Ein gestrandeter Buckelwal, der vor Poel entdeckt wurde, wird nach einer möglichen Rückkehr in die Nordsee voraussichtlich nicht nach seiner Mutter oder Familie suchen. Fachleute halten das für biologisch sehr unwahrscheinlich.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus hatte zwar scherzhaft spekuliert, der Wal könne nach der Rückkehr Ärger mit seiner Mutter bekommen. Doch nach Einschätzung von Experten ist das nicht zu erwarten – auch dann nicht, wenn der vier bis sechs Jahre alte Bulle den Transport und die Freilassung längerfristig übersteht.
Nach Angaben des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund bilden Bartenwale anders als Zahnwale keine stabilen sozialen Gruppen, also keine festen Schulen. Jungtiere bleiben nur während der rund zwölf Monate dauernden Stillzeit bei ihrer Mutter, danach trennen sich ihre Wege.
Auch die Organisation WDC verweist darauf, dass Buckelwale meist allein unterwegs sind. Zwar kommen sie zeitweise mit Artgenossen zusammen – etwa bei der Jagd, zur Fortpflanzung oder zur Weitergabe gemeinsamer Verhaltensweisen. Insgesamt gelten sie aber eher als Einzelgänger.
Der Wal muss nun zunächst den tagelangen Transport um die Nordspitze Dänemarks durch das Skagerrak überstehen. Erst danach kann sich zeigen, ob er in der Nordsee wieder zurechtkommt.
Wie alt könnte der Wal werden?
Wenn das Tier Transport und Freilassung überlebt, könnte es noch viele Jahrzehnte vor sich haben. Laut WDC erreichen Buckelwale eine Lebenserwartung von etwa 80 Jahren.
Bei männlichen Tieren ist die Überlebenswahrscheinlichkeit Experten zufolge allerdings oft geringer. Ein Grund sind die teils aggressiven und stressreichen Konkurrenzkämpfe um Weibchen.
Große Gefahren für Wale
Wie viele andere Meeressäuger geraten auch Buckelwale immer wieder in Fischereinetze. Das kann dazu führen, dass sie ersticken, verhungern oder schwere Verletzungen erleiden.
Nach Schätzungen von WDC sterben weltweit jedes Jahr rund 300.000 Wale und Delfine als unbeabsichtigter Beifang. Ihr Leiden und Sterben bleibt in vielen Fällen nahezu unbemerkt.
Als größte Bedrohung für Buckelwale und andere Großwalarten gelten Fachleuten zufolge jedoch die Folgen der Klimakrise. Steigende Meerestemperaturen setzen den Tieren zunehmend zu. Hinzu kommt Müll im Meer: Wale und Delfine können oft nur schwer unterscheiden, was Nahrung ist und was Abfall.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion