Niedersachsen

Spendenwelle für Kinder der getöteten Mutter

Erst den Vater verloren, dann die Mutter erschossen: Für zwei kleine Kinder aus Stade bricht jetzt eine Spendenwelle los.

03.07.2026, 11:40 Uhr

Nach der tödlichen Gewalttat in Stade richtet sich viel Anteilnahme auf zwei kleine Kinder, die nun beide Eltern verloren haben. Für die drei und vier Jahre alten Geschwister, deren 32-jährige Mutter bei den Schüssen getötet wurde und deren Vater erst wenige Wochen zuvor starb, wurden über GoFundMe binnen kurzer Zeit mehr als 620.000 Euro gesammelt. Nach Angaben auf der Spendenseite beteiligten sich bis Mittag mehr als 24.000 Menschen.

Spendenaktion erinnert an engagierte Mutter

In dem Aufruf wird die 32-Jährige als außergewöhnlicher Mensch beschrieben: als liebevolle Mutter, starke Persönlichkeit und als jemand mit einem „unglaublich großen Herzen“. Ihre Kinder seien ihr ganzer Stolz gewesen, heißt es dort. Sie habe ihnen Liebe, Geborgenheit und Sicherheit gegeben und auch nach dem Tod ihres Mannes weiter jeden Tag für die beiden gekämpft.

Laut der Kampagne nahm die Familie am 9. Juni Abschied vom Vater der Kinder. Nur 20 Tage später wurde auch die Mutter aus dem Leben gerissen. Die Frau arbeitete beim Jugendamt und wurde den Angaben zufolge während eines Einsatzes für Familien und Kinder in Stade getötet.

Geld soll Versorgung und Zukunft der Kinder sichern

Die gesammelten Spenden sollen den Geschwistern einen möglichst sicheren Start in die Zukunft ermöglichen. Genannt werden auf der Spendenseite unter anderem Ausgaben für Versorgung, Betreuung und Bildung, mögliche therapeutische Unterstützung sowie Kosten rund um die Beerdigung. Wie der weitere Weg der Kinder aussieht, ist bislang offen.

GoFundMe teilte auf Anfrage mit, das Team für Vertrauen und Sicherheit stehe mit der Organisatorin in Kontakt. So solle sichergestellt werden, dass die betroffene Familie oder ein Vormund der Kinder als Spendenbegünstigte hinterlegt werde und die Gelder den im Aufruf genannten Menschen zugutekommen.

Sechs Tote bei Angriff in Jugendhilfeeinrichtung

Bei der Gewalttat in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade wurden am Montag insgesamt sechs Menschen getötet. Nach bisherigen Erkenntnissen soll ein 45-jähriger Mann im Zusammenhang mit einem Sorgerechtsstreit um seine kleine Tochter geschossen haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm sechsfachen Mord vor, der Tatverdächtige sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

Nach bisherigen Angaben soll der Mann während eines Gesprächstermins in der Einrichtung plötzlich eine mitgebrachte Schusswaffe gezogen und auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschossen haben. Fünf Menschen starben am Tatort, ein weiteres Opfer später im Krankenhaus.

Unter den Todesopfern waren vier Frauen und zwei Männer. Drei von ihnen kamen aus dem Raum Hannover und waren als Beschäftigte des Jugendamtes der Region Hannover in der Stader Einrichtung. Zudem wurden drei Beschäftigte der Jugendhilfeeinrichtung in Stade getötet, darunter zwei Frauen und ein Mann.

Rückendeckung für Niedersachsens Migrationsbeauftragten

Nach Bekanntwerden der mutmaßlichen Verwicklung seiner Schwiegermutter in die Tat erhält der niedersächsische Migrationsbeauftragte Deniz Kurku Rückendeckung von Ministerpräsident Olaf Lies. Der SPD-Politiker erklärte, Kurku habe richtig gehandelt, offen über die Betroffenheit seiner Schwiegermutter zu informieren. Ihn selbst treffe keine Schuld.

Kurku ließ zuvor über einen Rechtsanwalt mitteilen, er habe die Ermittlungsbehörden und weitere Stellen in seinem beruflichen Umfeld informiert, sobald er durch Medienberichte von der Betroffenheit seiner Schwiegermutter erfahren habe.

Rolle der Schwiegermutter noch unklar

Nach Angaben der Ermittler soll die 65-jährige Schwiegermutter des Migrationsbeauftragten am Steuer des Fluchtwagens gesessen haben, während der mutmaßliche Schütze Beifahrer gewesen sein soll. Die Polizei stoppte das Auto mit Schüssen. Ob die Frau von den Plänen des Verdächtigen wusste und welche Rolle sie bei der Tat spielte, ist derzeit noch unklar. Laut Ermittlern soll sie eine enge Verbindung zur Familie des Mannes haben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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