Sachsen-Anhalt plant als erstes Bundesland digitales Wertpapier
Sachsen-Anhalt will als erstes deutsches Bundesland ein Kryptowertpapier begeben. Nach Angaben des Finanzministeriums in Magdeburg ist eine digitale Schuldverschreibung auf Grundlage des Gesetzes über elektronische Wertpapiere (eWpG) vorgesehen. Die Platzierung der Anleihe ist für den Sommer 2026 geplant und soll sich an institutionelle Anleger richten. Zu diesem Zeitpunkt soll auch der endgültige Preis festgelegt werden.
Bislang wurde diese Form der Emission vor allem von Privatunternehmen und Fintechs genutzt. Mit Sachsen-Anhalt betritt nun erstmals ein staatlicher Emittent dieses Feld. Das könnte dem Markt für digitale Wertpapiere zusätzliche Glaubwürdigkeit verleihen. Finanzminister Michael Richter (CDU) erklärte, das Land wolle die Möglichkeiten digitaler Technologien früh nutzen und Erfahrungen mit modernen Emissions- und Registerverfahren sammeln.
Chancen durch Digitalisierung, aber auch Unsicherheiten
Sachsen-Anhalt ist mit rund 24 Milliarden Euro verschuldet und zählt bei der Pro-Kopf-Verschuldung zu den am stärksten belasteten Ländern in Deutschland. Die rechtliche Grundlage für das Vorhaben liefert das eWpG, das seit Juni 2021 gilt.
Bei einem Kryptowertpapier entfällt die klassische Papierurkunde vollständig. Nach Einschätzung der Europäischen Investitionsbank ist die Ausgabe von Anleihen bislang oft aufwendig und zeitintensiv. Die Digitalisierung der Kapitalmärkte kann demnach nicht nur Prozesse beschleunigen, sondern auch feste Kosten senken und die Transparenz verbessern. Zugleich sind mit der noch vergleichsweise jungen Technologie auch Risiken verbunden.
Trotz des seit 2021 bestehenden Rechtsrahmens entwickelt sich der Markt in Deutschland bislang eher langsam. Laut einer Bafin-Übersicht wurden in den ersten drei Jahren nach Inkrafttreten des Gesetzes rund 155 Kryptowertpapiere registriert. Im vergangenen Jahr zog die Entwicklung jedoch etwas an: Mehr als 120 neue Papiere kamen hinzu.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion