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«Friesenjunkies»: Die neue Serie der «Discounter»-Macher

Von «Die Discounter» zur Suchtklinik: Die Belton-Zwillinge wagen ihr dunkelstes Projekt – und gehen so tief wie nie.

02.11.2026, 05:30 Uhr

Suchtklinik auf Sylt statt Inselidylle: «Die Friesenjunkies» startet in der ARD-Mediathek

Mit «Die Friesenjunkies» präsentieren Emil und Oskar Belton, bekannt durch «Die Discounter», eine neue tragikomische Serie über Abhängigkeit, Freundschaft und die Suche nach sich selbst. Schauplatz ist die fiktive Entzugseinrichtung «Isebek» auf Sylt. Dort trifft ein prominentes Ensemble aufeinander, darunter Martin Brambach, Nicole Heesters, Peter Kurth, Pheline Roggan und Sylvie Meis. Abrufbar ist die Serie ab Freitag in der ARD-Mediathek; im Ersten laufen die insgesamt acht Episoden am 13. und 14. November.

Eine Klinik, in der Herkunft und Status keine Rolle spielen

Der Werbeslogan der erfundenen Klinik klingt luxuriös: «Isebek – weil Ihre Seele fünf Sterne verdient.» Doch statt Wellness und Champagner erwartet die Mitglieder der «Gruppe D» ein nüchterner Alltag mit Gesprächstherapie, Urinproben und gelegentlichen Abenden im Gemeinschaftsraum. In dieser Umgebung verlieren soziale Unterschiede an Bedeutung.

Für Regisseur und Autor Oskar Belton ist genau das ein zentraler Gedanke der Serie: Sucht betreffe Menschen unabhängig von Alter, Geld oder gesellschaftlicher Stellung. Sein Bruder Emil Belton ergänzt, dass es in der Klinik unwichtig sei, ob jemand ein Unternehmen leite oder gerade erst das Abitur gemacht habe.

Im Mittelpunkt steht Falko (Shadi Eck), der wegen seines Cannabisproblems in «Isebek» landet. Der notorische Lügner muss sich in der Gruppe mit sehr unterschiedlichen Mitpatientinnen und Mitpatienten arrangieren. Über acht Folgen entwickelt sich daraus eine bittersüße Geschichte über Ängste, das Bedürfnis, wahrgenommen zu werden, unerwartete Nähe und vorsichtige Liebesgeschichten.

Emil Belton und Oskar Belton
Ein Dreh mit Erinnerungen unter der Haut. Quelle: Georg Wendt/dpa

Buntes Figurenensemble mit vielen bekannten Namen

Falko begegnet in der Klinik einer Reihe skurriler und verletzlicher Persönlichkeiten. Martin Brambach spielt den alkoholsüchtigen Bonvivant Buggi, der ständig Anschluss sucht. Emil und Oskar Belton übernehmen selbst die Rollen der Zwillinge Josef und Otto, die immer wieder Chaos verursachen. Sylvie Meis verkörpert Madison, eine erfolgreiche Frau mit Medikamentenabhängigkeit.

Hinzu kommen die impulsive Holly (Lera Abova), die etwas verbirgt, der wohlhabende Erbe Cyrus (Arman Kashani), die alternde Stil-Ikone Gabi (Nicole Heesters) und der eitle Schauspieler Roland (Stephan Luca), die alle gegen ihre eigenen Süchte ankämpfen.

Auch das Personal bleibt von Problemen nicht verschont. Dr. Mangerius (Peter Kurth), die Tiefenpsychologin Beiersdorf (Pheline Roggan) und die neue Verhaltenstherapeutin Jannika (Marie Lina Smyrek) versuchen mit sehr unterschiedlichen Ansätzen, den Klinikbetrieb aufrechtzuerhalten. Dabei werden auch ihre eigenen Schwächen sichtbar. Gleichzeitig sorgt sich Klinikchefin Kowalke (Marie-Lou Sellem) um die Auslastung der Einrichtung und beobachtet eine neue Konkurrenz in der Nachbarschaft mit Misstrauen.

