Iran

Darum eskaliert der Jemen wieder

Jahrelang war es im Jemen vergleichsweise ruhig – jetzt eskaliert die Gewalt erneut. Wird das Land zur nächsten Front im Iran-Krieg?

11.08.2026, 12:50 Uhr

Neue Eskalation im Jemen: Hintergründe zum Konflikt

Im Nahen Osten könnte sich neben den bestehenden Kriegen ein weiterer Krisenherd verschärfen. Im Jemen, einem der ärmsten Länder der arabischen Welt, nehmen Angriffe wieder zu. Vor dem Hintergrund des Kriegs mit iranischem Bezug hat sich auch die Lage dort deutlich zugespitzt.

Wer steht sich im Jemen gegenüber?

Seit Jahren kämpft die international anerkannte Regierung des Jemen gemeinsam mit Saudi-Arabien gegen die Huthi-Miliz, die vom Iran unterstützt wird. Die Huthi hatten 2014 große Teile des Landes eingenommen und damit den Bürgerkrieg ausgelöst. Bis heute beherrschen sie vor allem den Norden sowie weite Abschnitte der Westküste am Roten Meer. Dort setzt die Gruppe, die sich selbst „Ansar Allah“ nennt, ihre Herrschaft mit Gewalt durch.

Die von Saudi-Arabien geführte Militärallianz verfolgte das Ziel, die Regierung in Sanaa zu stützen und zugleich den Einfluss der Huthi und damit auch den Einfluss Teherans zurückzudrängen. Zwar trat 2022 eine Waffenruhe in Kraft, doch kleinere Kämpfe rissen nie ganz ab. Infolge des Kriegs starben nach Schätzungen durch direkte militärische Gewalt mehr als 150.000 Menschen. Die jüngsten Angriffe gelten als schwerste Eskalation seit Jahren.

Was löste die neuen Angriffe aus?

Auslöser der aktuellen Zuspitzung waren Luftangriffe im Juli auf die von den Huthi kontrollierte Hauptstadt Sanaa. Die international anerkannte Regierung erklärte, sie habe damit die Landung eines iranischen Flugzeugs verhindern wollen.

Nahostkonflikt - Jemen
Für die Huthi bestimmte Waffen aus dem Iran sollen Beobachtern zufolge über den Seeweg in den Jemen geschmuggelt werden. (Archivbild) Quelle: Osamah Abdulrahman/AP/dpa

Der jemenitische Luftraum wird weitgehend von der saudi-geführten Koalition überwacht, die insbesondere den internationalen Flugverkehr zum Flughafen von Sanaa stark beschränkt. Experten gehen davon aus, dass die Huthi mit dem Versuch einer Landung aus Iran die Kontrolle über den Luftraum politisch und praktisch infrage stellen wollten.

Beobachter, darunter die Denkfabrik International Crisis Group, sehen die Huthi durch den Verlauf des Iran-Kriegs ermutigt. Demnach soll auch Teheran dieses Vorgehen unterstützt haben. Die Organisation sprach von einem Kurswechsel, weil der Iran in den vergangenen Jahren eher an einer Beruhigung der Lage im Jemen interessiert gewesen sei.

Die Huthi gaben Saudi-Arabien die Schuld für den Angriff auf den Flughafen von Sanaa Mitte Juli. Daraufhin kündigten sie eine „Blockade“ des Schiffsverkehrs gegen das Königreich an. Seither griff die Miliz mehrere saudische Schiffe und weitere Ziele in Saudi-Arabien an.

Wie war die Lage zuvor?

Schon seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs nach 2014 leidet der Jemen unter einer humanitären Katastrophe. Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Trotz vorhandener Öl- und Gasreserven zählt das Land zu den ärmsten und am wenigsten entwickelten Staaten weltweit.

Hinzu kommen langjährige innere Spannungen entlang religiöser, regionaler und stammesbezogener Linien. Zwischen 1967 und 1990 war der Jemen zudem in zwei Staaten geteilt. Auch islamistische Extremisten sind im Land aktiv; immer wieder kommt es zu Anschlägen und Entführungen.

Wie eng sind die Huthi mit dem Iran verbunden?

Nach Einschätzung von Fachleuten hätten die Huthi ohne Hilfe aus Teheran kaum ein derart umfangreiches Waffenarsenal aufbauen können. Dazu zählen auch Raketen mit Reichweiten von bis zu 3.000 Kilometern. Die Waffen sollen über See in den Jemen geschmuggelt worden sein. Zudem soll eine Eliteeinheit der iranischen Streitkräfte Huthi-Kämpfer ausgebildet haben. Der Iran selbst hat solche militärische und finanzielle Unterstützung in der Vergangenheit bestritten.

Seit den 1990er Jahren hat Teheran durch die Förderung schiitischer Milizen eine sogenannte „Achse des Widerstands“ gegen Israel aufgebaut. Zu diesem Netzwerk zählen neben den Huthi auch die Hamas. Nach dem Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober 2023 erklärten sich die Huthi mit der Terrororganisation solidarisch und griffen in der Folge sowohl Israel als auch Handelsschiffe im Roten Meer an.

Die Miliz präsentiert sich zudem seit Jahren als Ziel einer angeblichen Verschwörung durch Israel, die USA und Saudi-Arabien. Beobachter gehen davon aus, dass sie langfristig internationale Anerkennung anstrebt. Als wichtigste Einnahmequelle gilt der Verkauf geschmuggelter Erdölprodukte.

Droht jetzt eine weitere Eskalation?

Viele Beobachter halten eine weitere Verschärfung der Lage für wahrscheinlich. Die Folgen könnten weit über den Jemen hinausreichen.

Neue Angriffe auf Schiffe würden den Verkehr im Roten Meer und in der strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab erneut gefährden. Über diese Route verläuft ein bedeutender Handelsweg von Asien durch den Suezkanal nach Europa. Weil die Straße von Hormus durch den Iran-Krieg bereits stark beeinträchtigt ist, gewinnt diese Ausweichroute insbesondere für saudische Ölexporte zusätzlich an Bedeutung. Schon seit 2023 hatten Huthi-Angriffe im Roten Meer den Welthandel massiv gestört.

Gleichzeitig könnte ein neuer großer Krieg die ohnehin mühsamen Bemühungen um eine politische Lösung im Jemen um Jahre zurückwerfen. Damit droht das Land erneut zu einem zentralen Schauplatz des regionalen Machtkampfs zwischen Iran und seinen Gegnern zu werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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