Wirtschaft

Paukenschlag: Post fliegt aus Konzernnamen

Jetzt ist es offiziell: Die Deutsche Post heißt nicht mehr Deutsche Post. Warum der Traditionsname plötzlich verschwindet.

01.09.2026, 06:00 Uhr

Deutsche Post firmiert nun offiziell als DHL

Der Bonner Logistikkonzern trägt seit dem 1. September rechtlich einen neuen Namen: Aus der Deutsche Post AG ist die DHL AG geworden. Wie das Unternehmen mitteilte, wurde die Änderung mit dem Eintrag ins Handelsregister wirksam. Damit ist ein Beschluss der Hauptversammlung vom Mai umgesetzt.

Der Name Deutsche Post verschwindet jedoch nicht vollständig. Künftig bezeichnet er innerhalb des Konzerns eine Tochtergesellschaft, die das deutsche Brief- und Paketgeschäft übernimmt. Auch an der Börse wird die Aktie nun nicht mehr unter Deutsche Post, sondern unter DHL geführt.

Bereits vor drei Jahren hatte der Konzern seinen Markenauftritt von Deutsche Post DHL Group auf DHL Group umgestellt. Juristisch und börslich blieb es damals aber noch bei der Deutschen Post AG. Das ist nun vorbei: Der Mutterkonzern heißt ab sofort DHL AG. Die Abkürzung DHL geht auf die Nachnamen der Gründer Adrian Dalsey, Larry Hillblom und Robert Lynn zurück.

Deutsche Post rückt in der Konzernstruktur nach unten

Das traditionsreiche Briefgeschäft war bislang direkt in der Holding verankert. Künftig wird es in einer eigenständigen Tochtergesellschaft organisiert und steht damit strukturell auf einer Ebene mit den anderen Unternehmensbereichen.

Diese Neuordnung beendet ein aus Sicht des Unternehmens ungewöhnliches Konstrukt, bei dem operatives Geschäft Teil einer Finanzholding war. Hintergrund waren historische Besonderheiten aus der Zeit der ehemaligen Bundespost.

Warum sich der Konzern umbenennt

Als Hauptgrund nennt das Unternehmen seine starke internationale Ausrichtung. Seit der Übernahme des US-Logistikunternehmens DHL im Jahr 2002 erwirtschaftet der Konzern einen immer größeren Teil seiner Erlöse außerhalb Deutschlands.

DHL Group Jahreszahlen
Nicht nur das Posthorn ist auf dem Dach des Posttowers montiert, sondern auch ein großes DHL-Logo. Quelle: Benjamin Westhoff/dpa

Konzernchef Tobias Meyer hatte den Schritt bereits früher damit erklärt, dass der Name DHL weltweit bekannt sei, während mit „Deutsche Post“ in vielen Märkten wenig verbunden werde. Sein Vorgänger Frank Appel hatte eine vollständige Umbenennung noch vermieden, um die Belegschaft in Deutschland nicht gegen sich aufzubringen.

Dass das Inlandsgeschäft im Konzern an Bedeutung verloren hat, zeigen auch die aktuellen Zahlen: Im ersten Halbjahr 2026 kamen nur noch rund 20 Prozent des Umsatzes aus dem deutschen Brief- und Paketgeschäft. Der deutlich größere Anteil entfiel auf die internationalen Sparten Express, Supply Chain, Fracht und E-Commerce.

Auch bei der Profitabilität liegt das Deutschlandgeschäft hinten. Auf den Bereich Post & Paket Deutschland entfielen im ersten Halbjahr lediglich 12 Prozent des operativen Gewinns (Ebit). Belastend wirkt vor allem der anhaltende Rückgang bei den Briefmengen, weil private und geschäftliche Kommunikation zunehmend digital abgewickelt wird.

Deutlich mehr verdient der Konzern mit dem weltweiten Expressgeschäft. Dieses stand im ersten Halbjahr für gut 30 Prozent des Umsatzes und rund 60 Prozent des operativen Ergebnisses. Vor allem Unternehmen nutzen diese zeitkritischen Sendungen, etwa für wichtige Unterlagen oder dringend benötigte Ersatzteile.

Folgen für Kundinnen und Kunden

Nach Angaben des Unternehmens sollen Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland von der Änderung nichts spüren. Ein Sprecher betonte, die neue Struktur bedeute keine Abwertung der Deutschen Post. Vielmehr werde das operative Geschäft lediglich in eine eigenständige Tochter überführt – ähnlich wie dies bei anderen DHL-Sparten schon lange der Fall sei.

Die neue DHL AG soll vor allem strategische Aufgaben und die übergreifende Steuerung des Konzerns übernehmen. Das entspreche einer modernen und international üblichen Konzernorganisation. Nachteile für die Beschäftigten seien damit nicht verbunden.

Die Umstellung ist allerdings mit Kosten verbunden: Für die Neustrukturierung und Umbenennung fielen laut Unternehmen 37 Millionen Euro an, unter anderem für IT-Anpassungen und rechtliche Beratung. Hinzu kommen künftig rund drei Millionen Euro zusätzliche jährliche Kosten für die Tochtergesellschaft.

Deutsche Post bleibt im Alltag präsent

Nikola Hagleitner, im DHL-Vorstand für das Deutschlandgeschäft zuständig und Chefin der neuen Deutsche Post AG, versichert, dass die Marke für Menschen und Unternehmen im Land erhalten bleibt. Für Kundinnen und Kunden ändere sich im Alltag nichts: Briefe, Pakete, Filialen, Packstationen, Poststationen und Briefkästen blieben wie gewohnt bestehen.

Zugleich sieht das Unternehmen in der neuen Struktur eine Grundlage für weiteres Wachstum und eine stärkere internationale Ausrichtung.

Kritik aus der Politik

Nicht überall stößt der Schritt auf Zustimmung. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff bedauerte, dass die traditionsreiche Marke Deutsche Post im internationalen Geschäft an Sichtbarkeit verliere. Positiv sei immerhin, dass sie im deutschen Brief- und Paketbereich bestehen bleibe.

Wichtig sei vor allem, dass sich für die Bürgerinnen und Bürger nichts ändere und der Konzern seine Pflichten als Universaldienstleister weiter erfülle. Dazu zählen unter anderem Vorgaben zur Dichte des Briefkasten- und Filialnetzes sowie zur Geschwindigkeit der Zustellung.

Auch am Bonner Hauptsitz bleibt vieles beim Alten

An der Konzernzentrale in Bonn soll sich optisch wenig ändern. Nach Unternehmensangaben bleibt das Posthorn auf dem Dach des Post Towers bestehen. Auch an den Fahnenmasten sollen weiterhin sowohl DHL als auch Deutsche Post präsent sein.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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