Mecklenburg-Vorpommern

Wegen Buckelwal? Meeresmuseum von Hass überrollt

Nach Wal „Timmy“ eskaliert der Hass: In Stralsund brauchen Meeresmuseum-Mitarbeiter jetzt sogar eine Auskunftssperre.

23.08.2026, 13:16 Uhr

Meeresmuseum meldet weiter Hass und Drohungen nach Fall um Buckelwal „Timmy“

Rund vier Monate nach der Bergung des vor der Ostseeküste gestrandeten Buckelwals „Timmy“ berichten Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Beschäftigte des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund weiterhin von massiven Anfeindungen. Nach Angaben einer Museumssprecherin hält der Druck seit Mitte März an. „Seit etwa Mitte März sind wir bis heute einem Shitstorm ausgesetzt“, sagte sie. Zahlreiche Beiträge hätten sich dabei gegen Fachleute und die einzelnen Häuser des Meeresmuseums gerichtet.

Massive Beschimpfungen seit Einschalten eines Influencers

Auslöser der Welle sei laut Museum gewesen, dass sich Mitte März ein reichweitenstarker Influencer in die Debatte um den Buckelwal eingeschaltet habe. Dieser habe Forschenden und Umweltorganisationen wiederholt die fachliche Kompetenz abgesprochen. Danach hätten Hasskommentare, Beschimpfungen und Drohungen über soziale Netzwerke, E-Mails und Telefonate begonnen und seien bis heute nicht abgeebbt.

Nach Angaben der Sprecherin reichten die Äußerungen von Forderungen, das Museum niederzubrennen, bis hin zu dem Wunsch, Beschäftigte sollten „in der Hölle stranden“. In einer Nachricht hieß es demnach sogar: „Ich reiße Sie öffentlich in Stücke – das ist keine Drohung, sondern ein Versprechen.“

Kritik eskalierte nach Empfehlung, den Wal nicht weiter zu belasten

Besonders heftig seien die Angriffe geworden, nachdem das Meeresmuseum zusammen mit anderen Fachleuten empfohlen hatte, das Tier nicht weiter zu stressen und in Ruhe sterben zu lassen. Danach hätten sich zahlreiche Gruppen formiert, die gezielt gegen die Beteiligten Stimmung machten.

Den Forschenden sei unter anderem vorsätzliche unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen worden. Zudem habe es Anschuldigungen gegeben, man habe den Wal absichtlich sterben lassen, um später sein Skelett in einem Museum auszustellen oder für mehrere Millionen Euro zu verkaufen.

Mitarbeitende beantragen Schutz ihrer persönlichen Daten

Nach Angaben des Museums beantragten alle Beschäftigten, die in Medien namentlich genannt worden waren, bei der Stadt eine Auskunftssperre. Damit sollte verhindert werden, dass persönliche Daten und Adressen an Privatpersonen oder Firmen weitergegeben werden.

Die Sprecherin erklärte, viele hätten Angst gehabt, auf offener Straße erkannt und angegriffen zu werden. Zeitweise sei deshalb auch die Teamseite auf der Internetseite des Museums ausgeblendet worden.

Zuvor hatte bereits Museumsdirektor Burkard Baschek von massiven persönlichen Angriffen gesprochen. Demnach seien teils auch Familienangehörige angeschrieben worden. Eine Polizeisprecherin erklärte der „Bild“-Zeitung, seit April seien mehrere Vorfälle im Zusammenhang mit dem Meeresmuseum bekannt geworden, bei denen unter anderem der Verdacht auf Beleidigung und Bedrohung geprüft werde.

Wal Mitte Mai tot vor der dänischen Insel Anholt entdeckt

Der häufig „Timmy“ genannte Buckelwal war im Frühjahr mehrfach an den Küsten von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gestrandet. Entgegen der Einschätzung von Fachleuten hatte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) Mitte April überraschend grünes Licht für den Transportversuch einer privaten Initiative gegeben, die den Wal retten wollte.

In einer spektakulären, aber umstrittenen Aktion wurde das Tier mit einer Art Lastkahn in Richtung Nordsee gebracht und dort freigelassen. Tierschutzorganisationen hatten schon im Vorfeld der Bergung erhebliche Bedenken geäußert. Mitte Mai wurde der Wal schließlich tot vor der dänischen Insel Anholt entdeckt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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