Bayern

Hunderte Fake-Impfungen – warum der Prozess stockt

300 Fake-Impfungen, Arzt nach Südamerika abgetaucht: Warum der Prozess in Augsburg bis heute nicht starten kann

12.08.2026, 04:45 Uhr

Verfahren um mutmaßlich gefälschte Corona-Impfungen weiter ohne Ende

Fünf Jahre nach den Vorwürfen gegen einen Hausarzt aus Schwaben ist weiterhin offen, ob der Fall jemals vor Gericht abschließend geklärt werden kann. Der heute 76-jährige Mediziner hat sich der deutschen Justiz entzogen und ist nach Südamerika geflohen. Zwar wurde er von Ermittlern in Paraguay aufgespürt, doch das dort laufende Auslieferungsverfahren kommt seit mehr als einem Jahr nicht zum Abschluss.

Wie eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg mitteilte, gibt es derzeit keinen neuen Stand. Deshalb kann auch der geplante Prozess vor dem Landgericht Augsburg nach wie vor nicht beginnen. Ob es überhaupt noch zu einer Hauptverhandlung kommt, sei derzeit nicht vorherzusagen. Die Behörde in Nürnberg ist zugleich die bayerische Zentralstelle zur Verfolgung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen.

Anklage spricht von Hunderten manipulierten Impfungen

Nach Darstellung der Ermittler soll der Arzt im Jahr 2021 in seiner Praxis in Wemding im Landkreis Donau-Ries zahlreiche Corona-Impfungen nur vorgetäuscht haben. Konkret geht es demnach um 176 Menschen, die eine Impfung wollten, jedoch angeblich lediglich Scheininjektionen erhielten. Der Impfstoff soll entsorgt worden sein, während den Patienten nur leere Spritzen ins Gesäß gesetzt worden seien. Insgesamt gehen die Ermittler von 314 manipulierten Erst- und Zweitimpfungen aus.

Dem Mann werden Betrug sowie Körperverletzungsdelikte zur Last gelegt. Der Prozess sollte bereits im Juni 2023 vor dem Landgericht Augsburg starten. Der Angeklagte erschien jedoch nicht zum Termin. Daraufhin wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen und international nach ihm gesucht.

Hausarzt kommt nicht zu Prozess wegen Corona-Scheinimpfungen
Im Juni 2023 sollte der Prozess gegen den Allgemeinarzt beginnen. Doch der Angeklagte kam nicht zum Verfahren und ließ die Richter (links) sowie seine beiden Verteidiger (rechts) vergeblich warten. (Archivbild) Quelle: Stefan Puchner/dpa

Außerdem soll der Allgemeinmediziner in impfkritischen Kreisen als Adresse gegolten haben, um Impfnachweise ohne tatsächliche Impfung zu bekommen. Laut Anklage soll er in mindestens 49 Fällen Impfungen bestätigt haben, die nie stattgefunden hatten. In diesem Umfeld sei dafür der Begriff „Schonimpfung“ verwendet worden.

Auch Patienten standen vor Gericht

Im Zusammenhang mit den mutmaßlichen Impfmanipulationen mussten sich auch zahlreiche Patienten strafrechtlich verantworten. Am Amtsgericht Nördlingen gab es dazu mehrere Verfahren. Nach früheren Angaben des Gerichts waren schon vor dem geplanten Augsburger Hauptprozess rund 80 Strafverfahren mit etwa 100 Angeklagten anhängig. In den meisten Fällen endeten diese nach Gerichtsangaben mit Geldstrafen für die betroffenen Patienten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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