Sorgfältige Recherche zum Thema Abhängigkeit

Dass es in «Isebek» alles andere als glattläuft, passt zur Handschrift der 27-jährigen Belton-Zwillinge. Sie schrieben nicht nur das Drehbuch und führten Regie, sondern standen auch selbst vor der Kamera und waren am Schnitt beteiligt. Ihren großen Erfolg feierten sie mit der Impro-Comedy «Die Discounter», deren dritte Staffel 2024 mit dem Deutschen Fernsehpreis als beste Comedy-Serie ausgezeichnet wurde.

Oskar Belton sagt, ohne den Weg in die Filmbranche wären die Brüder womöglich Psychologen geworden. Gerade deshalb habe sie das Thema Sucht als Ausdruck seelischer Probleme besonders interessiert. Vor dem Schreiben hätten sie intensiv recherchiert und mit Fachleuten sowie Betroffenen gesprochen. Für Emil Belton war es wichtig, diesem sensiblen Themenfeld mit Verantwortung zu begegnen. Beide betonen, dass Figuren glaubwürdig und ernsthaft geschrieben werden müssten.

Dreharbeiten mit bleibenden Spuren

Trotz des ernsten Hintergrunds kam der Spaß am Set offenbar nicht zu kurz. Einige improvisierte Momente entwickelten eine besondere Eigendynamik. So ließen sich Emil und Oskar Belton für eine Szene tatsächlich «Friesenjunkies»-Tattoos auf das Gesäß stechen. Dabei unterlief Oskar Belton ausgerechnet beim Wort selbst ein Fehler: Das «i» fehlte.

In der betreffenden Szene finden Falko, Otto und Josef eine Tätowiermaschine und suchen nach einem passenden Motiv mit «Friesen»-Bezug. Aus einer spontanen Idee entsteht schließlich der Titel «Friesenjunkies». Auch Otto Waalkes hat einen Gastauftritt und performt in der Serie seinen bekannten Song «Friesenjung».

Nicht nur die Brüder selbst mussten dabei Mut beweisen: Auch Arman Kashani ließ sich in seiner Rolle von Martin Brambach ein «Friesenjunkies»-Tattoo verpassen – vor laufender Kamera. Emil Belton schildert, dass Brambach kaum Tattoo-Erfahrung gehabt habe und man die Szene aus Spaß einfach weiterlaufen ließ. Am Ende blieb auf Kashanis Oberarm ein großer Schriftzug zurück, den er laut den Brüdern inzwischen mit Stolz trägt.

Aus jugendlichem Übermut wurde kreative Energie

Emil und Oskar Belton beschreiben ihre Zusammenarbeit als gegenseitiges Hochstacheln. Diese Dynamik spiegelt sich auch in den Serienfiguren Otto und Josef wider, die andere immer wieder zu übermütigen Aktionen verleiten. Rückblickend sagen die Brüder, dass sie in ihrer Jugend einiges an Unsinn angestellt hätten – heute werde diese Energie eben in Filme gelenkt.

Konflikte gebe es bei ihnen kaum, erklären beide. Beim Schreiben und Inszenieren verfolgten sie dieselbe Vorstellung. Emil Belton beschreibt ihre besondere Nähe mit einem scherzhaften Satz: Er kenne Oskar bereits, seitdem er «minus eins» gewesen sei – deshalb wisse er genau, warum sein Bruder so ticke.

Deutlich melancholischer als «Die Discounter»

Mit «Die Friesenjunkies» schlagen die Beltons insgesamt ernstere Töne an als in ihrem bisherigen Erfolgsformat. Zwar greifen sie erneut auf interviewartige Szenen mit einzelnen Figuren zurück, doch die neue Serie ist spürbar tiefgründiger und nachdenklicher. Der Humor entsteht stärker aus menschlichen Schwächen, Verletzlichkeit und den Widersprüchen des Lebens.

Die Brüder selbst betonen, dass der Ton nicht so albern und unbeschwert sei wie bei «Die Discounter». Stattdessen dominierten hier auch Melancholie, Scheitern und Hoffnung. Oskar Belton bringt es auf den Punkt: Die Serie erzähle von Rückschlägen – aber ebenso davon, dass es weitergehen kann.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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