US-Banken bauen Vorsprung vor Europas Instituten weiter aus
Die größten Banken in den USA haben ihren Abstand zu Europas Top-Instituten im ersten Halbjahr erneut vergrößert. Zwar konnten auch die zehn größten europäischen Banken ihre Gewinne deutlich steigern, doch die Konkurrenz aus den Vereinigten Staaten legte noch wesentlich stärker zu. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY.
Den Angaben zufolge erzielten Europas zehn größte Banken zusammen einen Nettogewinn von rund 58,7 Milliarden Euro. Die zehn führenden US-Banken kamen im selben Zeitraum auf gut 110,6 Milliarden Euro und damit auf beinahe das Doppelte. Für die amerikanischen Institute ist das zugleich der höchste Halbjahreswert der vergangenen zehn Jahre.
EY-Partner Ralf Eckert sprach von einem insgesamt sehr erfolgreichen ersten Halbjahr für alle untersuchten Banken. Gleichzeitig sei jedoch festzustellen, dass der Vorsprung der US-Häuser nochmals gewachsen sei und weiterhin erheblich bleibe. Vor allem amerikanische Banken dürften seiner Einschätzung nach von einem günstigen Umfeld für Börsengänge und anhaltend hohen Erträgen im Handel profitieren — Bereiche, in denen europäische Banken bislang nicht mithalten können. Dadurch könnte die Gewinnlücke weiter größer werden.
Fusionen nicht automatisch die Lösung
Mit Blick auf die Frage, ob Europa größere Banken brauche, warnt EY-Partner Gunther Tillmann vor vorschnellen Schlüssen. Zusammenschlüsse um jeden Preis seien keine überzeugende Antwort auf den steigenden Konsolidierungsdruck. Die europäischen Banken unterschieden sich weiterhin in ihrer Ertragsstruktur, vor allem wegen ihres starken Schwerpunkts auf dem Zinsgeschäft und der entsprechenden Kapitalausstattung.

JPMorgan erneut klar an der Spitze
Im Ranking der untersuchten Banken lag laut EY erneut mit großem Abstand JPMorgan Chase vorn. Die US-Großbank erwirtschaftete im ersten Halbjahr vor Steuern umgerechnet mehr als 42 Milliarden Euro und kam netto auf fast 33 Milliarden Euro Gewinn.
Unter den europäischen Instituten schnitt HSBC am besten ab. Die Bank erzielte den Angaben zufolge rund 17,1 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern sowie etwa 13,4 Milliarden Euro nach Steuern.
Die Deutsche Bank war als einziges deutsches Institut unter den 20 berücksichtigten Banken vertreten. Sie verbuchte im ersten Halbjahr einen Vorsteuergewinn von gut 5,7 Milliarden Euro. Nach Steuern entfielen davon rund 3,6 Milliarden Euro auf die Aktionärinnen und Aktionäre des Dax-Konzerns.
Profitabilität auf beiden Seiten des Atlantiks gestiegen
Auch bei der Eigenkapitalrendite legten die Banken in Europa und den USA zu. Bei den großen europäischen Instituten stieg der Wert von 10,5 auf 12,3 Prozent. Die amerikanischen Banken verbesserten sich von 11,3 auf 15 Prozent und damit noch stärker. Die Kennzahl zeigt, wie effizient Banken ihr Eigenkapital einsetzen, um Gewinne zu erwirtschaften.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber