Bayern

Bayern pokert weiter mit seiner Klimastrategie

Experten zerlegen den Bund – doch Bayern bleibt auf Kurs. Warum der Umweltminister trotzdem keinen Handlungsbedarf sieht.

20.05.2026, 04:00 Uhr

Trotz der scharfen Kritik von Fachleuten an der Klimapolitik des Bundes sieht Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) keinen zusätzlichen Handlungsbedarf im Freistaat. Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur erklärte er in München, Bayern sei mit mehr als 50 Einzelmaßnahmen und vier langfristig angelegten Strategien gut aufgestellt.

Glauber: Bayern beim Pro-Kopf-Ausstoß besser als der Bund

Nach Angaben des Ministers hat Bayern den Treibhausgasausstoß pro Einwohner seit 1990 bereits um 39 Prozent gesenkt. Damit liege der Freistaat nach seiner Darstellung klar vor dem Bundesdurchschnitt. Für 2024 bezifferte Glauber die Emissionen in Bayern auf etwa 6,1 Tonnen pro Kopf und Jahr. Deutschlandweit habe der Wert bei rund 7,8 Tonnen gelegen.

Expertenrat hält Klimakurs des Bundes für unzureichend

Ein wichtiges Beratungsgremium kommt jedoch zu dem Schluss, dass die bisherigen Klimaschutzbemühungen der Bundesregierung nicht ausreichen. In seinem aktuellen Gutachten erklärte der Expertenrat für Klimafragen, das von Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) vorgelegte Klimaschutzprogramm werde voraussichtlich deutlich weniger bewirken als von der Bundesregierung erwartet. Selbst bei vollständiger Umsetzung sei keines der Klimaziele für 2040 erreichbar.

Bereits Ende April hatte auch das bayerische Kabinett seine eigenen Klimaziele nach längerer Debatte abgeschwächt und sich zeitlich am Bund orientiert. Klimaneutralität soll demnach nun erst 2045 erreicht werden statt wie ursprünglich vorgesehen schon 2040.

Kabinettssitzung
2025 veröffentlichte Bayern letztmals einen Klimabericht. Wer seither wissen will, wie die Umsetzung des Klimaschutzes in Bayern läuft, muss sich gedulden. Eine versprochene digitale Lösung ist noch nicht umgesetzt. (Archivbild) Quelle: Peter Kneffel/dpa

Staatsregierung verweist auf eigenes Klimaschutzprogramm

Glauber betonte, das Ziel eines klimaneutralen Bayerns gelte weiterhin. Entscheidend seien konkrete Schritte. Das Klimaschutzprogramm des Landes sei die zentrale Grundlage der Staatsregierung auf dem Weg zur Klimaneutralität.

Aktuelle Datenlage zum Klimaschutz in Bayern bleibt unklar

Wie weit Bayern bei der Umsetzung seiner Klimapolitik tatsächlich ist, lässt sich von außen derzeit nur schwer beurteilen. Zuletzt veröffentlichte die Staatsregierung im Juli 2025 einen Klimabericht. Darin war bereits festgehalten, dass Bayern seine damals gültigen Klimaziele voraussichtlich verfehlen werde. Die Deutsche Umwelthilfe hat deshalb Klage gegen den Freistaat eingereicht und verlangt eine verbindliche Umsetzung der Vorgaben.

Künftig soll ein digitales Dashboard mehr Transparenz schaffen. Wann dieses System startet und wie detailliert die Informationen ausfallen werden, ist bislang jedoch offen.

Archivbild

2025 erschien in Bayern vorerst letztmals ein Klimabericht. Wer sich seither über den Stand der Klimaschutzmaßnahmen informieren will, muss weiter warten. Die angekündigte digitale Lösung steht noch aus. (Archivbild / Peter Kneffel/dpa)

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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