Mecklenburg-Vorpommern

Rätsel um toten Buckelwal: War es diese Infektion?

Was tötete den Buckelwal im Greifswalder Bodden? Forscher haben einen brisanten Verdacht – und eine Spur zu früheren Sichtungen.

18.08.2026, 11:00 Uhr

Toter Buckelwal im Greifswalder Bodden wohl an bakterieller Infektion gestorben

Der im Greifswalder Bodden entdeckte tote Buckelwal ist nach vorläufigen Erkenntnissen des Deutschen Meeresmuseums vermutlich an den Folgen einer bakteriellen Infektion verendet. Die bisherigen Untersuchungen sprechen für eine mögliche Sepsis. Weitere Laborergebnisse, etwa zur genauen Bakterienart, stehen noch aus.

Entdeckt worden war das Tier am vergangenen Donnerstag zwischen Rügen und dem Festland, wo es auf dem Rücken im Wasser trieb. Nach Einschätzung des Museums dürfte der Wal bereits am Mittwoch oder Donnerstag der Vorwoche gestorben sein.

Bei dem Tier handelt es sich um ein männliches Jungtier von rund zehn Metern Länge und etwa sieben Tonnen Gewicht. Sein Alter wird auf drei bis vier Jahre geschätzt. Äußerlich fanden die Fachleute keine Hinweise auf Verletzungen durch Schiffsschrauben oder Fischernetze.

Abszesse und geschädigte Wirbelsäule

Bei der Untersuchung wurden jedoch zwei rundliche Öffnungen im hinteren Rückenbereich festgestellt. Dort entdeckten die Wissenschaftler einen Abszess, der sich offenbar von innen nach außen durch das Gewebe gearbeitet hatte und vom Knochen bis an die Oberfläche reichte. Zudem waren die Wirbelfortsätze in diesem Bereich teilweise porös.

Darüber hinaus fand das Team weitere eitergefüllte Abszesse entlang der Wirbelsäule sowie am Kugelgelenk des rechten Flippers, also der Brustflosse.

Die Sektion zeigte außerdem, dass sich der Wal insgesamt in schlechtem körperlichem Zustand befand. Die Haut war von der Kopfspitze bis zur Finne beziehungsweise Rückenflosse rotbräunlich verfärbt, große Teile der oberen Hautschicht fehlten. Magen, Dünndarm und Dickdarm waren leer; lediglich im hinteren Teil des Dickdarms fand sich eine kleine Menge bräunlichen Inhalts. Die etwa sechs Zentimeter dicke Fettschicht deutet den Angaben zufolge auf eine längere Hungerphase hin.

Herausfordernde Sektion

In einem Bereich der Fettschicht, der sogenannten Blubberschicht, nahe des linken Schulterblatts wurde leichter Parasitenbefall festgestellt. Ansonsten war der Wal nach Angaben der Experten parasitenfrei.

Geborgen wurde der Kadaver vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee. Äußerlich sei das Tier zunächst noch relativ frisch gewesen. Wegen der hohen Wasser- und Lufttemperaturen hatte jedoch bereits die Bildung von Fäulnisgasen eingesetzt, wodurch sich der Kadaver teilweise aufblähte. Schon am Freitag hatte die Verwesung begonnen, erste Organe anzugreifen. Deshalb konnten Proben von Gehirn, Lunge und Nieren nicht mehr entnommen werden.

Die Sektion fand am Freitag und Samstag statt, teils bei Temperaturen um 30 Grad. Nach Angaben einer Sprecherin des Deutschen Meeresmuseums mussten die 13 beteiligten Wissenschaftler ohne Schatten arbeiten. Auch für erfahrene Fachleute sei der Einsatz stellenweise belastend gewesen, etwa als die ballonartig aufgeblähte Zunge des Meeressäugers geöffnet wurde und angesammelte Fäulnisgase entwichen.

Vermutlich bereits zuvor gesichteter Wal

Nach Einschätzung des Deutschen Meeresmuseums handelt es sich wahrscheinlich um denselben Wal, der zuvor bereits vor der Küste Schleswig-Holsteins, später im Wismarer Hafen und auch vor der polnischen Küste beobachtet worden war. Einen eindeutigen Beweis gebe es zwar nicht, doch die auffällige Hautverfärbung gilt als starkes Indiz.

Hinzu kommt, dass die Abszesse an Wirbelsäule und Brustflosse genau an den Stellen lagen, die für die Schwimmbewegungen besonders wichtig sind. Das könnte erklären, warum das Tier bei früheren Sichtungen eine ungewöhnliche Haltung im Wasser gezeigt hatte, die einer Meeresbiologin des Museums bereits aufgefallen war.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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