Japans Kaiserhaus steht vor einem akuten Nachfolgeproblem. Nach derzeitiger Regelung können nur männliche Nachkommen aus der väterlichen Linie des Kaisers den Thron erben. Die Regierung von Ministerpräsidentin Sanae Takaichi will das Kaiserhausgesetz deshalb ändern, damit Männer aus früheren Nebenlinien des Kaiserhauses wieder aufgenommen werden können. Diese Familienzweige hatten ihren Status nach dem Zweiten Weltkrieg verloren und gelten seither als Privatpersonen. Kritiker sehen darin jedoch vor allem eines: Auch unter Japans erster Regierungschefin blieben Frauen weiterhin von der Thronfolge ausgeschlossen.
Erste große Reform des Kaiserhausgesetzes seit 1947
Das Unterhaus hat einen entsprechenden Gesetzentwurf bereits gebilligt, nun muss noch das Oberhaus zustimmen. Die Regierung strebt an, die Reform noch vor dem Ende der laufenden Parlamentssitzung am 17. Juli zu verabschieden. Es wäre die erste tiefgreifende Änderung des Kaiserhausgesetzes seit dessen Inkrafttreten im Jahr 1947.
Der Entwurf enthält zudem eine weitere Neuerung: Weibliche Mitglieder des Kaiserhauses sollen ihren Status auch dann behalten dürfen, wenn sie einen Bürgerlichen heiraten. Für ihre Ehemänner und Kinder würde dies allerdings nicht gelten — sie würden nicht Teil der Kaiserfamilie.
In der derzeitigen Reihenfolge der Thronfolge gibt es nach Kaiser Naruhito nur noch drei männliche Angehörige: seinen Bruder Kronprinz Akishino, dessen Sohn Prinz Hisahito sowie Naruhitos Onkel Prinz Hitachi, der bereits 90 Jahre alt ist. Naruhitos Tochter, Prinzessin Aiko, hätte auch nach der Reform keine Aussicht auf den Thron.
Dabei ist die öffentliche Meinung deutlich weiter: In einer aktuellen Umfrage der Nachrichtenagentur Kyodo befürworteten 83 Prozent der Befragten, dass künftig auch eine Frau Japans Monarchin werden könnte.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber