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Vingegaard und Visma schocken Pogacar beim Tour-Start

Barcelona-Start mit Knall: Schon im Teamzeitfahren liefern die Favoriten ab – Vingegaard setzt das erste Statement.

04.07.2026, 19:25 Uhr

Jonas Vingegaard hat zum Auftakt der Tour de France direkt ein Ausrufezeichen gesetzt. Der 29 Jahre alte Däne gewann das Mannschaftszeitfahren in Barcelona über 19,6 Kilometer mit Visma und sicherte sich damit vor seinen Rivalen Tadej Pogacar und Remco Evenepoel das erste Gelbe Trikot.

Nach dem Sieg herzte Vingegaard seine Teamkollegen im Ziel und lobte deren Arbeit überschwänglich. „Die Tour ist natürlich noch lang, aber das ist der perfekte Start. Und meine Teamkollegen haben heute einen fantastischen Job gemacht. Sie waren so stark“, sagte der zweimalige Tour-Champion. Viel selbst habe er dabei kaum machen müssen: Seine Helfer hätten ihn fast bis ins Ziel gebracht.

Am Ende biss sich Vingegaard alleine mit letzter Kraft über die Linie. Im Ziel betrug sein Vorsprung auf den Italiener Filippo Ganna vom Ineos-Team acht Sekunden. Pogacar belegte mit UAE den dritten Platz und lag zwölf Sekunden zurück. Evenepoel kam auf Rang fünf. Der Belgier hatte seinen deutschen Teamkollegen Florian Lipowitz knapp zwei Kilometer vor dem Ziel distanziert und galt als dreimaliger Zeitfahr-Weltmeister sowie Olympiasieger im Kampf gegen die Uhr als einer der großen Favoriten.

Lipowitz bleibt trotz Rückstand gelassen

Lipowitz verlor auf der ersten Etappe 35 Sekunden und ist damit Achter der Gesamtwertung. Der 25-Jährige zeigte sich dennoch zufrieden. „Remco hat heute ein super Mannschaftszeitfahren gemacht. Er hat viel Arbeit heute gemacht. Meine Beine waren noch nicht ganz so gut“, sagte der deutsche Hoffnungsträger. „Aber ich bin trotzdem ganz happy und ich freue mich jetzt einfach, dass es losgeht.“

Anders als bei früheren Mannschaftszeitfahren bei der Tour wurden die Zeiten diesmal für jeden Fahrer einzeln gewertet. Visma setzte die Taktik dabei besonders konsequent um: Noch an den letzten beiden kurzen Anstiegen hatte Vingegaard mehr Helfer an seiner Seite als die Konkurrenz. Schon bei der ersten Zwischenzeit hatten Red Bull und UAE Rückstand eingebüßt.

Für Vingegaard ist das Gelbe Trikot auch emotional besonders. Zuletzt hatte er es bei seinem Tour-Sieg 2023 getragen. Seitdem war Pogacar oft einen Tick stärker. „Aus offensichtlichen Gründen hatte ich ein paar schwierige Jahre. Die Tour ist das größte Rennen, und schon allein das Gelbe Trikot zu tragen, ist etwas Besonderes“, sagte Vingegaard. Das wolle er nun genießen. Ende Mai hatte er zudem den Giro d’Italia gewonnen.

Anspruchsvolles Format in Barcelona

Die Strecke führte bei Temperaturen um 30 Grad vom Meer aus über lange Geraden durch die Innenstadt Barcelonas. In enger Formation rollten die Teams auch an der Sagrada Família vorbei, ehe zum Schluss zwei Anstiege folgten. Dort setzten sich meist die Kapitäne ab, die im flachen Abschnitt teils geschont worden waren. Die Fans sorgten entlang der Strecke für eine eindrucksvolle Kulisse.

Die Teams hatten sich intensiv auf das seltene Format vorbereitet. Training auf Formel-1-Rennstrecken und Windkanaltests gehörten bei vielen Mannschaften dazu. Evenepoel hatte schon vor dem Start betont, dass sein Team den Etappensieg anpeile. Der Belgier führte seine Mannschaft früh an und machte viel Tempo.

Auch der deutsche Routinier John Degenkolb spielte trotz eines Sturzes im Training am Vortag eine Rolle und biss sich durch die Etappe. „Das spürt man natürlich, dass das dann Energie kostet“, sagte er der ARD.

Zuletzt hatte es bei der Tour 2019 in Brüssel ein Mannschaftszeitfahren gegeben, damals allerdings noch im alten Modus. Die Disziplin gilt als körperlich und technisch besonders anspruchsvoll, weil Führungswechsel und Abstände innerhalb des Teams exakt abgestimmt sein müssen.

Pogacar bleibt Topfavorit, Sonntag wartet Montjuic

Für Pogacar ist der Rückstand zum Start überschaubar, auch wenn sein Team keinen perfekten Tag erwischte. Der Slowene bleibt dennoch der Topfavorit auf den Gesamtsieg. Mit einem fünften Tour-Triumph würde er mit den Rekordsiegern Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain gleichziehen. Doch Vingegaard machte gleich zum Start klar, dass mit ihm wieder zu rechnen ist. Schon bei der Teampräsentation hatte er betont, besser denn je zu sein.

Am Sonntag wird die Rundfahrt erneut in Katalonien fortgesetzt. Das Feld fährt über 168,5 Kilometer von Tarragona zurück nach Barcelona. Im Finale warten mit dem Montjuic gleich drei Überfahrten mit kurzen steilen Rampen, zudem geht es auch zum Ziel am Olympiastadion wieder bergauf. Größere Abstände im Gesamtklassement sind möglich. Am Montag wechselt die Tour dann nach Frankreich in die Pyrenäen, das Rennen endet am 26. Juli in Paris.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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