Mögliche Werksschließungen bei Volkswagen stoßen im Aufsichtsrat auf deutliche Kritik. Niedersachsens stellvertretende Ministerpräsidentin und VW-Aufsichtsrätin Julia Willie Hamburg sagte der Deutschen Presse-Agentur, allein Standorte dichtzumachen greife viel zu kurz. Schließungen seien aus ihrer Sicht keine Strategie für die Zukunft des Konzerns.
Hamburg betonte, dass der notwendige Umbau bei Volkswagen außer Frage stehe. Der Autobauer müsse sich verändern, sagte die Grünen-Politikerin. Diese Transformation dürfe jedoch nicht die industrielle Basis schwächen, sondern müsse die Wettbewerbsfähigkeit langfristig stärken und an den vorhandenen Stärken des Unternehmens ansetzen.
Zuvor hatte das Manager Magazin berichtet, Volkswagen wolle sein Sparprogramm erheblich ausweiten. Demnach könnten weltweit bis zu 100.000 Arbeitsplätze wegfallen – und damit doppelt so viele wie bislang vorgesehen. Zudem stünden angeblich vier deutsche Werke in Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm auf der Kippe.
Hamburg fordert mehr Innovation statt Schließungen
Hamburg räumte ein, dass sich Volkswagen in einer ernsten Lage befinde. Um konkurrenzfähig zu bleiben, gebe es ihrer Ansicht nach aber bessere Wege als Werkschließungen. Sie verwies auf zahlreiche Synergieeffekte innerhalb des Konzerns, die noch nicht ausreichend genutzt würden. Gerade dort liege ein wesentlicher Hebel, um Kosten zu senken.
Durch seine Struktur verfüge VW über große Möglichkeiten, Abläufe zu vereinfachen, doppelte Strukturen zu beseitigen und die Zusammenarbeit der einzelnen Marken zu verbessern. Diese Vorteile müsse der Konzern konsequenter ausschöpfen, sagte Hamburg.

Zugleich forderte sie mehr Innovationskraft. Entscheidend sei vor allem, dass Volkswagen wieder mit neuen und überzeugenden Produkten am Markt auftrete. Große Erfolge habe das Unternehmen in der Vergangenheit genau daraus erzielt. Deshalb müsse VW weiter in Zukunftstechnologien investieren – von modernen Antrieben über Software bis hin zu Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz.
Kaum kurzfristige Wirkung durch Werksschließungen
Von möglichen Werksschließungen erwartet Hamburg kurzfristig keine Entlastung. Wenn überhaupt, würden solche Maßnahmen frühestens ab 2030 Wirkung zeigen, sagte sie. Für die aktuelle Krise seien sie daher keine passende Antwort.
Stattdessen wolle man darauf drängen, dass der Vorstand nun strukturiert vorgeht und Lösungen vorlegt, die realistisch umsetzbar, sorgfältig geprüft und tatsächlich wirksam sind.
Bereits im Dezember 2024 hatten IG Metall und Volkswagen nach schwierigen Tarifverhandlungen eine Beschäftigungssicherung für die deutschen Konzernstandorte bis 2030 vereinbart. Diese schließt betriebsbedingte Kündigungen aus. Sollte VW die Vereinbarung aufkündigen, wäre eine Strafzahlung von einer Milliarde Euro fällig.
Sorge um die Beschäftigten an den Standorten
Hamburg warnte außerdem davor, industrielle Strukturen leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Einmal verlorene Industrie kehre nicht so schnell zurück. Das könne weder im Interesse des Konzerns noch des Landes Niedersachsen sein.
Den Beschäftigten sicherte sie Unterstützung durch die Landesregierung zu. Die öffentliche Diskussion löse derzeit erhebliche Unsicherheit an den Standorten aus, sagte sie. Es sei wichtig, diese Sorgen ernst zu nehmen, das Gespräch zu suchen und Verunsicherung abzubauen.
Niedersachsen verfügt bei Volkswagen über 20 Prozent der Stimmrechte. Gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern hat das Land damit eine Mehrheit im Aufsichtsrat. Bei zentralen Entscheidungen besitzt Niedersachsen zudem ein Vetorecht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber