Der frühere Nationalspieler Thomas Strunz fordert nach dem enttäuschenden WM-Aus der deutschen Mannschaft einen grundlegenden Neuanfang beim DFB. In einem Beitrag für den Kicker sprach sich der 58-Jährige dafür aus, ehemalige Profis in wichtige Führungspositionen zu holen. Aus seiner Sicht brauche der Verband Persönlichkeiten, die Erfolg im Fußball selbst erlebt haben, Vereinsstrukturen kennen und Organisationen weiterentwickeln können.
Strunz brachte dabei auch konkrete Namen ins Spiel. Fredi Bobic sei für ihn ein Kandidat mit Profil, der bei Eintracht Frankfurt viel bewegt habe und deshalb aus seiner Sicht als DFB-Geschäftsführer infrage käme. Auch Oliver Kahn könne laut Strunz eine Option sein.
Trainerwechsel allein aus Sicht von Strunz nicht genug
Kahn war früher Kapitän der Nationalmannschaft und des FC Bayern, konnte sich später als Vorstandschef in München aber nicht dauerhaft behaupten. Für Strunz liegt das Problem beim DFB jedoch tiefer, weshalb ein bloßer Wechsel auf der Position des Bundestrainers nicht ausreichen würde. Selbst wenn jemand wie Jürgen Klopp übernehmen sollte, blieben nach seiner Einschätzung die bisherigen Strukturen und Verantwortlichen bestehen.
Der ehemalige Bayern-Profi meint, eine einzelne Person könne den schwerfälligen Verband nicht grundlegend verändern. Stattdessen müsse der deutsche Fußball insgesamt einen tiefgreifenden Umbruch erleben.
Scharfe Kritik an den DFB-Strukturen
Strunz äußerte sich insgesamt sehr kritisch über den Verband. Nach seinen Worten werde im Umfeld ehemaliger Nationalspieler häufig beklagt, dass der DFB frühere Leistungsträger kaum einbinde. Er bezeichnete den Verband in diesem Zusammenhang als von Bürokratie geprägt.

Als weitere mögliche Besetzung nannte er Philipp Lahm. Dieser habe durch seine Rolle als Turnierchef der EM 2024 Einblick in die Abläufe beim DFB und bei der UEFA gewonnen. Für Strunz wäre Lahm deshalb nicht nur ein künftiger, sondern am besten sofortiger Kandidat für das Amt des DFB-Präsidenten.
Lahm hält sich derzeit zurück
Lahm selbst äußerte sich zuletzt zurückhaltend zu einer möglichen Funktion beim Verband. Der Weltmeister von 2014 sagte, dass er aktuell keine neue Aufgabe suche. Grundsätzlich wolle er zwar nichts ausschließen, momentan sei er mit seinem Leben jedoch zufrieden.
Nach Ansicht von Strunz dürfte Geld bei einer solchen Aufgabe ohnehin nicht im Vordergrund stehen. Er ist überzeugt, dass sich genug frühere Profis finden ließen, die finanziell unabhängig seien und Verantwortung übernehmen könnten. Für Ausreden, so seine Botschaft, sei nun keine Zeit mehr.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber