Widerstand gegen AfD-Kulturreferenten in Tittmoning
Die Ernennung eines AfD-Stadtrats zum Kulturreferenten der oberbayerischen Stadt Tittmoning im Landkreis Traunstein stößt auf deutliche Kritik. Rund 60 Kulturschaffende, darunter auch der Kabarettist und Musiker Hans Well von der früheren „Biermöslblosn“, haben sich in einem Schreiben an die Mitglieder des Stadtrats gewandt und ihre Bedenken geäußert.
In dem Brief, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und über den zunächst die „Passauer Neue Presse“ berichtete, betonen die Unterzeichner die politische Bedeutung von Kultur. Kultur sei kein neutraler Bereich, sondern präge das Zusammenleben, gesellschaftliche Werte sowie Vorstellungen von Offenheit, Vielfalt und Demokratie.
Zweifel an der Eignung
Die Verfasser des Schreibens machen deutlich, dass sich Kultur nicht auf Brauchtum wie Maibaumaufstellen oder Entenrennen reduzieren lasse, auch wenn solche Traditionen identitätsstiftend seien. Gerade deshalb erscheine es aus ihrer Sicht fraglich, ob ein Vertreter einer Partei, die immer wieder durch ausgrenzende und demokratiekritische Positionen auffalle, glaubwürdig für diese Werte eintreten könne.
Nach Angaben der Initiatoren handelt es sich bei Sebastian Gruttauer um den ersten kommunalen Kulturreferenten der AfD in Bayern.
Der 32-Jährige, der sich öffentlich häufig in Tracht und mit langem Vollbart präsentiert, ist in sozialen Netzwerken bereits mit weit rechts stehenden politischen Aussagen aufgefallen. In einem Instagram-Beitrag erklärte er etwa, die Deutschen würden im eigenen Land zunehmend zur Minderheit. Zudem forderte er „Remigration“. Über Zuwanderer schrieb er, diese träfen in Deutschland auf bestehende Parallelgesellschaften und blieben deshalb unter sich; Integration finde seiner Ansicht nach kaum noch statt.
AfD mit drei Sitzen im Stadtrat vertreten
Seit der Kommunalwahl im März verfügt die AfD in dem rund 5.000 Einwohner zählenden Ort an der Grenze zum oberösterreichischen Bezirk Braunau über drei von insgesamt 20 Sitzen im Stadtrat. In Tittmoning ist es üblich, dass jedes Ratsmitglied ein bestimmtes Fachreferat übernimmt.
Gruttauer schilderte auf Instagram, es habe im Vorfeld eine Absprache gegeben, nach der ihm das Kulturreferat zufallen sollte. Später habe es nach seiner Darstellung einen alternativen Vorschlag aus dem Stadtrat gegeben, der jedoch keine Mehrheit gefunden habe. Auf eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur für eine direkte Stellungnahme reagierte er zunächst nicht.
Wie der „Münchner Merkur“ berichtet, wird inzwischen darüber nachgedacht, die Entscheidung rückgängig zu machen und Gruttauer stattdessen ein anderes Referat zu übertragen. Bürgermeister Andreas Bratzdrum von der CSU war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion