Hessen

ICE rauscht an Fulda vorbei – GDL schlägt Alarm

Ein verpasster ICE-Halt zeigt ein Bahn-Problem: Warum Lokführer Stopps übersehen – und was die GDL jetzt ändern will.

19.10.2026, 14:30 Uhr

Der verpasste ICE-Halt in Fulda offenbart aus Sicht der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) eine Schwachstelle im Bahnsystem. Ein fahrplanmäßiger Stopp an einem Bahnhof sei technisch nicht in gleicher Weise abgesichert wie etwa das Anhalten vor einem roten Signal, sagte GDL-Chef Mario Reiß der Deutschen Presse-Agentur.

Reiß hält deshalb eine klare Erinnerung an den nächsten vorgesehenen Halt für sinnvoll – zum Beispiel durch optische oder akustische Hinweise. Gerade wenn auf derselben Strecke verschiedene Züge unterschiedliche Haltemuster haben, könne eine solche Unterstützung helfen. Sicherheitskritische Vorgänge seien im Eisenbahnsystem bereits weitgehend technisch abgesichert. Für den Fall, dass ein regulärer Halt übersehen wird, fehle bislang aber eine vergleichbare Rückfallebene.

GDL: Verpasste Halte sind eine Ausnahme

Nach Darstellung der GDL handelt es sich bei einem übersehenen Halt wie am Sonntag in Osthessen um einen Ausnahmefall. Ein Bahnsprecher verwies darauf, dass es im Fernverkehr täglich rund 10.000 Halte gebe. Reiß betonte zugleich, bei etwa 700 bis 800 täglichen Zugfahrten im Fernverkehr sei ein vergessener Bahnhofsstopp klar nicht die Regel. Es sei deshalb falsch, aus dem Vorfall in Fulda abzuleiten, Lokführer würden regelmäßig planmäßige Halte verpassen.

Nach Angaben der Deutschen Bahn hatte der Lokführer eines voll besetzten ICE 596 auf der Fahrt von Frankfurt am Main nach Berlin den Halt in Fulda versehentlich ausgelassen. Der Zug stoppte stattdessen in Hünfeld, rund 18 Kilometer entfernt. Alle Fahrgäste mit Ziel Fulda mussten dort aussteigen und mit einem Regionalzug zurückfahren.

Weil der ICE für den Bahnsteig in Hünfeld zu lang war, blieben die Türen der Wagen der 1. Klasse zunächst geschlossen. Inzwischen teilte die Bahn mit, dass auch diese Reisenden über die Türen der 2. Klasse aussteigen konnten. Wie viele Fahrgäste betroffen waren, nannte die DB nicht. Das Unternehmen entschuldigte sich für den Vorfall und stellte Entschädigungen nach den geltenden Fahrgastrechten in Aussicht.

Viele Abweichungen erhöhen das Fehlerrisiko

Reiß verwies zudem darauf, dass Züge auf derselben Strecke keineswegs immer dieselben Haltemuster hätten. Hinzu kämen Baustellenfahrpläne, Umleitungen, kurzfristige Änderungen und weitere Störungen im Betriebsablauf. Jede einzelne dieser Situationen sei grundsätzlich beherrschbar. Wenn jedoch mehrere Abweichungen zusammenkämen, steige die Arbeitsbelastung – und damit auch die Zahl möglicher Fehlerquellen.

Aus Sicht der GDL sollte Fahrerassistenz deshalb nicht nur auf energiesparendes Fahren und optimierte Fahrzeiten ausgerichtet sein. Solche Systeme müssten auch dort weiterentwickelt werden, wo sie Lokführer im zunehmend komplexen Betriebsalltag konkret entlasten können. Dazu könne auch eine eindeutige Erinnerung an bevorstehende planmäßige Halte gehören.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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