 2019 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.
Vorbild Centre Pompidou?
Besonders der frühere Wirtschaftssenator Stephan Schwarz setzte sich später dafür ein, das ICC wieder stärker in den politischen Fokus zu rücken. Im August 2022 sagte er, er sehe in dem Gebäude das Potenzial für einen echten Anziehungspunkt — ähnlich wie das Centre Pompidou in Paris, das seit den 1970er Jahren erfolgreich Kunst und Kultur mit einer markanten Architektur verbinde.
Das 1977 eröffnete Pariser Zentrum beherbergt unter anderem ein Museum für moderne Kunst und eine Bibliothek. Schwarz machte jedoch auch deutlich, dass ein solcher Weg für das ICC lang und teuer wäre.
Ein großes Problem ist der enorme Sanierungsbedarf. Bereits 2012 war von Kosten in Höhe von 330 Millionen Euro die Rede. Diese Schätzung gilt heute längst als überholt. Trotzdem betonte Schwarz damals, man müsse alles daransetzen, um das Gebäude wieder nutzbar zu machen und es den Berlinerinnen und Berlinern zurückzugeben.
Öffnung für Kultur und Publikum
2021 und 2022 wurde das ICC erstmals wieder für kulturelle Veranstaltungen geöffnet. Im darauffolgenden Jahr war das Haus 48 Stunden lang kostenlos für ein breites Publikum zugänglich. Im September 2025 folgte mit dem Projekt „49 h ICC“ eine weitere Öffnung — diesmal sogar eine Stunde länger.
Neben Architekturführungen und Gesprächen mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gab es dort auch ein ungewöhnliches Programm mit Yoga, Cycling, Running und Lichtschwert-Workshops. Tausende Menschen nutzten die Chance, das ehemalige Kongresszentrum von innen zu erleben.
Wettbewerb um die künftige Nutzung
Im Spätherbst 2024 begann dann ein internationaler Wettbewerb zur Zukunft des riesigen Gebäudes. Das Land Berlin kündigte an, das ICC im Erbbaurecht für 99 Jahre an einen künftigen Betreiber vergeben zu wollen.
Im vergangenen Oktober teilte die Wirtschaftsverwaltung mit, dass im Konzeptverfahren nur noch eine Bietergruppe aus mehreren Unternehmen im Rennen sei. Andere Interessenten hätten die Anforderungen des Teilnahmewettbewerbs nicht ausreichend erfüllt und seien deshalb nicht in die nächste Runde gekommen.
Nach Informationen der Berliner Morgenpost könnte künftig das Team hinter dem Leipziger Kunst- und Kreativstandort Spinnerei das ICC betreiben. Die koordinierende Rolle soll demnach die MIB AG mit Sitz in Berlin und Leipzig übernehmen.
Auf Anfrage erklärte die Wirtschaftsverwaltung, dass sich der Berliner Senat am Dienstag mit der entsprechenden Vorlage befassen werde. Die offizielle Vergabeempfehlung des Steuerungsausschusses solle wie geplant am Mittwoch vorgestellt werden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion