Politik

Britischer Sklavenhandel: Warum bis heute kein Sorry?

220 Jahre nach dem Verbot: Das Erbe des Sklavenhandels spaltet die Karibik bis heute – und setzt London unter Druck.

02.11.2026, 09:01 Uhr

Charles III. in der Karibik: Debatte über Sklaverei und Entschuldigung überschattet Besuch

Mit zwei Kuhglocken in den Händen zeigte sich König Charles III. tanzend auf den Straßen von Nassau. Auf den Bahamas wurde der britische Monarch mit dem traditionellen Junkanoo-Festival feierlich begrüßt. Doch hinter den farbenfrohen Bildern stand ein Thema, das Großbritannien seit mehr als 200 Jahren begleitet: der Umgang mit der eigenen Verantwortung im transatlantischen Sklavenhandel, dessen Folgen die Karibik bis heute prägen.

Beim Gipfel der Commonwealth-Staaten in St. John’s auf Antigua und Barbuda will Charles III. an diesem Dienstag eine Rede halten. Nach Angaben des Palasts soll er darin mit "schonungsloser Ehrlichkeit", "aufrichtiger Trauer" und Respekt über das fortdauernde Leid sprechen, das aus dem transatlantischen Sklavenhandel entstanden ist. Eine formelle Entschuldigung wird es nach bisherigem Stand jedoch nicht geben. Aus Sicht des Königs ist ein solcher Schritt nicht seine Aufgabe.

Der Palast erklärte, es wäre nicht angemessen, wenn sich der Monarch als Oberhaupt des Commonwealth zu konkreten politischen Fragen äußern würde, die in die Zuständigkeit der britischen Regierung fallen. Die Downing Street hatte eine offizielle Entschuldigung bislang vermieden, auch aus Sorge, dadurch Forderungen nach Reparationen zusätzlichen Nachdruck zu verleihen. Premierminister Andy Burnham deutete nun allerdings an, dass sich die Haltung ändern könnte.

Burnham zeigt sich gesprächsbereit

In einem Beitrag für den "Guardian" schrieb Burnham, seine Regierung wolle einen geordneten Dialog mit allen Betroffenen führen. Dazu gehöre auch, Forderungen nach einer offiziellen Entschuldigung im Namen des britischen Staates anzuhören. Dafür sei er offen, so der Premier. Zugleich betonte er, Großbritannien habe einst bei der Abschaffung der Sklaverei eine führende Rolle gespielt und könne nun erneut Verantwortung übernehmen.

König Charles III. auf den Bahamas - Protest
Am Rande der Termine des Königs kam es vereinzelt zu Demonstrationen. (Archivbild) Quelle: Tim Aylen/AP/dpa

Vor allem im 18. Jahrhundert zählte Großbritannien zu den wichtigsten Akteuren des Sklavenhandels. Schätzungen zufolge wurden zwischen 1640 und 1807 etwa drei Millionen Afrikaner auf englischen Schiffen in britische Kolonien in der Karibik, nach Nord- und Südamerika sowie in weitere Regionen verschleppt. Rund 2,7 Millionen von ihnen erreichten ihr Ziel.

Der Sklavenhandel aus Afrika wurde im damaligen British Empire am 1. Mai 1807 verboten. Die Sklaverei selbst wurde in den Kolonien erst 1834 abgeschafft. Burnham erklärte, er wolle Mitgefühl und Bedauern über das Leid von Millionen Menschen ausdrücken und anerkennen, dass diese Geschichte die Welt bis heute beeinflusst. Reparationen lehnt er jedoch ebenso ab wie frühere Regierungen.

Gegenwind aus der Opposition

Burnham machte deutlich, dass er Forderungen mehrerer karibischer Staaten nach Ausgleichszahlungen nicht unterstützt. Die heute lebenden Briten könnten aus seiner Sicht nicht für historisches Unrecht haftbar gemacht werden, so abscheulich dieses auch gewesen sei. Finanzminister John Healey bekräftigte diese Linie am Sonntag. Dass über eine Entschuldigung nachgedacht werde, bedeute nicht, dass heutige Briten finanziell für Ereignisse verantwortlich gemacht werden sollten, die Jahrhunderte zurückliegen und an denen sie nicht beteiligt waren.

Scharfe Kritik kam von Oppositionsführerin Kemi Badenoch. Ihrer Ansicht nach könnte bereits eine Entschuldigung anderen Staaten einen Anlass geben, Geld von Großbritannien zu fordern. Auf X schrieb sie, Sklaverei sei ein Verbrechen gewesen, an dem Menschen aus unterschiedlichen Kontinenten und Regionen beteiligt gewesen seien.

Badenoch warf außerdem die Frage auf, ob karibische Staaten dann auch Entschuldigungen von den Nachfahren afrikanischer Königreiche, Herrscher und Händler verlangen würden. Falls jeder Commonwealth-Gipfel vor allem dazu diene, Forderungen nach Zahlungen an Großbritannien zu richten, müsse man sich fragen, ob sich der Aufwand überhaupt noch lohne, schrieb sie.

Proteste am Rande der Reise

Während der Karibikreise des Königs kam es immer wieder zu kleineren Protesten. Bei einer Parade in Nassau war in der Menge ein Schild mit der Aufschrift "Zahle, was Du uns schuldest" zu sehen. Auf einem anderen Banner stand: "Bedauern ist nicht genug. Wir brauchen eine vollständige Entschuldigung." Zu Beginn seiner Reise hatte Charles III. in Nassau gesagt, es sei nur folgerichtig, das große Leid und das Unrecht der Vergangenheit auf diesen Inseln und darüber hinaus anzuerkennen.

Der Präsident von Guyana, Irfaan Ali, erklärte, Charles habe die Sklaverei als einen der dunkelsten Abschnitte der Menschheitsgeschichte bezeichnet. Eine Entschuldigung müsse nun der nächste Schritt sein. Die Karibische Gemeinschaft Caricom fordert seit Jahren Reparationen. Barbados’ Regierungschefin Mia Amor Mottley begrüßte zwar die Äußerungen des britischen Premiers, machte aber zugleich deutlich, dass die Debatte über Reparationen weitergeführt werden müsse. Auf X schrieb sie, man solle auf dieser gemeinsamen Grundlage aufbauen und zugleich offen über bestehende Differenzen sprechen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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