Trotz der scharfen Kritik von Fachleuten an der Klimapolitik des Bundes sieht Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) derzeit keinen zusätzlichen Handlungsbedarf im Freistaat. Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur sagte er in München, Bayern sei mit mehr als 50 Einzelmaßnahmen und vier zentralen Langfriststrategien gut aufgestellt.
Das bayerische Klimaschutzkonzept orientiert sich eng an den Vorgaben des Bundes. Ende April hatte das Kabinett nach langer Debatte die eigenen Ziele abgeschwächt und den Zeitplan des Bundes übernommen. Klimaneutralität soll damit nun erst 2045 erreicht werden – und nicht wie ursprünglich vorgesehen schon 2040.
Glauber: Bayern beim Pro-Kopf-Ausstoß unter dem Bundesschnitt
Nach Darstellung des Ministers hat Bayern die Treibhausgasemissionen pro Einwohner seit 1990 bereits um 39 Prozent gesenkt. Damit liege der Freistaat beim Pro-Kopf-Ausstoß klar unter dem Bundesdurchschnitt. Für 2024 bezifferte Glauber die Emissionen in Bayern auf rund 6,1 Tonnen je Einwohner und Jahr. Deutschlandweit habe der Wert bei etwa 7,8 Tonnen gelegen.
Expertenrat hält Klimakurs des Bundes für unzureichend
Ein wichtiges Beratungsgremium der Bundesregierung kommt jedoch zu einem deutlich kritischeren Urteil. Der Expertenrat für Klimafragen erklärte in seinem jüngsten Gutachten, das von Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) vorgelegte Klimaschutzprogramm werde voraussichtlich deutlich weniger bewirken als von der Bundesregierung angenommen. Selbst bei vollständiger Umsetzung werde keines der Klimaziele für das Jahr 2040 erreicht.
Glauber hält dennoch am bayerischen Kurs fest. Das Ziel eines klimaneutralen Bayerns gelte weiter, sagte er. Entscheidend seien konkrete Schritte. Das Klimaschutzprogramm des Landes sei die zentrale Agenda der Staatsregierung auf dem Weg zur Klimaneutralität.
SPD und Grüne werfen der Staatsregierung Schönrechnerei vor
Von der Opposition kam scharfe Kritik an Glaubers Darstellung. Der SPD-Politiker Florian von Brunn warf der Staatsregierung vor, bei den Klimazahlen zu tricksen. Die niedrigeren Pro-Kopf-Werte erklärten sich aus seiner Sicht auch dadurch, dass die Bevölkerung in Bayern stärker gewachsen sei als im Bund. Zudem habe Bayern seine Emissionen seit 1990 mit minus 39 Prozent deutlich weniger reduziert als Deutschland insgesamt mit rund 50 Prozent. Wie die Staatsregierung ihr Ziel von minus 65 Prozent bis 2030 erreichen wolle, sei völlig offen. Nötig seien eine schnellere Energiewende und wirksamere Klimaschutzmaßnahmen.
Auch der Grünen-Abgeordnete Martin Stümpfig kritisierte den Kurs der Staatsregierung. Beim Klimaschutz sei bislang zu wenig erreicht worden, gleichzeitig seien die Ziele deutlich abgeschwächt worden. Bis 2030 werde das Tempo stark reduziert, obwohl sich die Klimakrise weiter zuspitze. Ernsthafter Klimaschutz sehe anders aus.
Datenlage zum Stand des Klimaschutzes in Bayern bleibt unklar
Wie weit Bayern bei der Umsetzung seiner Klimapolitik tatsächlich ist, lässt sich von außen derzeit nur schwer beurteilen. Zuletzt veröffentlichte die Staatsregierung im Juli 2025 einen Klimabericht. Darin stand bereits, dass Bayern seine damals noch gültigen Klimaziele voraussichtlich verfehlen werde.
Die Deutsche Umwelthilfe hat deshalb Klage gegen den Freistaat eingereicht und fordert eine verbindliche Umsetzung der Vorgaben. Künftig soll ein digitales Dashboard mehr Transparenz schaffen. Wann dieses System startet und wie detailliert die Angaben ausfallen, ist bislang offen.
2025 veröffentlichte Bayern vorerst letztmals einen Klimabericht. Wer seither den Stand der Klimaschutzmaßnahmen im Freistaat nachverfolgen will, muss weiter auf die angekündigte digitale Lösung warten. (Archivbild / Peter Kneffel/dpa)
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