In der Himmelfahrtskirche im Münchner Stadtteil Sendling ist an diesem Mittag sofort klar: An der Orgel sitzt nicht der reguläre Kirchenmusiker. Statt Chorälen spielt Musikliebhaber Willi, eigentlich Wilhelm, Fischer bekannte Pop- und Rapstücke. Zu seinem Repertoire gehören Songs von K.I.Z., den Black Eyed Peas und Zara Larsson. Auf TikTok zählt die schwedische Sängerin zu seinen prominentesten Followern.
Besonders viel Aufmerksamkeit bekam der 27-Jährige mit seiner Orgel-Version des SXTN-Songs „Bongzimmer“. Allein auf Instagram sammelte der Clip mehr als vier Millionen Likes. Das Orgelspiel hat sich Fischer vor etwas mehr als einem Jahr selbst beigebracht. Hauptberuflich promoviert er an der Technischen Universität München im Bereich Baumechanik.
Schon als Kind lernte Fischer Klavier. Bei einer Einführungsstunde probierte er dann die Orgel aus und spielte Stücke, die er bereits vom Klavier kannte. Dabei merkte er schnell, wie anders die Songs auf dem Instrument klingen. Die Orgel habe ihn schon immer fasziniert, sagt Fischer – vor allem wegen ihres vollen, voluminösen Klangs, den andere Instrumente so nicht erreichen.
Ungewöhnliche Songs im Kirchenraum
Die Texte mancher Lieder, die Fischer interpretiert, wirken auf den ersten Blick nicht gerade kirchennah. Zeilen wie „das ganze Zimmer verraucht mit dem allerbesten Kraut“ haben mit klassischen Kirchenliedern wenig zu tun. Für Pfarrerin Stephanie Höhner von der evangelischen Gemeinde ist das jedoch kein grundsätzlicher Widerspruch. Sie verweist darauf, dass es in ihrer Kirche auch Gottesdienstformate ohne traditionelle Kirchenmusik gibt. Dort werde musikalisch ganz Unterschiedliches gespielt.
Klare Grenzen zieht Höhner aber bei rassistischen, antisemitischen und sexistischen Inhalten. Würden solche Stücke aus einer Kirche heraus veröffentlicht, fände sie das problematisch. Insgesamt seien die Reaktionen auf Fischers Social-Media-Auftritte in der Gemeinde aber über alle Altersgruppen hinweg positiv.
Auch im Gottesdienst denkbar
Grundsätzlich könnte sich Höhner sogar vorstellen, dass Fischer einmal einen Gottesdienst musikalisch begleitet. Wenn er dazu Lust habe, sei er willkommen, sagt sie. Ganz ohne klassische Kirchenlieder würde es dann allerdings nicht gehen: Zu einem Gottesdienst gehörten auch Lieder aus dem Gesangbuch.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion