Sachsen

Tigerdrama nahe Leipzig: Pfleger tot

Tiger-Attacke bei Leipzig: Der angegriffene Pfleger ist tot – nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

14.07.2026, 12:21 Uhr

Rund zwei Monate nach der Attacke eines Tigers in einer privaten Tierhaltung bei Leipzig ist der schwer verletzte Pfleger gestorben. Der 72-Jährige erlag nach Angaben der Staatsanwaltschaft am 10. Juli seinen Verletzungen. Die Behörde ermittelt nun gegen die Halterin der Anlage wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung durch Unterlassung.

Der Mann war Mitte Mai in Dölzig nahe der Autobahn 9 von dem knapp 300 Kilogramm schweren Tiger „Sandokan“ attackiert worden. Das Tier entkam anschließend aus dem Gehege der früheren Zirkus-Artistin. Die Polizei erschoss den Tiger wenig später nur wenige Meter von einer angrenzenden Kleingartenanlage entfernt, um die Menschen vor Ort zu schützen.

Opfer konnte nie vernommen werden

Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, waren die Verletzungen des 72-Jährigen so schwer, dass er während der gesamten Zeit nicht vernommen werden konnte. Eine Obduktion wurde angeordnet, Ergebnisse liegen bislang noch nicht vor. Da der Mann zum Zeitpunkt des Angriffs allein mit dem Tiger war und die Halterin nach eigenen Angaben nicht vor Ort war, bleibt weiterhin unklar, wie es genau zu der Attacke kam.

Die Rettungskräfte waren damals unter Polizeischutz in das Gehege gegangen, um den Verletzten zu bergen. Nach Angaben des Einsatzleiters der Feuerwehr war zunächst nicht klar, ob sich womöglich noch weitere Tiere außerhalb der Anlage befanden. Der Pfleger erlitt mehrere Biss- und Kratzverletzungen.

Tiger bewegte sich auf Kleingartenanlage zu

Parallel zur Rettung des Mannes lief die Suche nach dem entkommenen Raubtier. Neben mehreren Feuerwehrfahrzeugen kam auch eine Drohne zum Einsatz. Der Tiger bewegte sich an dem sonnigen Sonntagmittag auf eine gut besuchte Kleingartenanlage zu.

Besucher wurden per Lautsprecherdurchsagen vor der Gefahr gewarnt. Sie sollten in ihren Gartenlauben bleiben oder sich in ihre Autos zurückziehen. Augenzeugen berichteten, Polizisten seien auf ein Autodach gestiegen und hätten von dort aus auf den Tiger geschossen. Das Tier brach nur wenige Meter vor dem Zaun der Gartenanlage zusammen.

Halterin weist Verantwortung zurück

Die frühere Dompteurin hatte erklärt, sie könne sich den Ausbruch nicht erklären. Nach ihrer Darstellung habe sie nichts falsch gemacht, ihre Helfer seien vollständig eingewiesen gewesen und die Anlage sei sicher.

Allerdings gab es bereits seit 2024 Auseinandersetzungen mit den Behörden. Nach Angaben des Landratsamts Nordsachsen entsprach die Tigerhaltung nicht den Anforderungen, zudem wurden Vorführungen in dem Gewerbegebiet untersagt. Grundsätzlich ist die Haltung von Raubkatzen in Sachsen jedoch erlaubt.

In der Anlage lebten vor dem Vorfall neun ausgewachsene Tiger. Laut dem Säugetiergutachten des Bundeslandwirtschaftsministeriums müssen für ein oder zwei Tiger mindestens 200 Quadratmeter Außengehege zur Verfügung stehen. Für jedes weitere erwachsene Tier kommen jeweils 100 Quadratmeter hinzu.

Sechs Tiere inzwischen nach Spanien gebracht

Nach wochenlangen Diskussionen wurden Anfang Juli sechs Tiger aus der privaten Anlage abtransportiert. Das Landratsamt hatte erklärt, das Gelände sei für die Zahl der Tiere zu klein. Die Raubkatzen wurden an die Tierschutzorganisation Animal Advocacy and Protection (AAP) übergeben und in eine Auffangstation nach Spanien gebracht.

Dort sollen die Tiere nach einer Quarantäne in einem rund 3.000 Quadratmeter großen Außengehege mit Naturboden, Badebecken und Rückzugsmöglichkeiten untergebracht werden. Nach Angaben der Organisation handelte es sich um die bislang größte Tigerrettung, die AAP in Deutschland durchgeführt hat.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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