Sachverständiger: Vorfall mit beschädigtem Boeing-Fenster wohl Ausnahme
Der Zwischenfall an Bord einer Ryanair-Boeing mit einem geborstenen Fenster ist nach Einschätzung eines Luftfahrtexperten kein alltägliches Ereignis. Der emeritierte Professor für Luftfahrtelektronik, Harald Hanke, sagte der Deutschen Presse-Agentur, ein solcher Fall komme normalerweise nur äußerst selten vor. Zugleich betonte er, dass die zuständigen Behörden den Vorfall in Thessaloniki genau untersuchen müssten.
Nach Angaben von Zeugen soll während des Flugs ein Fenster der Boeing 737 herausgerissen worden sein. Demnach sei ein Passagier, der direkt daneben saß, mit Kopf und Schultern in die Öffnung gezogen worden. Andere Fluggäste hätten ihn nur mit großer Mühe festhalten können.
Ursache ist der starke Druckunterschied
Hanke, selbst früher Pilot, erklärte den Vorgang mit dem erheblichen Druckgefälle zwischen Kabine und Außenluft. In Reiseflughöhe werde in der Kabine ein Luftdruck aufrechterhalten, der für Menschen verträglich sei und deutlich über dem Druck außerhalb des Flugzeugs liege. Entstehe dort plötzlich eine größere Öffnung, gleiche sich der Druck innerhalb kürzester Zeit an, sagte Hanke. Dadurch könnten Gegenstände oder auch nicht angeschnallte Passagiere nach außen gerissen werden. Je größer die Öffnung, desto schneller verlaufe dieser Ausgleich.
Mit dem plötzlichen Druckverlust gehe in der Regel auch das automatische Herabfallen der Sauerstoffmasken einher. Laut Zeugenberichten sei auch das in diesem Fall passiert. Die Maschine kehrte daraufhin in die nordgriechische Metropole Thessaloniki zurück. Die Reisenden wurden später mit einem Ersatzflugzeug nach Memmingen weitergebracht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber