Mecklenburg-Vorpommern

Umfrage-Schock: AfD in MV vor der SPD

37 Prozent für die AfD in MV – und für Merz’ CDU droht nach Sachsen-Anhalt schon das nächste bittere Wahl-Desaster.

11.09.2026, 07:30 Uhr

Gut eine Woche vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD in den Umfragen weiter vorn. Im aktuellen ZDF-„Politbarometer Extra“ kommt sie auf 37 Prozent und damit auf einen Vorsprung von drei Punkten vor der SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, die bei 34 Prozent steht. Die CDU erreicht nur 7 Prozent – das wäre ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl seit Gründung der Bundesrepublik.

Für die Partei von Bundeskanzler Friedrich Merz wäre das nach dem Debakel bei der jüngsten Wahl in Sachsen-Anhalt ein weiterer schwerer Rückschlag. Zwar bleibt die AfD klar stärkste Kraft, doch der Abstand zur SPD ist deutlich kleiner als noch vor einigen Monaten in Erhebungen anderer Institute. Das passt zu einem Trend, den auch andere Meinungsforscher zuletzt beobachtet haben. In einer am Donnerstagabend veröffentlichten Infratest-dimap-Umfrage für die ARD baute die AfD ihren Vorsprung allerdings wieder von drei auf fünf Punkte aus.

Nach den ZDF-Zahlen liegt die Linke mit 10 Prozent auf Rang drei. Die Grünen kommen auf 5 Prozent, das BSW auf 4 Prozent. Für den Einzug in den Landtag gilt auch in Mecklenburg-Vorpommern die Fünf-Prozent-Hürde.

Polarisierung zulasten kleinerer Parteien

Schwesig setzt im Wahlkampf weiter auf eine klare Abgrenzung zur AfD und wirbt mit dem Slogan „Die Frau gegen Blau“. In einer direkten Gegenüberstellung mit AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm schneidet sie deutlich besser ab: 61 Prozent der Befragten würden lieber Schwesig als Regierungschefin sehen, nur 28 Prozent bevorzugen Holm.

Mit dieser Strategie sammelt die SPD im Land weiter Stimmen – und das gegen den Bundestrend ihrer Partei. Gleichzeitig geraten jedoch kleinere Parteien unter Druck. Während die SPD klar über die 30-Prozent-Marke geklettert ist, profitieren potenzielle Bündnispartner davon bislang kaum. Die AfD bleibt als Gegenpol zur SPD stabil bei 35 Prozent und mehr oder legt – je nach Institut – sogar noch zu.

Auch deshalb wächst bei anderen Parteien der Unmut über die Zuspitzung auf ein Duell zwischen Schwesig und Holm. Selbst die Linke, derzeit Koalitionspartner der SPD, reagierte zuletzt gereizt. Landeschef Hennis Herbst sprach von einem „Scheinzweikampf“ und betonte, Mehrheiten für soziale Gerechtigkeit gebe es nur mit seiner Partei.

Für Schwesig könnte vor allem der Einzug der Grünen wichtig werden, wenn sie weiterregieren will. Die Partei, die bei der Landtagswahl 2021 noch 6,3 Prozent erreichte, liegt in der ZDF-Umfrage wie auch bei anderen Instituten exakt an der Fünf-Prozent-Hürde. Der FDP droht dagegen das völlige Verschwinden aus dem parlamentarischen Rennen: Statt 5,8 Prozent wie 2021 sehen Demoskopen sie nur noch bei zwei bis drei Prozent; in den jüngsten Umfragen wird sie teils nicht einmal mehr gesondert ausgewiesen.

CDU droht historisch schwaches Ergebnis

Größter Verlierer des polarisierten Wahlkampfs ist derzeit die CDU, die zwischen SPD und AfD aufgerieben wird. Spitzenkandidat Daniel Peters hatte bereits nach der Wahl in Sachsen-Anhalt kritisiert, die Polarisierung führe nur dazu, dass die AfD immer stärker werde. Auch der langjährige CDU-Landeschef Eckhardt Rehberg nannte die Zuspitzung des Wahlkampfs als einen Grund für das mögliche historische Tief der Partei. Zugleich räumte er ein, dass die Bundesregierung in Berlin unter Kanzler Merz derzeit kein gutes Bild abgebe.

Die Union ist in den Umfragen im Land zuletzt weiter zurückgefallen. Zu Beginn des Sommers lag sie noch bei rund 10 Prozent. In der aktuellen ARD-Umfrage steht sie – wie nun auch im ZDF – nur noch bei 7 Prozent. Das ist bei Infratest dimap ein Punkt weniger als Anfang September. Im gleichen Zeitraum verbessert sich die SPD dort auf 33 Prozent, während die AfD von 35 auf 38 Prozent steigt.

Die ARD-Erhebung wurde von Montag bis Mittwoch durchgeführt und damit nach der Wahl in Sachsen-Anhalt. Das ZDF hatte in den vergangenen Monaten keine eigenen speziellen Mecklenburg-Vorpommern-Daten veröffentlicht, mit denen sich die aktuelle Entwicklung direkt vergleichen ließe.

Auch eine am Donnerstag veröffentlichte Insa-Umfrage für den „Nordkurier“ sieht die CDU bei 7 Prozent. Diese Befragung lief vom 1. bis 8. September und damit teilweise noch vor der Wahl in Sachsen-Anhalt.

Für die ZDF-Umfrage befragte die Forschungsgruppe Wahlen von Montag bis Donnerstag 1.053 Wahlberechtigte. Die Fehlertoleranz liegt laut Institut bei einem Stimmenanteil von 40 Prozent bei plus/minus drei Prozentpunkten, bei einem Wert von 10 Prozent bei plus/minus zwei Punkten. Nach Angaben des Instituts ist die Erhebung repräsentativ.

Wahlumfragen sind grundsätzlich mit Unsicherheiten verbunden. Sinkende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen erschweren die Gewichtung der Daten. Zudem bilden Umfragen nur die Stimmung zum Zeitpunkt der Befragung ab und sind keine Vorhersage des tatsächlichen Wahlausgangs.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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