Bundestag soll weitere Planung für neue ICE-Strecke Ulm–Augsburg ermöglichen
Der Bundestag will an diesem Donnerstag über die nächsten Schritte für die geplante ICE-Neubaustrecke zwischen Ulm und Augsburg entscheiden. Sollte das Parlament zustimmen, wäre das ein wichtiger Etappenschritt für das milliardenschwere Vorhaben. Offen bleiben jedoch zunächst zentrale Punkte: Weder der genaue Bauzeitraum noch die endgültigen Kosten stehen bislang fest. Auch die Finanzierung ist laut Beschlussvorlage des Bundestags noch nicht gesichert.
Worum geht es bei dem Vorhaben?
Ziel des Projekts ist es, die beiden Städte deutlich schneller miteinander zu verbinden. Künftig sollen Fernzüge die Strecke von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof in nur noch 26 Minuten zurücklegen. Derzeit benötigen ICE-Züge dafür ungefähr 45 Minuten.
Dafür soll die Verbindung so ausgebaut werden, dass Geschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometern möglich sind. Zudem soll der Fernverkehr stärker vom Regionalverkehr getrennt werden. Bislang teilen sich ICE und Nahverkehrszüge dieselbe stark belastete Strecke.
Die Deutsche Bahn plant deshalb überwiegend einen Neubau der künftigen Fernverkehrstrasse, die sich weitgehend an der Autobahn 8 zwischen München und Stuttgart orientieren soll. Einige Fernzüge sollen jedoch weiterhin über die bestehende Strecke fahren und dabei auch in Günzburg halten.
Dass Günzburg weiterhin ICE-Halt bleibt, gehörte zu den Vorgaben der bisherigen Planung. Die Stadt ist unter anderem wegen des Legoland-Parks ein wichtiges Reiseziel. ICE-Züge mit Zwischenstopp in Günzburg würden zwischen Augsburg und Ulm künftig rund 40 Minuten benötigen und damit nur geringfügig schneller sein als heute.

Wie hoch könnten die Kosten ausfallen?
Nach der bisherigen Vorplanung rechnet die Bahn mit Baukosten von knapp 8,2 Milliarden Euro. Diese Kalkulation enthält bereits Risikoaufschläge, basiert jedoch auf Preisstand 2022.
Die Infrastrukturtochter DB InfraGo hat zusätzlich eine weitergehende Kostenschätzung erstellt, um mögliche Preissteigerungen im weiteren Projektverlauf einzubeziehen. In der Bundestagsvorlage wird diese Prognose mit 13,3 Milliarden Euro angegeben.
Trotz der ohnehin hohen Summe sollen verschiedene zusätzliche Wünsche aus der Region nicht berücksichtigt werden. Dazu zählen etwa weitere Haltepunkte oder zusätzliche Tunnel, die zum Beispiel dem Lärmschutz dienen sollten. Nach Angaben der Bundesregierung hätten diese Ergänzungen mehr als 8 Milliarden Euro extra gekostet. Dadurch würde sich das Nutzen-Kosten-Verhältnis so stark verschlechtern, dass das Gesamtprojekt womöglich nicht mehr realisierbar wäre. Zudem betreffen manche Forderungen eher den regionalen Bahnverkehr, für den in Bayern vor allem der Freistaat zuständig ist und nicht der Bund.
Warum ist die Strecke so wichtig?
Nach Einschätzung der Deutschen Bahn zählt die Verbindung zwischen Ulm und Augsburg zu den am stärksten genutzten Bahnstrecken in Süddeutschland. Sie ist nicht nur ein wichtiger Abschnitt auf der Achse Stuttgart–München, sondern auch Teil einer europäischen Magistrale von Paris über Wien bis nach Budapest.
Die bestehende Strecke ist rund 85 Kilometer lang und geht in ihrem Kern noch auf die Frühzeit der Eisenbahn zurück. Sie ist etwa 170 Jahre alt. An einem großangelegten Ausbau der Verbindung wird bereits seit Jahrzehnten gearbeitet. Seit 2019 untersucht die Bahn verschiedene Varianten, um die wirtschaftlich und verkehrlich beste Lösung zu finden. Ein bloßer Ausbau der vorhandenen Trasse hätte die angestrebten Reisezeiten nicht ermöglicht, weshalb nun ein weitgehender Neubau vorgesehen ist.
Was genau soll der Bundestag beschließen?
Den Abgeordneten liegt ein mehr als 330 Seiten umfassendes Papier vor. Darin sind die bisherigen Planungen zusammengefasst, ebenso die Gründe, warum bestimmte zusätzliche Forderungen nicht übernommen wurden.
Der Bundestag soll im Kern entscheiden, ob die weiteren Planungen für die von der Bahn bevorzugte Variante freigegeben werden. Mit einem positiven Votum könnte anschließend die detaillierte Ausarbeitung des Projekts starten.
Wann könnte die Strecke fertig sein?
Selbst bei einer Zustimmung aus Berlin wird es noch viele Jahre dauern, bis Züge tatsächlich über die neue Trasse fahren. Ein wesentlicher Grund dafür ist die weiter offene Finanzierung. Das Bundesverkehrsministerium sieht in den kommenden Jahren erhebliche Finanzierungslücken beim Ausbau des Schienennetzes.
Unabhängig vom Neubau will die Deutsche Bahn auch die historische Bestandsstrecke sanieren, die weiterhin eine wichtige Rolle für den Regionalverkehr spielen soll. Diese Arbeiten sind Teil der bundesweiten Generalsanierung stark genutzter Bahnabschnitte. Ursprünglich war die Modernisierung der Strecke Augsburg–Ulm für 2030 vorgesehen, inzwischen wurde sie auf 2034 verschoben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion