Sven Schulze setzt auf Nähe, Tatkraft und klare Kante zur AfD
Mit hochgekrempelten Ärmeln und oft ganz bewusst in Jeans präsentiert sich Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze als bodenständiger Politiker. Der CDU-Mann will vermitteln, dass er nicht nur redet, sondern anpackt. Seit Monaten reist er durch das Land, sucht Gespräche und sendet die Botschaft: Er stammt von hier und kümmert sich um die Probleme vor Ort.
Erst im Januar hatte der 47-Jährige das Amt von Reiner Haseloff übernommen. Seither hat er sich zunehmend als Regierungschef profiliert. Ob Schwierigkeiten in der Auto- und Chemiebranche, die Einführung der Bürgerarbeit oder neue Vorhaben in der Bildungspolitik – Schulze hat eigene Schwerpunkte gesetzt und zugleich die Richtung für die kommenden Jahre vorgegeben.
Direkte Ansprache als Teil der Strategie
Dabei setzt Schulze auf ungewöhnliche Formate. So ließ er Veranstaltungen mit Didi Hallervorden organisieren, die durchaus für Diskussionen sorgten. Schon einige Wochen zuvor war er im gelben Trikot per Fahrrad unterwegs, traf Unternehmer, schaute bei Festen vorbei und suchte bewusst das unmittelbare Gespräch mit den Menschen.
Im Wahlkampf versucht der CDU-Spitzenkandidat so, den Abstand zur in Umfragen deutlich führenden AfD zu verkleinern. Entscheidend bleibt jedoch die Frage, ob das ausreicht, um nach der Landtagswahl am 6. September eine Alleinregierung der AfD zu verhindern und selbst im Amt zu bleiben.
Politischer Weg vom Harz über Brüssel nach Magdeburg
Schulze hat über Jahre gezielt auf das Amt des Ministerpräsidenten hingearbeitet. Noch vor dem Abitur trat er 1997 in die CDU ein. Es folgte eine klassische politische Laufbahn: kommunale Mandate, der Landesvorsitz der Jungen Union und später ein Sitz im Europäischen Parlament. Beruflich arbeitete der ausgebildete Wirtschaftsingenieur zeitweise auch als Vertriebsleiter.

2016 übernahm er nach der schwierigen Regierungsbildung von CDU, SPD und Grünen das neu geschaffene Amt des CDU-Generalsekretärs in Sachsen-Anhalt. In der ersten sogenannten Kenia-Koalition in Deutschland war er je nach Lage Lautsprecher oder Krisenmanager. Dabei musste er die Partei immer wieder gegen Vorwürfe verteidigen, sie grenze sich nicht konsequent genug nach rechts ab.
Anspruchsvoll im Führungsstil
Seit 2021 steht Schulze an der Spitze des CDU-Landesverbands. Im selben Jahr wurde er Minister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten. Für ihn entstand damals ein großes Ressort, in dem er sich als möglicher Nachfolger Haseloffs beweisen sollte. Die geplante Ansiedlung des US-Chipherstellers Intel in Magdeburg hätte ein Prestigeprojekt werden können – am Ende zog sich der Konzern jedoch zurück.
Zu Jahresbeginn wechselte Schulze schließlich an die Spitze der Staatskanzlei. In seiner Rolle als Ministerpräsident versteht er sich besonders als Krisenmanager und Organisator, der Ergebnisse erzielt. Dabei verlangt er viel – von sich selbst ebenso wie von anderen. Wenn ihm etwas missfällt, greift er auch persönlich zum Telefon und kontaktiert Mitarbeiter in Fachabteilungen direkt. Nicht jeder kommt mit diesem fordernden Stil gut zurecht.
Klare Absage an die AfD, Zurückhaltung bei den Linken
Schulze betont oft, dass ihm Fleiß von seinen Großeltern mitgegeben worden sei. Er beschreibt sich nicht als Überflieger, sondern als jemanden, der hart arbeitet und oft mehr investiert als andere.
In der Auseinandersetzung mit der AfD positioniert sich der CDU-Politiker eindeutig. Er warnt davor, Sachsen-Anhalt zu einem politischen Versuchsfeld werden zu lassen oder das Land zu isolieren. Weniger klar äußert er sich dagegen zu der Frage, ob nach der Wahl eine Zusammenarbeit mit den Linken denkbar wäre. Zuletzt hatten zwei langjährige CDU-Politiker ihn in einem offenen Brief davor gewarnt, sich nach der Wahl auf eine Duldung durch die Linke einzulassen.
Wahlkampf stark auf die Person zugeschnitten
Innerhalb der CDU sorgt allerdings nicht überall für Begeisterung, wie stark der Wahlkampf auf Schulze selbst ausgerichtet ist. Manche stören sich daran, dass die Partei im Auftritt teilweise in den Hintergrund rückt. In seinen Reden stellt Schulze häufig sich selbst in den Mittelpunkt und sagt sinngemäß, Sachsen-Anhalt müsse von ihm regiert werden.
Dabei stellt die CDU seit 24 Jahren den Regierungschef im Land. Doch das Parteikürzel wird für viele Wähler auch mit der Berliner Bundespolitik verbunden – und die ist derzeit wenig populär. In Umfragen kommt die CDU in Sachsen-Anhalt auf rund 22 Prozent. Vor fünf Jahren hatte Haseloff noch einen klaren Wahlsieg mit 37 Prozent geholt.
Schulze macht für den Rückgang vor allem die Bundesregierung verantwortlich. In der Debatte über die Rentenreform stellte er sich zuletzt gegen den Bund und verlangte Nachbesserungen. Seine Hoffnung ist, dass die Wähler bei der Landtagswahl zwischen Landes- und Bundespolitik unterscheiden. Sachsen-Anhalt, so seine Warnung, dürfe nicht zum Schauplatz einer Abrechnung mit Berlin werden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber