AfD-Politiker in Tittmoning nicht mehr Kulturreferent
Der Stadtrat von Tittmoning im oberbayerischen Landkreis Traunstein hat die Ernennung eines AfD-Kommunalpolitikers zum Kulturreferenten wieder rückgängig gemacht. Nach Angaben der Stadt ist es zwar normalerweise unüblich, ein bereits vergebenes Referat wieder zu entziehen. Wegen der zugespitzten Lage rund um das Kulturressort habe der Stadtrat seine Entscheidung vom 12. Mai jedoch noch einmal überprüft.
Deutlicher Widerstand aus der Kulturszene
Im Mai war AfD-Stadtrat Sebastian Gruttauer zum Kulturreferenten berufen worden. Dagegen regte sich in der Region heftiger Protest. Kritik kam von zahlreichen Kulturschaffenden, unter ihnen auch der Kabarettist und Musiker Hans Well, früher Mitglied der "Biermöslblosn".
Wie die Stadt mitteilte, hätten Gruttauers öffentliche Äußerungen das Bild Tittmonings in der Öffentlichkeit belastet und das vielfältige kulturelle Leben vor Ort in Gefahr gebracht. Das Referat für "Kultur, Brauchtum und Tradition" wurde deshalb mit großer Mehrheit neu vergeben. Nur die beiden AfD-Stimmen sprachen sich dagegen aus. Künftig übernimmt Bürgermeister Andreas Bratzdrum (CSU) diese Aufgabe.
Kritik an früheren Aussagen
Der 32-jährige Gruttauer, der öffentlich oft in Tracht und mit langem Vollbart auftritt, war in der Vergangenheit mit weit rechts stehenden politischen Positionen aufgefallen. In sozialen Netzwerken äußerte er unter anderem, die Deutschen würden im eigenen Land zunehmend zur Minderheit. Zudem forderte er "Remigration". Zuwanderer, so Gruttauer, träfen in Deutschland auf bereits bestehende Parallelgesellschaften und blieben daher unter sich; Integration finde aus seiner Sicht kaum noch statt.
Bürgermeister warnt vor Imageschaden
Tittmoning mit rund 5.000 Einwohnern liegt im äußersten Osten Bayerns an der Grenze zum oberösterreichischen Bezirk Braunau. In ihrer Mitteilung betonte die Stadt, Tittmoning stehe als Grenzstadt traditionell für Offenheit und den Austausch über Ländergrenzen hinweg. Vor diesem Hintergrund habe sich die klare Mehrheit des Stadtrats für eine Neubesetzung entschieden.
Bürgermeister Bratzdrum erklärte, Gruttauers Äußerungen – vor allem in sozialen Medien – stünden im Widerspruch zum Selbstverständnis der meisten Menschen in Tittmoning. Zudem hätten sie dem Ruf der Stadt in Bayern und bundesweit in den vergangenen Wochen spürbar geschadet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion