Politik

Diese Rennen entscheiden die US-Zwischenwahlen

Showdown in den USA: Kippt die Macht in Senat oder Repräsentantenhaus? Diese wenigen Rennen könnten alles entscheiden.

02.11.2026, 05:05 Uhr

Diese Midterm-Rennen in den USA sind besonders wichtig

Am Dienstag werden in den USA Hunderte Sitze im Repräsentantenhaus, 35 Senatsposten und zahlreiche Gouverneursämter neu vergeben. Auch wenn landesweit viele Entscheidungen anstehen, dürfte der Ausgang des Wahlabends vor allem von vergleichsweise wenigen, hart umkämpften Rennen abhängen. Dort zeigt sich, wie stark Donald Trumps Republikaner und die oppositionellen Demokraten tatsächlich sind.

Der Senat steht besonders im Fokus

Derzeit verfügen die Republikaner im Senat über 53 der 100 Sitze. Die Demokraten kommen auf 45 Mandate und werden von zwei Unabhängigen unterstützt. Bei diesen Zwischenwahlen werden 35 Sitze neu besetzt.

Sollten die Demokraten den Republikanern netto vier Sitze abnehmen, wäre die republikanische Mehrheit dahin. Nach Einschätzung der Wahlexperten vom Cook Political Report gelten sieben Rennen als völlig offen – und die meisten dieser Sitze werden bislang von Republikanern gehalten.

Michigan

In Michigan richtet sich viel Aufmerksamkeit auf die Frage, ob ein Vertreter des linken Parteiflügels der Demokraten in einem sogenannten Swing State gewinnen kann. Gemeint sind Bundesstaaten, in denen mal Republikaner, mal Demokraten vorn liegen.

Da der demokratische Senator Gary Peters nicht erneut antritt, versucht sein Parteikollege Abdul El-Sayed, den Sitz für die Demokraten zu verteidigen. Beobachter fragen sich, ob er den Republikaner Mike Rogers schlagen kann – oder ob seine politischen Positionen gemäßigte Wähler eher abschrecken.

Vorwahl im US-Bundesstaat Alaska
Der bisherige Senator von Alaska, Dan S. Sullivan, befürchtet eine Namensverwechslung. (Archivbild) Quelle: Mark Thiessen/AP/dpa

Ein Sieg El-Sayeds wäre historisch: Der frühere Gesundheitschef von Detroit würde als erster Muslim in den US-Senat einziehen. Rogers, einst FBI-Mitarbeiter, saß bereits bis 2015 für Michigan im Repräsentantenhaus und setzt im Wahlkampf unter anderem auf das Thema nationale Sicherheit.

Texas

Texas gilt seit Jahrzehnten als republikanische Bastion. Entsprechend schwer wäre ein Verlust dieses Senatssitzes für Trumps Partei. Für die Demokraten wäre ein Erfolg dort dagegen ein politischer Durchbruch – es wäre ihr erster Sieg bei einer Senatswahl in Texas seit fast vier Jahrzehnten.

Für die Demokraten tritt der frühere Lehrer James Talarico an. Sein Gegner ist der republikanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton, ein Trump-Verbündeter mit umstrittenem Ruf. Gegen Paxton liefen unter anderem Vorwürfe wegen Korruption und Amtsmissbrauchs, die sogar zu einem Amtsenthebungsverfahren führten.

Talarico präsentiert sich im Wahlkampf als Fürsprecher eines bezahlbaren Lebens und spricht dabei auch immer wieder über seinen christlichen Glauben.

Alaska

In Alaska sorgt ausgerechnet ein nahezu identischer Name für Brisanz. Amtsinhaber Dan S. Sullivan muss sich nicht nur gegen die Demokratin Mary Peltola behaupten, sondern auch gegen den politischen Neuling Dan J. Sullivan.

Republikaner werfen den Demokraten seit Längerem vor, den Namensvetter bewusst ins Rennen gebracht zu haben, um Verwirrung unter Wählern zu stiften. Ein Medienbericht verlieh dieser Darstellung zuletzt zusätzliche Nahrung. Der Fall beschäftigte zeitweise auch Gerichte und das US-Justizministerium. Inzwischen wurde die Klage jedoch abgewiesen.

Auch die Gouverneurswahlen sind von großer Bedeutung

Auf nationaler Ebene stehen Gouverneurinnen und Gouverneure oft weniger im Rampenlicht. Innerhalb ihrer Bundesstaaten bekleiden sie jedoch das mächtigste Amt. Sollten die Demokraten mindestens zwei zusätzliche Gouverneursposten gewinnen, würden erstmals seit 2010 wieder mehr demokratische als republikanische Bundesstaaten von Demokraten geführt.

Ohio

In Ohio sorgte ein umstrittenes Wahlkampfvideo des republikanischen Unternehmers Vivek Ramaswamy für heftige Kritik. Darin forderte die Mutter seiner demokratischen Gegnerin Amy Acton die Wähler auf, nicht für ihre Tochter zu stimmen – obwohl Mutter und Tochter seit Jahren keinen Kontakt mehr haben.

Acton hatte die Verbindung zu ihrer Mutter nach eigenen Angaben abgebrochen, nachdem sie von sexuellem Missbrauch durch ihren Stiefvater berichtet hatte. Das Video stieß parteiübergreifend auf Empörung. Selbst der scheidende republikanische Gouverneur zeigte sich verärgert.

Wisconsin

In Wisconsin wird genau beobachtet, ob sich der gemäßigte Demokrat David Crowley gegen den Republikaner Tom Tiffany durchsetzen kann. Der Bundesstaat gehört zu den klassischen Swing States, in denen Wahlen oft mit sehr knappem Ergebnis enden.

Zwar wurde Wisconsin zuletzt von einem Demokraten regiert, doch sowohl bei Präsidentschafts- als auch bei Gouverneurswahlen entschieden in der Vergangenheit häufig nur wenige Tausend Stimmen. Crowley hatte sich parteiintern mit einem moderateren Kurs – etwa beim Thema Gesundheitsversorgung – gegen die linke Bewerberin Francesca Hong durchgesetzt.

Falls er den früheren Kongressabgeordneten Tiffany besiegt, könnte das als ermutigendes Signal für pragmatische demokratische Kandidaten gewertet werden.

Im Repräsentantenhaus sprechen Umfragen eher für die Demokraten

Nach aktuellen Umfragen haben die Demokraten gute Aussichten, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu erobern. Dort ist der Vorsprung der Republikaner derzeit äußerst knapp: Sie halten 218 der 435 Sitze, die Demokraten 214. Drei Sitze sind vakant oder werden von einem Unabhängigen vertreten.

Zwar wird das gesamte Repräsentantenhaus neu gewählt. Doch viele Wahlkreise gelten als sichere Hochburgen einer der beiden Parteien. Deshalb richten sich die Blicke vor allem auf die wenigen umkämpften Bezirke. Wer dort deutlich besser abschneidet, kann schon früh als wahrscheinlicher Gesamtsieger des Wahlabends gelten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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