Alonso in Madrid mit 007-Attitüde – Zukunft weiter offen
Schwarzer Maßanzug, schwarze Krawatte, weißes Hemd, verspiegelte Sonnenbrille und den Helm locker in der Hand: Als Fernando Alonso die neue Formel-1-Bühne in Madrid betrat, erinnerte sein Auftritt an einen Agentenfilm. Die Formel 1 verpasste dem Spanier dazu gleich einen passenden Spitznamen: „El Padre“.
Alonso lässt sich bei seiner Entscheidung Zeit
Wenn es um seine Zukunft in der Formel 1 geht, gibt sich der zweimalige Weltmeister gewohnt geheimnisvoll. Ob er auch 2027 noch im Cockpit sitzen wird, wollte der Aston-Martin-Pilot in Madrid nicht verraten. Eine Entscheidung werde es „nicht so bald“ geben, sagte der 1981 in Oviedo geborene Routinier. Einen Grund nannte er mit einem Grinsen gleich mit: weil es ihm gefalle, die Spannung aufrechtzuerhalten.
Eile habe er keine. Entscheidend sei zunächst, wie sich die neuen Regeln ab dem kommenden Jahr auf das Fahrverhalten auswirkten. Alonso machte deutlich, dass ihm vor allem das alte, ungefilterte Fahrgefühl fehlt – insbesondere die Zeit ohne starke Batterieunterstützung. Als er 2005 im Renault Michael Schumachers Titelserie stoppte, waren noch V10-Motoren der Klang der Formel 1.
Eine Karriere über Generationen hinweg
Alonso hat bereits 440 Grand Prix bestritten. Sein Debüt gab er im März 2001. Dass acht Stammfahrer der aktuellen Saison damals noch gar nicht geboren waren, zeigt, wie außergewöhnlich seine Laufbahn ist. Cadillac-Pilot Sergio Pérez sprach mit großem Respekt über den Spanier. Mit 45 noch in dieser Situation zu sein, sei extrem schwierig. Zugleich meinte Pérez, Alonso könne aus Leidenschaft theoretisch noch viele weitere Jahre weitermachen.

Alonso über sein Vermächtnis in Spanien
Für Alonso ist einer der wichtigsten Aspekte seiner Karriere der Wandel, den die Formel 1 in Spanien genommen hat. Er betonte, wie sehr sich der Sport in seiner Heimat entwickelt habe. Seine Eltern hätten seine ersten Rennen einst über RTL verfolgt, weil es in Spanien damals keine TV-Übertragungen gab.
Auch heute wächst die Bedeutung der Formel 1 im Land weiter. Kurz vor dem Großen Preis von Spanien wurde bekannt, dass DAZN die Rechte in Spanien bis 2030 verlängert hat. Das Rennen in Madrid ist an diesem Sonntag das bereits zweite Gastspiel der Königsklasse in Spanien in dieser Saison. Bereits im Juni wurde bei Barcelona gefahren. Ab 2027 sollen sich der Kurs in Katalonien und Spa-Francorchamps im Kalender abwechseln.
Vielleicht weiter im Team – auch ohne Stammcockpit
Wie es für Alonso kurzfristig weitergeht, ist offen. Er erklärte, dass er Aston Martin dort helfen wolle, wo er den größten Nutzen bringe – ob weiter am Steuer oder in einer anderen Funktion. Denkbar wäre für ihn auch ein Einsatz in einer anderen Rennserie für das Team. Als mögliche Alternative gilt unter anderem die Langstrecken-WM mit dem Klassiker 24 Stunden von Le Mans.
Schon einmal Abschied genommen – und zurückgekehrt
Ganz neu wäre ein Wechsel für Alonso nicht. Ende 2018 hatte er seine Formel-1-Laufbahn bereits einmal beendet, ließ eine Rückkehr aber früh anklingen. 2019 gewann er erneut in Le Mans, 2020 startete er bei der Rallye Dakar und wurde 13. 2021 kehrte er in die Formel 1 zurück, zunächst bei Alpine, später ab 2023 bei Aston Martin. Seitdem stand er insgesamt sechsmal als Dritter auf dem Podium.
Sein bislang letzter Grand-Prix-Sieg datiert aus dem Jahr 2013. Insgesamt kommt Alonso auf 32 Erfolge.
Aston Martin bleibt hinter den Hoffnungen zurück
Mit Aston Martin hatte Alonso gehofft, noch einmal an frühere Erfolge anknüpfen zu können. Doch selbst der viel beachtete Wechsel von Designer Adrian Newey von Red Bull zu Aston Martin brachte bislang keinen großen Leistungssprung. Es passt zu einer Karriere, in der Alonso oft als überragender Fahrer galt, aber nicht immer im richtigen Team zur richtigen Zeit saß – ob bei Ferrari, McLaren oder nach seiner Rückkehr zu Renault.
Auf die Frage, ob ein Sieg in Madrid nach seinen Erfolgen in Barcelona und Valencia ein besonderer Traum wäre, reagierte Alonso ehrlich. Natürlich wäre das schön, sagte er – fügte aber an, dass es in diesem Jahr wohl nicht passieren werde.
Seinen großen Moment in Madrid hatte er da allerdings schon gehabt: im Look eines Formel-1-James-Bond.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber