Niedersachsen

Stade-Schock: Drei Mitarbeiter aus Hannover unter Opfern

Drei Jugendamts-Mitarbeiter fahren zu einem Termin nach Stade – kurz darauf sind sie tot. Die Region Hannover ist fassungslos.

30.06.2026, 13:38 Uhr

Unter großer Anteilnahme ist in Stade der sechs Todesopfer der Gewalttat gedacht worden. Am Abend nach dem Verbrechen füllte sich die St.-Wilhadi-Kirche mit Polizisten, Feuerwehrleuten, Angehörigen, Kolleginnen und Kollegen sowie vielen weiteren Trauergästen. Nach Beobachtungen vor Ort fanden nicht alle einen Sitzplatz, zahlreiche Menschen mussten stehen. Viele kamen mit Blumen.

Medien waren von der Andacht ausgeschlossen, Foto- und Videoaufnahmen wurden untersagt, um das Gedenken nicht zu stören. Die Kirche wurde am Abend von mehreren Polizeikräften gesichert.

Unter den Opfern sind nach Angaben der Polizei drei Beschäftigte des Jugendamts der Region Hannover – zwei Frauen und ein Mann. Die drei Fachkräfte waren demnach zu einem Hilfeplangespräch in einer Jugendhilfeeinrichtung in der Dankersstraße in Stade. Die weiteren drei Getöteten arbeiteten in der Einrichtung selbst; auch bei ihnen handelt es sich um zwei Frauen und einen Mann.

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies sprach den Angehörigen und Hinterbliebenen sein Mitgefühl aus. Nach einer solchen Tat brauche es viel Zeit, bis die Wunden langsam heilen könnten, sagte der SPD-Politiker. Besonders schwer wiege, dass in einer Jugendhilfeeinrichtung Menschen getötet wurden, die sich beruflich für ein gutes Miteinander einsetzten. Lies betonte zudem, dass Liebe, Hoffnung und Gemeinschaft stärker bleiben müssten als das Böse.

Bei dem Gedenkgottesdienst sollten acht Kerzen entzündet werden: sechs für die Opfer, eine für die drei Monate alte Tochter des mutmaßlichen Schützen, die unverletzt blieb, und eine für die Einsatzkräfte.

Auch an der Jugendhilfeeinrichtung selbst ist die Bestürzung groß. In der Nähe des abgesperrten Tatorts legten Anwohnerinnen und Anwohner sowie weitere Besucher Blumen nieder und stellten Kerzen auf.

Die Region Hannover hatte bereits zuvor ihre tiefe Betroffenheit geäußert. Die Gedanken seien bei den Familien, Freundinnen und Freunden der Getöteten sowie bei allen Kolleginnen und Kollegen, die das Geschehen verarbeiten müssten. Viele Beschäftigte trauerten und stünden unter dem Eindruck der Tat. Oberste Priorität habe nun, Betroffene zu begleiten und zu unterstützen.

Nach bisherigen Erkenntnissen soll ein 45 Jahre alter Mann aus dem Raum Hannover am Montag vier Frauen und zwei Männer erschossen haben. Die Polizei hält einen Sorgerechtsstreit für ein mögliches Motiv. Demnach soll es einen Termin zum Sorgerecht für seine drei Monate alte Tochter gegeben haben.

Für Mittwoch um 14.00 Uhr ist außerdem in der Marktkirche Hannover ein Gedenken für die drei getöteten Mitarbeitenden der Jugendhilfe der Region Hannover geplant. Mit Gebeten, Texten und Musik soll dort ein Zeichen der Verbundenheit gesetzt werden – auch für die Beschäftigten der Jugendämter.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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