Sollte die AfD in Sachsen-Anhalt die absolute Mehrheit erringen und ohne Koalitionspartner regieren, müsste sie auch personell liefern. Zwar hält Spitzenkandidat Ulrich Siegmund mögliche Ministerinnen und Minister bislang unter Verschluss. Bei einigen Namen zeichnet sich jedoch bereits ab, dass sie in einer AfD-geführten Landesregierung wichtige Rollen spielen könnten.
Ulrich Siegmund
Hohe Reichweiten in sozialen Netzwerken, großer Andrang an Wahlkampfständen: Ulrich Siegmund erreicht viele Menschen und will der jüngste Ministerpräsident Deutschlands werden. Seit 2016 gehört der 35-Jährige dem Landtag von Sachsen-Anhalt an. Seit August 2022 führt er die AfD-Fraktion gemeinsam mit Oliver Kirchner als Co-Vorsitzender.
Weder die Debatte um das Potsdamer Treffen mit Teilnehmern aus dem rechtsextremen Spektrum noch Vorwürfe im Zusammenhang mit der AfD-Vetternwirtschaftsaffäre konnten ihm bisher politisch spürbar schaden. Innerhalb der Partei genießt Siegmund große Zustimmung und hält sich aus internen Machtkämpfen meist heraus. Im Landesvorstand bekleidet er keine Spitzenfunktion. Bekannt ist er vor allem für zugespitzte Auftritte im Parlament und in Online-Videos. Häufig tritt er gemäßigter auf als es das Parteiprogramm vermuten lässt. Siegmund lernte Kaufmann im Groß- und Außenhandel, studierte später und war zeitweise im Vertrieb von Raumdüften tätig.
Martin Reichardt
Martin Reichardt steht seit 2018 an der Spitze der AfD Sachsen-Anhalt und gilt als einer derjenigen, die die zuvor stark zerstrittene Landespartei beruhigt haben. Der 57-Jährige sitzt seit 2017 im Bundestag. Im Fall einer Regierungsbildung in Magdeburg käme für ihn ein Wechsel in die Landesregierung infrage, etwa als Sozialminister oder Chef der Staatskanzlei. Denkbar ist aber auch, dass er weiterhin die Verbindung zur Bundespartei in Berlin hält. Vor seiner AfD-Zeit war Reichardt bereits Mitglied von SPD, FDP und Republikanern.

Politisch gilt er als scharfer Angreifer. Der frühere Offizier fällt regelmäßig mit martialischer Sprache und militärischen Bildern auf. Journalisten bezeichnete er etwa als „linke Lohnknechte“. Zuletzt war Reichardt wegen eines Vorwurfs um einen Hitlergruß in den Schlagzeilen. Im Juli 2026 wurde er dennoch mit deutlicher Mehrheit als Landesvorsitzender bestätigt.
Oliver Kirchner
Oliver Kirchner führt gemeinsam mit Siegmund die AfD-Fraktion im Landtag. Der ausgebildete Kfz-Mechaniker war bei der vergangenen Landtagswahl Spitzenkandidat seiner Partei. Im Parlament attackiert er die Konkurrenz besonders häufig in der Migrationspolitik und kassiert dafür regelmäßig Ordnungsrufe. Auch mit Vergleichen zur DDR hat er wiederholt Kritik auf sich gezogen.
Ob Siegmund ihn weiterhin an der Fraktionsspitze braucht oder Kirchner selbst ein Ministeramt anstrebt, ist offen. Der 60-Jährige gehört dem Landtag seit 2016 an.
Hans-Thomas Tillschneider
Hans-Thomas Tillschneider zählt zu den prägenden Programmatikern der AfD in Sachsen-Anhalt. Der 48-Jährige arbeitete maßgeblich am Wahlprogramm mit, in dem sich zahlreiche weitreichende und umstrittene Positionen finden. Der Islamwissenschaftler beschäftigt sich politisch vor allem mit Bildung und Kultur. Beide Bereiche könnten für ihn auch in einer möglichen Landesregierung relevant werden.
Tillschneider ist stellvertretender Landesvorsitzender sowie Vize-Fraktionschef im Landtag. Immer wieder sorgt auch seine Nähe zu Russland für Diskussionen. Im September 2022 reiste er mit zwei weiteren AfD-Politikern nach Russland; vorgesehen war damals auch ein Besuch in den besetzten Gebieten der Ostukraine. Nach Distanzierung der AfD-Bundesspitze wurde die Reise abgebrochen. Später sorgte zudem eine Tasse der russischen Armee in seinem Wahlkreisbüro in Querfurt für Aufsehen.
Patrick Harr
Patrick Harr steht selten im Vordergrund, gilt innerhalb der AfD Sachsen-Anhalt aber als wichtige Schlüsselfigur. Er ist Geschäftsführer und Pressesprecher der Landtagsfraktion sowie Sprecher der Landespartei. Auch ohne eigenes Mandat zählt er damit zum engen Umfeld von Siegmund.
Harr wird als detailgenau und strategisch beschrieben. In einer möglichen AfD-geführten Staatskanzlei könnte er deshalb zentrale Aufgaben übernehmen – etwa als Staatsminister, Staatssekretär oder Regierungssprecher.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber