Trockener Alpsommer setzt Bauern im Allgäu zu
Der Sommer 2026 wird den Landwirten am Alpenrand wohl als besonders belastend in Erinnerung bleiben. Nach Einschätzung von Fabian Höß vom Alpwirtschaftlichen Verein im Allgäu war vor allem die anhaltende Trockenheit über das gesamte Jahr hinweg außergewöhnlich. Mit dem Ende des Alpsommers werde deutlich, wie extrem die Saison gewesen sei.
In den nächsten Wochen beginnen im Allgäu wieder die traditionellen Viehscheide. Zum Auftakt starteten am Freitag die ersten festähnlichen Veranstaltungen, bei denen geschmückte Rinder von den Hochweiden zurück ins Tal gebracht werden. Einer der ersten Viehscheide fand in Oberstaufen statt.
Probleme begannen bereits im Winter
Wie Höß erklärte, lagen die Ursachen für die schwierige Lage schon im vergangenen Winter. In den Bergen sei nur sehr wenig Schnee gefallen. Dadurch habe zum einen das Schmelzwasser gefehlt, das normalerweise im Boden gespeichert werde und das Wachstum der Alp-Pflanzen im Frühjahr unterstütze. Zum anderen fehle ohne ausreichende Schneedecke ein wichtiger Schutz für den Boden vor Sonne und Wind, sodass dieser schneller austrockne.
Teilweise mussten Tiere früher ins Tal zurück
Auch im Sommer blieb Regen weitgehend aus. Auf manchen Alpen seien Brunnen und Zisternen schließlich leer gewesen. Im Allgäu hätten in dieser Situation die vergleichsweise gut ausgebauten Wege geholfen, da Wasser vielerorts mit Fahrzeugen hinaufgebracht oder sogar hochgepumpt werden konnte.
Neben der Wasserversorgung habe es jedoch auch Schwierigkeiten beim Futter gegeben. Wegen des geringen Pflanzenwuchses sahen sich einige Bauern gezwungen, einen Teil ihrer Tiere früher als üblich von den Weiden zu holen. Besonders Milchkühe seien auf gutes und nährstoffreiches Futter angewiesen.

Nach Angaben von Höß war die Lage in anderen Teilen der Alpen mancherorts sogar noch ernster als im Allgäu. Dort habe Wasser teils per Hubschrauber zu den Tieren gebracht werden müssen. Zwar sei 2026 ein besonders hartes Jahr gewesen, doch der Rückgang der Niederschläge zeichne sich bereits seit längerer Zeit ab. Für Höß ist klar: Wer den Klimawandel anzweifle, müsse nur mit Bauern und Älplern sprechen, die seine Folgen täglich erlebten.
Tradition des Viehscheids
Jeden Sommer werden entlang der bayerischen Alpen zehntausende Kühe sowie auch Schafe, Ziegen, Schweine und Pferde auf hoch gelegene Weiden gebracht, die je nach Region Alm oder Alpe heißen. Nach rund 100 Tagen kehren die Hirten mit den Tieren traditionell vor dem Wintereinbruch zu den Höfen zurück.
Der im Allgäu gebräuchliche Begriff Viehscheid kommt daher, dass die gemeinsam gesömmerten Herden nach der Rückkehr auf einem sogenannten Scheidplatz wieder getrennt werden. Dort bekommen die Besitzer ihre Tiere zurück. In Oberbayern ist für diesen Brauch dagegen vor allem die Bezeichnung Almabtrieb üblich.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber