Neues Auswahlverfahren für den Deutschen Verlagspreis
Nach den Kontroversen um den Deutschen Buchhandlungspreis hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer auch die Vergabe des Deutschen Verlagspreises neu geordnet. Wie seine Behörde mitteilte, trifft der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) die endgültige Auswahl der ausgezeichneten Verlage künftig auf Grundlage der Empfehlungen einer Jury.
Neu ist dabei ein beratendes Gremium mit Fachleuten des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und der Kurt-Wolff-Stiftung. An dieses Gremium können sich sowohl die Jury als auch Weimer wenden. Es soll helfen, mögliche Streitfälle oder Zweifelsfragen bereits im Auswahlprozess zu klären.
Ein Sprecher Weimers erklärte zudem, dass der Kulturstaatsminister der Empfehlung der Jury grundsätzlich folgen wolle. Nur in Ausnahmefällen könne er ein Veto einlegen, etwa wenn verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse zu Nominierten vorlägen.
Mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit
Zum Start der Bewerbungsphase erklärte die Behörde, das weiterentwickelte Verfahren solle eine transparente und sorgfältige Bewertung möglicher Fragen im Auswahlprozess sicherstellen und den verantwortungsvollen Austausch zwischen den beteiligten Partnern stärken. Der Börsenverein begrüßte die Neuregelung und sprach von mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit. So könne der wichtige Branchenpreis fortgeführt werden.
Die Verleihung ist für den 9. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse geplant.
Bereits im Frühjahr hatte Weimer in die Vergabe des Buchhandlungspreises eingegriffen: Drei von einer Jury ausgewählte Buchhandlungen wurden wegen angeblich „verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse“ von der Liste der Preisträger gestrichen. Dieser Schritt stieß ebenso auf Kritik wie die Überprüfung der Nominierten durch den Verfassungsschutz. Welche konkreten Vorwürfe gegen die Buchläden im Raum standen, wurde nicht öffentlich gemacht.
Verlagspreis für Dutzende unabhängige Häuser
Mit dem Deutschen Verlagspreis werden kleinere, unabhängige Verlage mit besonders bemerkenswerten Programmen geehrt. Drei herausragende Verlage erhalten ein Gütesiegel, das mit jeweils 50.000 Euro dotiert ist. Zusätzlich können bis zu 79 weitere Häuser mit jeweils 18.000 Euro ausgezeichnet werden. Für einen Nachhaltigkeitspreis und einen Innovationspreis sind jeweils 24.000 Euro vorgesehen. Insgesamt stehen laut Mitteilung Preisgelder in Millionenhöhe bereit.
In den Ausschreibungsbedingungen heißt es, dass Verlage ausgeschlossen sind, wenn ihr Programm Bücher mit jugendgefährdenden, gewaltverherrlichenden, verfassungsfeindlichen – insbesondere antisemitischen, rassistischen oder sonstigen gruppenbezogen menschenverachtenden – oder strafbaren Inhalten umfasst.
Nach Angaben eines Sprechers von Weimer bleibt es auch diesmal denkbar, Nominierte im absoluten Ausnahmefall im Rahmen des sogenannten Haber-Verfahrens durch den Verfassungsschutz prüfen zu lassen. Ziel des neuen Beratungsgremiums sei jedoch, solche Fälle möglichst vorab zu klären.
Außerdem halten die Teilnahmebedingungen fest, dass der Sachverhalt auf Grundlage der vorliegenden Informationen, möglicher Stellungnahmen sowie der Empfehlung der Beratungsgruppe bewertet wird. Die abschließende Entscheidung über das weitere Vorgehen liegt demnach beim BKM.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber