Bayern

Hof-Protest: Felßner nennt sie «Terroristen»

„Überfall auf meine Familie“: Bayerns Bauernpräsident erhebt schwere Vorwürfe – und enthüllt dramatische Folgen der Protestaktion

17.06.2026, 12:21 Uhr

Bayerns Bauernpräsident Günther Felßner hat die Protestaktion auf seinem Hof vor Gericht erneut scharf verurteilt und die beteiligten Aktivistinnen und Aktivisten als „Terroristen“ bezeichnet. Der CSU-Politiker sagte im Prozess, aus seiner Sicht habe es sich um einen terroristischen Akt gehandelt. Die Beteiligten seien bereit gewesen, Gewalt anzuwenden und Gesetze zu brechen, um ihr Ziel zu erreichen. Seine Familie habe den Vorfall wie einen Überfall erlebt.

Urteil im Prozess in Nürnberg

Wegen der Protestaktion auf Felßners Hof müssen fünf Angeklagte nun Geldstrafen wegen Hausfriedensbruchs zahlen. Das Amtsgericht Hersbruck verurteilte sie zu Strafen zwischen 1.200 und 2.000 Euro. Ein Beschuldigter wurde freigesprochen.

Gegen eine siebte Angeklagte wurde das Verfahren kurz vor Prozessende abgetrennt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Aus Platzgründen war die Verhandlung in das Nürnberger Justizgebäude verlegt worden.

Nach Feststellung des Richters hatten die Aktivisten im März 2025 auf dem Hof in Lauf an der Pegnitz mit Pyrotechnik, Bannern und Plakaten protestiert. Anlass waren die mögliche Ernennung Felßners zum Bundesagrarminister sowie Kritik an der Tierhaltung.

Widerspruch bei der Bewertung der Aktion

Während Felßner von einem gezielten Angriff auf seine Familie sprach, zeichnete ein Ermittler der Kriminalpolizei vor Gericht ein anderes Bild. Auf Nachfrage des Richters sagte er, er habe keine Gewaltbereitschaft bei den Aktivisten festgestellt. Nach seinem Eindruck sei es ihnen vor allem um Aufmerksamkeit und Medienwirksamkeit gegangen. Ihm sei nicht bekannt, dass Gewalt angedroht worden sei – weder verbal noch körperlich.

Auch die Angeklagten selbst betonten im Prozess, es habe sich um einen friedlichen Protest gehandelt. Niemand habe erschreckt oder verängstigt werden sollen.

„Das Leben ist nicht mehr das Gleiche“

Für die Familie Felßner hatte der Protest nach Angaben des Bauernpräsidenten weitreichende Folgen. Kurz nach dem Vorfall zog der 59-Jährige seine Kandidatur für das Amt des Bundesagrarministers zurück.

Vor Gericht sagte Felßner, die Aktion habe sich direkt gegen ihn und seine Familie gerichtet. Seitdem sei das Leben für sie nicht mehr wie zuvor. Auch seine Frau leide bis heute gesundheitlich unter den Folgen.

Doris Felßner schilderte, dass sie das Geschehen weiterhin stark belaste. Besonders bei der Arbeit im Rinderstall habe sie noch immer Angst. Während des Vorfalls sei sie so in Panik geraten, dass sie der Polizei am Telefon zunächst nicht richtig habe erklären können, was gerade passiere. Deshalb sei sie anfangs offenbar nicht ernst genommen worden.

Hintergrund: Ermittlungen und Vorwürfe zur Tierhaltung

Nach der Protestaktion war bekanntgeworden, dass das Veterinäramt bei einer Kontrolle auf Felßners Hof Mängel in der Tierhaltung festgestellt hatte, unter anderem bei Einstreu und Entmistung. Die Tierrechtsorganisation Peta hatte Anzeige erstattet, nachdem sie anonymes Videomaterial aus dem Stall erhalten hatte. Die Staatsanwaltschaft stellte ihre Ermittlungen später jedoch ein.

Felßner erklärte damals, die Mängel umgehend behoben zu haben. Vor Gericht sagte er nun, Bretter zwischen Kälberboxen seien auf Vorschlag der Behörde durch Metallrohre ersetzt worden. Die Kälber, die auf Aufnahmen in schlechtem Zustand zu sehen gewesen seien, hätten aus einem anderen Betrieb mit mangelhafter Tierhaltung gestammt. Er habe sie aufgenommen, um sie wieder aufzupäppeln.

Insgesamt 13 Beschuldigte

Im Zusammenhang mit der Protestaktion waren insgesamt Strafbefehle gegen 13 Beschuldigte erlassen worden. Das nun gesprochene Urteil betrifft den zuletzt in Nürnberg verhandelten Teil des Verfahrens.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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