Schwere Waldbrandkatastrophe in Andalusien: Mindestens elf Tote, weitere Menschen vermisst
Ein schwerer Waldbrand im Süden Spaniens hat sich nahe der Mittelmeerküste zu einer Tragödie entwickelt. Nach Angaben der andalusischen Regionalregierung kamen im Bereich der Gemeinden Los Gallardos und Bédar mindestens elf Menschen ums Leben. Da zudem 19 Personen vermisst werden, ist die tatsächliche Zahl der Opfer bislang unklar. Der spanische Sender RTVE bezeichnete das Unglück als den tödlichsten Waldbrand des 21. Jahrhunderts in Spanien.
Den Behörden zufolge starben vier Menschen in einem Auto, sieben weitere wurden auf Straßen von den Flammen eingeschlossen. Offenbar versuchten alle, sich vor dem Feuer in Sicherheit zu bringen, wählten dabei jedoch einen Fluchtweg, der sie direkt in die Gefahrenzone führte.
Regionalminister Antonio Sanz erklärte, erste Hinweise deuteten darauf hin, dass sich unter den Toten auch Ausländer befinden könnten, möglicherweise aus Großbritannien oder Belgien. Eine eindeutige Bestätigung könne es aber erst nach der Identifizierung geben. Als möglicher Auslöser des Feuers gilt derzeit der Einsturz einer Stromleitung.
Augenzeugen berichten von Horror und Panik
Fernsehaufnahmen von RTVE und anderen Medien zeigen chaotische Szenen. Darauf sind verzweifelte Rufe wie „Was für ein Horror!“, „Das Feuer ist ganz in der Nähe!“ oder „Häuser brennen!“ zu hören. Der Bürgermeister der betroffenen Ortschaft Antas, Pedro Ridao, sprach von einer Nacht des Schreckens. Bewohner beschrieben die Lage im Fernsehen als „Inferno“ und „Alptraum“.

Der bislang folgenschwerste Waldbrand in Spanien ereignete sich 1984 auf La Gomera mit 20 Toten. Im Jahr 2005 starben bei einem Feuer in Guadalajara nördlich von Madrid elf Feuerwehrleute.
Neben den Todesopfern wurden nach einer ersten Bilanz acht Verletzte registriert, darunter vier Schwerverletzte. Sanz sprach von einer beispiellosen Tragödie und dem Waldbrand mit den bisher schlimmsten Folgen in Andalusien. Wörtlich sagte er, der Schmerz sei unermesslich und ganz Andalusien trauere mit Almería und den Betroffenen.
Anteilnahme aus Madrid und vom Königshaus
Auch Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez äußerte auf X seine tiefe Trauer und Bestürzung über die Folgen des Feuers. Das Königshaus um Felipe VI. bekundete ebenfalls sein Mitgefühl und sprach den Familien der Opfer sowie allen Betroffenen Beileid aus.
Mehr als 1.000 Menschen aus mehreren Orten mussten ihre Häuser verlassen. Sie wurden unter anderem in Notunterkünfte in Nachbarorten wie Mojácar gebracht. Auch ein Campingplatz, der zunächst nicht direkt betroffen war, wurde vorsorglich geräumt. Rund 400 Menschen, viele davon älter, kamen in Sicherheit. Nach Angaben von Sanz konnten durch diese Evakuierungen zahlreiche Leben gerettet werden.
Feuer breitete sich rasch aus
Ausgebrochen war der Brand am Donnerstagabend in Los Gallardos, einer Gemeinde mit rund 3.000 Einwohnern im Hinterland nordöstlich von Almería. Bis Freitagvormittag hatten die Flammen laut Behörden bereits mehr als 3.000 Hektar erfasst. Fernsehbilder ließen das Ausmaß der Katastrophe erahnen: Über der hügeligen und bewaldeten Landschaft waren breite Fronten orangefarbener Flammen zu sehen. Mehrere Straßen wurden gesperrt.
Die Gegend zählt zwar nicht zu den bekanntesten Urlaubszielen Spaniens, ist aber im Sommer dennoch beliebt. Vor allem Strände wie die Playa de Mojácar ziehen neben vielen Spaniern auch zahlreiche Gäste aus Großbritannien, Belgien und Frankreich an.
Hunderte Einsatzkräfte im Kampf gegen die Flammen
Zunächst versuchten etwa 150 Feuerwehrleute während der Nacht bei starkem Wind, das Feuer einzudämmen. Am Freitag wurde die Zahl der Einsatzkräfte auf mehr als 460 erhöht. Dazu kommen elf Löschflugzeuge und Hubschrauber. Sanz erklärte, die Teams kämpften mit aller Kraft gegen einen äußerst komplexen Brand, der sich sehr schnell ausbreite.
Kritik an fehlender Vorsorge
Nicht nur Spanien, auch Portugal und andere europäische Länder leiden seit Wochen unter zahlreichen Waldbränden. In Italien brannte am Freitag ein großes Gebiet von mehr als 600 Hektar in der Region Piemont am Rand des Nationalparks Val Grande. In Colloro mussten etwa 150 Menschen ihre Häuser verlassen.
Nach Daten des europäischen Waldbrand-Informationssystems EFFIS wurden seit Jahresbeginn allein in Spanien bereits mehr als 57.000 Hektar Land zerstört.
Fachleute kritisierten erneut unzureichende Präventionsmaßnahmen. Mehrere Forstexperten und erfahrene Brandbekämpfer erklärten gegenüber RTVE, solche Tragödien seien zumindest teilweise vermeidbar. Siedlungen könnten mit vergleichsweise überschaubarem Aufwand besser geschützt werden.
Der Waldbrandbekämpfer Román García sprach von einem „ewigen Déjà-vu“. Jedes Jahr werde mehr Vorsorge gefordert, ohne dass genug geschehe. Experten verweisen zudem auf den Klimawandel: Anhaltende Trockenheit und fehlende Feuchtigkeit machten Wälder und Buschland immer leichter entflammbar und förderten die schnelle Ausbreitung solcher Feuer.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber