Niedersachsen

Stade und Garbsen trauern – so groß ist die Anteilnahme

Sechs Tote, tiefe Trauer: Warum jetzt in Garbsen und Stade so viele Menschen zusammenkommen, berührt eine ganze Region.

04.07.2026, 19:57 Uhr

Trauer und Entsetzen nach tödlichen Schüssen in Stade

Nach den tödlichen Schüssen in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade ist die Fassungslosigkeit weiterhin groß. Bei weiteren Gedenkveranstaltungen in Stade und Garbsen erinnerten Hunderte Menschen an die sechs Todesopfer.

In Stade beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 350 Menschen an einem stillen Trauermarsch am Nachmittag. Anschließend fand ein Konzert statt. Die Einnahmen sollen nach Angaben der Organisatoren, zu denen auch der Verein Abend fürs Leben gehört, der betroffenen Jugendhilfeeinrichtung und den Hinterbliebenen zugutekommen.

Am Montag waren in der Einrichtung insgesamt sechs Menschen erschossen worden. Nach bisherigen Erkenntnissen soll ein 45 Jahre alter Mann die Tat im Zusammenhang mit einem Sorgerechtsstreit um seine kleine Tochter begangen haben. Unter den Opfern sind drei Beschäftigte der Einrichtung sowie drei Mitarbeitende des Jugendamts der Region Hannover.

Bereits am Vormittag hatten die Stadt Garbsen und die Region Hannover zu einer interreligiösen Gedenkfeier in die Aula eines Schulzentrums eingeladen. Die Andacht sollte Menschen Raum zum Trauern geben. Zudem konnten Besucherinnen und Besucher Kerzen entzünden und sich in ein Kondolenzbuch eintragen.

Lies spricht bei Trauerfeier in Garbsen

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies erinnerte in seiner Rede an die drei Mitarbeitenden des Jugendamts, die sich für ein Gespräch auf den Weg nach Stade gemacht hatten, um ihre Aufgabe zu erfüllen – und dort getötet wurden. Laut Redemanuskript sagte der SPD-Politiker: „Es ist unerträglich, und es schmerzt uns alle.“ Niedersachsen sei vereint in Trauer, Fassungslosigkeit und auch in der Wut darüber, dass ein solches Verbrechen geschehen konnte.

Lies verwies zudem auf die Lage der Kolleginnen und Kollegen der Opfer – etwa in Jugendhilfeeinrichtungen, Jugendämtern und sozialen Diensten. Viele gingen derzeit mit einem anderen Gefühl zur Arbeit, geprägt von Verunsicherung oder Angst, und fragten sich, ob sie sicher seien. Diese Sorgen müsse die Politik ernst nehmen. Es sei nun die gemeinsame Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Menschen, die für andere da sind, mit dieser Unsicherheit nicht allein gelassen werden.

Unterdessen kündigte die Stadt Burgdorf in der Region Hannover an, den Zugang zu einem Gebäude der Stadtverwaltung vorübergehend einzuschränken. In dem Haus sind unter anderem die Bereiche Jugendhilfe, Schulen sowie Familien und Kinder untergebracht. Bürgermeister Armin Pollehn (CDU) erklärte, die Ereignisse in Stade hätten die Stadt tief betroffen gemacht. Zugleich werde das gestiegene Sicherheitsbedürfnis der Mitarbeitenden sehr ernst genommen. Mit einer angepassten Zugangsregelung solle kurzfristig mehr Kontrolle geschaffen werden, ohne den Kontakt zur Bürgerschaft einzuschränken.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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